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John Grinder: Mitbegründer des NLP

John Grinder ist ein US-amerikanischer Linguist und gemeinsam mit Richard Bandler der Mitbegründer des Neurolinguistischen Programmierens (NLP). Er brachte in den 1970er Jahren das sprachwissenschaftliche Handwerkszeug in die Zusammenarbeit ein, aus der das Meta-Modell, das Milton-Modell und später das New Code NLP hervorgingen. Geboren wurde er am 10. Januar 1940 in Detroit, Michigan.

Der Kern seiner Arbeit ist eine einfache Frage: Was genau tun Menschen, die außergewöhnlich gute Ergebnisse erzielen, und lässt sich das beschreiben, ohne es zu erklären? Aus dieser Frage entstand das Modelling, das methodische Herzstück des NLP.

John Grinder im Steckbrief

AngabeKurz gefasst
Geboren10. Januar 1940 in Detroit, Michigan
AusbildungBachelor in Psychologie an der University of San Francisco, Promotion in Linguistik an der University of California, San Diego (1971)
BeruflichAssistant Professor für Linguistik an der University of California, Santa Cruz
Fachliche WurzelTransformationsgrammatik in der Tradition von Noam Chomsky
Rolle im NLPMitbegründer, gemeinsam mit Richard Bandler, ab etwa 1972
Wichtigste ModelleMeta-Modell, Milton-Modell, Wahrnehmungspositionen, New Code NLP
Zentrale Bücher„The Structure of Magic“ (1975/1976), „Frogs into Princes“ (1979), „Whispering in the Wind“ (2001)
John Grinder auf einen Blick

Wer ist John Grinder?

John Grinder ist Sprachwissenschaftler, kein Psychologe oder Therapeut. Nach dem Bachelor in Psychologie an der University of San Francisco diente er in der US-Armee und arbeitete in Europa im Nachrichtendienst. Anschließend promovierte er in Linguistik an der University of California in San Diego und veröffentlichte 1973 gemeinsam mit Suzette Haden Elgin den „Guide to Transformational Grammar“.

Diese Herkunft erklärt, warum das NLP so sprachlastig ist. Grinder brachte ein Werkzeug mit, das in der Psychotherapie damals kaum genutzt wurde: die Unterscheidung zwischen Oberflächenstruktur (dem gesprochenen Satz) und Tiefenstruktur (der vollständigen inneren Repräsentation dahinter). Genau an dieser Lücke setzt das Meta-Modell an.

Wie ist das NLP entstanden?

Das NLP entstand ab etwa 1972 an der University of California in Santa Cruz aus der Zusammenarbeit von John Grinder und dem damaligen Studenten Richard Bandler. Bandler leitete dort Gestalt-Gruppen und hatte die Sprachmuster von Fritz Perls nachgeahmt, ohne benennen zu können, was genau er tat. Grinder übernahm die Aufgabe, das Muster sprachlich zu beschreiben.

Danach modellierten beide die Familientherapeutin Virginia Satir, die sie persönlich bei der Arbeit beobachten konnten. Über ihren Nachbarn Gregory Bateson kam der Kontakt zum Hypnotherapeuten Milton H. Erickson zustande. Aus diesen drei Vorbildern entstanden die ersten Modelle des NLP.

Wichtig für das Verständnis: Grinder und Bandler entwickelten diese Modelle gemeinsam. Zuschreibungen an eine einzelne Person werden der Arbeitsweise nicht gerecht, auch wenn sich die Schwerpunkte unterscheiden lassen.

Welche Modelle gehen auf John Grinder zurück?

Vier Modelle tragen seine Handschrift besonders deutlich. Alle vier verbindet, dass sie Sprache als Zugang zu inneren Prozessen behandeln.

