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Hypnose: Definition, Wirkung und Grenzen

Hypnose ist ein Bewusstseinszustand mit stark gebündelter Aufmerksamkeit, verringerter Wahrnehmung der Umgebung und erhöhter Ansprechbarkeit für Suggestionen. Derselbe Begriff bezeichnet auch das Verfahren, mit dem dieser Zustand hergestellt wird, die hypnotische Induktion.

Der Name führt in die Irre. Er stammt vom altgriechischen Wort hypnos für Schlaf, doch Hypnose ist kein Schlaf und auch kein Teilschlaf. Die Hirnaktivität entspricht einem Wachzustand: Die Person hört mit, kann sprechen, jederzeit abbrechen und erinnert sich in aller Regel an die gesamte Sitzung. Diese Beschreibung folgt der Definition der Division 30 der American Psychological Association aus dem Jahr 2015.

Hypnose auf einen Blick

FrageKurze Antwort
Was ist Hypnose?Ein Zustand fokussierter Aufmerksamkeit mit erhöhter Ansprechbarkeit für Suggestionen
Ist das Schlaf?Nein, die Hirnaktivität entspricht einem Wachzustand
Wie entsteht der Zustand?Über eine Induktion mit Fixation, Atemführung und sprachlichen Mustern
Reagiert jeder gleich?Nein, etwa 10 bis 15 Prozent sprechen sehr stark an, ein ähnlicher Anteil kaum
Medizinisch gut untersucht beiSchmerz, Reizdarmsyndrom, Begleitung von Eingriffen
Verliert man die Kontrolle?Nein, Suggestionen gegen die eigenen Werte werden abgelehnt
Klare GrenzeKein Ersatz für ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung
Hypnose im Überblick

Was ist Hypnose genau?

Der Begriff meint drei Dinge, die im Alltag durcheinandergehen: den Zustand, das Verfahren und die medizinische Anwendung. Wer sie auseinanderhält, versteht die meisten Missverständnisse sofort.

  • Der Zustand. Die hypnotische Trance, ein wacher Zustand mit eng gebündelter Aufmerksamkeit. Erkennbar an Tranceanzeichen wie veränderter Atmung, ruhiger Mimik und langsameren Bewegungen.
  • Das Verfahren. Die Tranceinduktion, also der Weg in diesen Zustand, und die Tranceexduktion als sauberer Rückweg.
  • Die medizinische Anwendung. In Kliniken auch Hypnosedierung genannt, etwa zur Begleitung von zahnärztlichen oder chirurgischen Eingriffen.

Trance und Hypnose werden oft gleichgesetzt. Genauer ist: Trance bezeichnet den Zustand und kommt auch ohne Anleitung vor, etwa beim Lesen oder auf einer langen Autofahrt. Hypnose meint den Zustand, der gezielt hergestellt wird. Sehr tiefe Stadien werden als Somnambulismus bezeichnet.

Wie läuft eine Hypnosesitzung ab?

Eine seriöse Sitzung besteht nicht nur aus der Induktion. Der größere Teil der Arbeit liegt davor und danach.

  1. Vorgespräch. Anliegen klären, Erwartungen und Ängste besprechen, Ablauf erklären, Einverständnis einholen, ein Abbruchsignal vereinbaren.
  2. Induktion. Aufmerksamkeit bündeln, meist über Fixation, Atemführung und ruhige Sprache. Grundlage ist tragfähiger Rapport.
  3. Vertiefung. Der Zustand wird stabilisiert, oft durch Fraktionieren, also mehrfaches Hinein und Heraus.
  4. Arbeitsphase. Suggestionen, innere Bilder oder ein Format, zum Beispiel die Arbeit mit Ressourcen oder eine Altersregression.
  5. Rückführung. Vollständig orientiert zurück in den Raum, mit klarem Abschluss und wacher Ansprache.
  6. Nachgespräch. Erleben besprechen, Transfer in den Alltag festlegen, offene Fragen klären.

Wie hängen Hypnose und NLP zusammen?