ModellEntstandenWozu es dient
Meta-Modell1975, mit Richard BandlerFragen, die Verallgemeinerungen, Tilgungen und Verzerrungen in Aussagen auflösen
Milton-Modell1975 und 1977, nach Milton H. EricksonBewusst unbestimmte Sprache, die Raum für eigene Bedeutungen lässt
Wahrnehmungspositionen1987, mit Judith DeLozierPerspektivwechsel zwischen eigener Sicht, Sicht des Gegenübers und Beobachterposition
New Code NLPab 1986Formate, die weniger auf bewusste Steuerung und stärker auf Zustände setzen
Modelle, an denen John Grinder maßgeblich beteiligt war

Das Reframing und die Grundannahme der positiven Absicht wurden ebenfalls von beiden gemeinsam ausgearbeitet und 1982 in Buchform veröffentlicht.

Was ist New Code NLP?

New Code NLP ist Grinders Neufassung des NLP ab Mitte der 1980er Jahre, entwickelt zuerst mit Judith DeLozier, später mit Carmen Bostic St. Clair. Ausgangspunkt war seine Kritik am eigenen Werk: Die klassischen Formate verlangten vom Anwender zu viele bewusste Entscheidungen und führten häufig zu Ergebnissen, die im Alltag nicht hielten.

Im New Code wählt der Klient den Kontext, das Unbewusste wählt die Ressource. Bekannt geworden sind dafür Aufmerksamkeitsspiele wie das „Alphabet Game“ oder „NASA Game“, die einen produktiven Zustand herstellen, bevor an einem Thema gearbeitet wird. Grinder legte außerdem größeren Wert auf saubere Kalibrierung und auf die Trennung zwischen Beobachtung und Deutung.

Welche Bücher hat John Grinder geschrieben?

Die folgenden Titel bilden den Kern seines Werks. Die Zuordnung der Mitautoren ist wichtig, weil im Netz häufig Bücher fälschlich Grinder und Bandler zugeschrieben werden.

  • „The Structure of Magic I“ (1975) und „II“ (1976), mit Richard Bandler. Die Grundlagenwerke, in denen das Meta-Modell entwickelt wird.
  • „Patterns of the Hypnotic Techniques of Milton H. Erickson, M.D.“, Band I (1975) und Band II (1977), Band II gemeinsam mit Judith DeLozier. Grundlage des Milton-Modells.
  • „Changing with Families“ (1976), mit Richard Bandler und Virginia Satir.
  • „Frogs into Princes“ (1979), mit Richard Bandler. Mitschnitt eines frühen Seminars, bis heute der zugänglichste Einstieg.
  • „Trance-Formations“ (1981), mit Richard Bandler. Über die Struktur der Hypnose.
  • „Reframing“ (1982), mit Richard Bandler. Bedeutungs- und Kontextveränderung als Methode.
  • „Turtles All the Way Down“ (1987), mit Judith DeLozier. Der Startpunkt des New Code.
  • „Whispering in the Wind“ (2001), mit Carmen Bostic St. Clair. Grinders Rückblick auf die Entstehung des NLP und eine deutliche Kritik an dessen späterer Entwicklung.

Häufig falsch zugeordnet wird „Beliefs: Pathways to Health and Well-Being“. Dieses Buch stammt von Robert Dilts, Tim Hallbom und Suzi Smith, nicht von Grinder und Bandler.

Wie wird John Grinder heute eingeordnet?

Grinders Beitrag zur Kommunikationspraxis ist unbestritten, die wissenschaftliche Bilanz des NLP dagegen nüchtern. Tomasz Witkowski wertete 2010 im Polish Psychological Bulletin 33 Studien aus und fand mehrheitlich keine Bestätigung für die zentralen Annahmen. Bereits 1988 kam ein Bericht des US-amerikanischen National Research Council unter Leitung von Daniel Druckman und John Swets zu einem ähnlichen Ergebnis, insbesondere zu den Augenzugangshinweisen.