Das NLP ist unter anderem aus der Beobachtung von Hypnosearbeit entstanden. Richard Bandler und John Grinder modellierten in den 1970er Jahren die Sprache des Hypnotherapeuten Milton H. Erickson und veröffentlichten das Ergebnis 1975 und 1977 unter dem Titel „Patterns of the Hypnotic Techniques of Milton H. Erickson, M.D.“. Daraus wurde das Milton-Modell.

Erickson war eine der prägenden Figuren der modernen Hypnotherapie, aber nicht ihr alleiniger Begründer. Sein Beitrag lag in der indirekten Arbeitsweise: Utilisation statt Widerstandsbrechen, Pacing vor Leading, Geschichten statt Befehlen.

Häufig werden Meta-Modell und Milton-Modell verwechselt oder in ihrer Wirkrichtung vertauscht. Sie sind Gegenstücke.

MerkmalMeta-ModellMilton-Modell
SprachrichtungMacht Vages konkretLässt bewusst offen und unbestimmt
Typische Form„Wer genau?“ „Woran merkst du das?“„Und während du hier sitzt, kannst du bemerken …“
WirkungKlärt, prüft, hinterfragtBegleitet und öffnet innere Suchprozesse
HerkunftFritz Perls, Virginia Satir, TransformationsgrammatikMilton H. Erickson
Typischer EinsatzZielklärung, Arbeit an GlaubenssätzenInduktion, Trancearbeit, Rapportaufbau
Meta-Modell und Milton-Modell im Vergleich

Der oft zitierte Satz, jede NLP-Methode sei Hypnose, geht zu weit. Richtig ist: Viele NLP-Formate arbeiten mit innerer Aufmerksamkeitslenkung und erzeugen dabei leichte Trancephasen. Das macht sie nicht automatisch zu Hypnose im klinischen Sinn.

Was ist bei Hypnose wissenschaftlich belegt?

Belegt ist die Wirkung vor allem dort, wo Aufmerksamkeit und Schmerzverarbeitung eine Rolle spielen. Nicht belegt ist alles, was mit Erinnerungsauffrischung oder Fremdsteuerung zu tun hat.

Der Psychologe Ernest R. Hilgard entwickelte an der Stanford University ab 1959 gemeinsam mit André Weitzenhoffer standardisierte Skalen zur Messung der Hypnotisierbarkeit. Sein wichtigstes Ergebnis: Die Ansprechbarkeit ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich und bleibt über Jahre relativ stabil. Der Gastroenterologe Peter Whorwell erforscht seit 1984 in Manchester darmbezogene Hypnotherapie beim Reizdarmsyndrom, ein bis heute gut untersuchtes Anwendungsfeld. In Deutschland hat der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie Hypnotherapie 2006 für einen eng umgrenzten Anwendungsbereich als wissenschaftlich anerkannt eingestuft.

Nicht haltbar ist dagegen die Vorstellung, Hypnose bringe verschollene Erinnerungen zuverlässig zurück. Die Gedächtnisforschung von Elizabeth Loftus zeigt, dass Suggestion Erinnerungen verändern und neu entstehen lassen kann. Hypnose erhöht vor allem die subjektive Sicherheit, nicht die Richtigkeit.

Welche Mythen halten sich hartnäckig?

Verbreitete AnnahmeWas tatsächlich gilt
Hypnose ist eine Form von SchlafDie Hirnaktivität entspricht einem Wachzustand mit enger Aufmerksamkeit
Man verliert die KontrolleSuggestionen, die den eigenen Werten widersprechen, werden abgelehnt
Man erinnert sich hinterher an nichtsDie meisten Menschen erinnern die Sitzung vollständig
Jeder ist gleich gut hypnotisierbarDie Ansprechbarkeit schwankt stark und ist über Jahre stabil
Hypnose macht Erinnerungen wieder abrufbarSie erhöht die Sicherheit im Erinnern, nicht die Richtigkeit
Man kann in Trance steckenbleibenDafür gibt es keinen Beleg, der Zustand endet auch von selbst
Häufige Irrtümer über Hypnose

Was sich in der Praxis zeigt

In unseren NLP-Ausbildungen ist die erste Trance für viele eine Enttäuschung im besten Sinn. Erwartet wird ein Spektakel, erlebt wird etwas Vertrautes: dieselbe Versunkenheit wie beim Lesen eines guten Buches.