Bemerkenswert ist, dass Grinder selbst zu den schärfsten Kritikern der NLP-Szene gehört. In „Whispering in the Wind“ wirft er der Bewegung mangelnde methodische Disziplin vor und fordert die Trennung zwischen dem Modellierungsverfahren und den daraus entstandenen Anwendungen. Das Verhältnis zu Richard Bandler war zeitweise zerrüttet, ein Rechtsstreit um Markenrechte in den 1990er Jahren endete im Jahr 2000 mit einer Einigung.

Was davon in der Praxis trägt

In den NLP-Ausbildungen zeigt sich immer wieder, welche Teile von Grinders Arbeit im Alltag am meisten bringen.

Am robustesten ist das Meta-Modell. Wer lernt, bei „Das klappt nie“ nach dem Wer, Wann und Woran zu fragen, verändert Gespräche sofort, ganz ohne Theorie. Teilnehmerinnen berichten regelmäßig, dass genau diese Fragetechnik zuerst im Beruf ankommt.

Am wenigsten trägt die Vorstellung, aus Beobachtung ließen sich innere Zustände ablesen. Grinders eigene Forderung, Beschreibung und Deutung strikt zu trennen, ist der nüchternere und deutlich brauchbarere Teil seines Erbes. Wer im New Code arbeitet, merkt außerdem, wie viel Ruhe ein guter Ausgangszustand in eine Sitzung bringt, bevor überhaupt ein Thema benannt wird.

Hinweis: NLP ist eine Kommunikations- und Coachingmethode. Sie ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose und keine Behandlung.

Häufige Fragen zu John Grinder

Wer ist John Grinder?

John Grinder ist ein 1940 in Detroit geborener US-amerikanischer Linguist und gemeinsam mit Richard Bandler der Mitbegründer des NLP. Er lehrte Linguistik an der University of California in Santa Cruz und lieferte das sprachwissenschaftliche Gerüst der ersten NLP-Modelle.

Hat John Grinder das NLP allein erfunden?

Nein. Das NLP entstand in der Zusammenarbeit von John Grinder und Richard Bandler ab etwa 1972 in Santa Cruz. Beteiligt waren früh auch Judith DeLozier, Leslie Cameron-Bandler, Robert Dilts und David Gordon. Gregory Bateson stellte den Kontakt zu Milton H. Erickson her.

Was ist der Unterschied zwischen klassischem NLP und New Code NLP?

Im klassischen NLP wählt der Anwender bewusst Inhalt und Ressource aus. Im New Code wählt der Klient nur den Kontext, die passende Ressource stellt sich über einen zuvor erzeugten Zustand ein. New Code arbeitet dadurch inhaltsarmer und stellt höhere Anforderungen an die Wahrnehmung des Begleiters.

Welches Buch von John Grinder sollte man zuerst lesen?

Für den Einstieg eignet sich „Frogs into Princes“ (1979), weil es ein mitgeschnittenes Seminar wiedergibt und ohne Vorwissen lesbar ist. Wer die Theorie dahinter sucht, greift zu „The Structure of Magic I“ (1975). „Whispering in the Wind“ (2001) lohnt sich für alle, die Grinders eigene Kritik am NLP kennenlernen wollen.

Ist John Grinder noch aktiv?

John Grinder arbeitet seit den 1980er Jahren mit Carmen Bostic St. Clair zusammen und gibt über deren gemeinsame Firma Quantum Leap international Trainings zum New Code NLP. Aktuelle Termine veröffentlicht er über seine eigenen Kanäle, nicht über die klassischen NLP-Verbände.

Wo kann ich die Modelle von John Grinder lernen?

Meta-Modell und Milton-Modell gehören zum Pflichtstoff jeder Practitioner-Ausbildung. Einen ersten Eindruck gibt das NLP-Einführungsseminar, die vollständige Ausbildung mit Zertifikat findest du im NLP Practitioner online oder in den NLP-Ausbildungen vor Ort.

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