Zwei Beobachtungen wiederholen sich. Erstens verschwindet die Angst vor Kontrollverlust fast immer schon im Vorgespräch, sobald jemand erfährt, dass er mithört und jederzeit abbrechen kann. Zweitens entscheidet nicht das Skript über das Gelingen, sondern die Beziehung. Eine schlecht formulierte Induktion mit gutem Rapport wirkt zuverlässiger als ein perfekter Text ohne.

Und wer sich für „nicht hypnotisierbar“ hält, hat meistens nur eine andere Art von Zugang. Manche Menschen arbeiten besser über Körperempfindung oder Klänge als über innere Bilder.

Welche Grenzen hat Hypnose?

  • Kein Heilversprechen. Hypnose ersetzt weder Diagnose noch ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
  • Nicht für jede Situation. Bei Psychosen, akuten Krisen und dissoziativen Störungen gehört die Arbeit in fachliche Hände und nicht in ein Coachingsetting.
  • Keine Beweiskraft. Was in Trance erinnert wird, ist kein Beleg für ein Ereignis. Suggestive Fragen haben in der Arbeit nichts verloren.
  • Showhypnose ist etwas anderes. Bühnenauftritte arbeiten mit Vorauswahl, Gruppendruck und Erwartung. Sie sagen über therapeutische Hypnose wenig aus.
  • Rechtlicher Rahmen. In Deutschland ist die Behandlung von Krankheiten Ärztinnen, Psychotherapeuten und Heilpraktikern vorbehalten. Coaching mit hypnotischen Sprachmustern ist keine Heilbehandlung.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert über eine Methode und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei körperlichen Beschwerden oder psychischer Belastung wende dich bitte an eine ärztliche oder psychotherapeutische Praxis.

Häufige Fragen zur Hypnose

Was ist Hypnose in einfachen Worten?

Hypnose ist ein wacher Zustand, in dem die Aufmerksamkeit stark gebündelt ist und die Umgebung in den Hintergrund tritt. In diesem Zustand wirken sprachliche Anregungen stärker als sonst. Vergleichbar ist das Gefühl, in einem Buch oder Film versunken zu sein.

Ist Hypnose gefährlich?

Bei fachkundiger Anwendung gilt Hypnose als risikoarm. Die betroffene Person bleibt ansprechbar und kann jederzeit abbrechen. Vorsicht ist geboten bei Psychosen, akuten Krisen und dissoziativen Störungen, hier gehört die Arbeit in ärztliche oder psychotherapeutische Hände.

Kann jeder hypnotisiert werden?

Fast jeder kann eine leichte Trance erleben, aber die Tiefe ist sehr unterschiedlich. Nach den Stanford-Skalen sprechen etwa 10 bis 15 Prozent der Menschen sehr stark an, ein ähnlicher Anteil kaum. Diese Ansprechbarkeit bleibt über Jahre relativ stabil und hängt nicht von Willensstärke oder Intelligenz ab.

Was ist der Unterschied zwischen Hypnose und Trance?

Trance bezeichnet den Zustand und kommt auch ungeplant vor, etwa beim Autofahren auf bekannter Strecke. Hypnose meint den gezielt hergestellten Zustand und zugleich das Verfahren, mit dem er erzeugt wird. Jede Hypnose führt in eine Trance, aber nicht jede Trance ist Hypnose.

Was ist der Unterschied zwischen Meta-Modell und Milton-Modell?

Das Meta-Modell fragt nach und macht unklare Sprache konkret. Das Milton-Modell tut das Gegenteil und formuliert bewusst offen, damit die Zuhörerin die Lücken mit eigenem Erleben füllt. Das eine klärt, das andere begleitet in die Trance.

Wo lerne ich hypnotische Sprachmuster?

Das Milton-Modell und die Grundlagen der Trancearbeit gehören zum Standard einer NLP-Grundausbildung. Einen ersten Eindruck gibt das NLP-Einführungsseminar, die vollständige Arbeit damit der NLP Practitioner. Für ein persönliches Anliegen ist das Life Coaching der passende Rahmen.

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