Autosuggestion ist die gezielte Selbstbeeinflussung des eigenen Denkens, Fühlens und Handelns allein durch die Kraft der eigenen Gedanken. Wer sich immer wieder positive Sätze vorsagt, prägt damit sein Unterbewusstsein – ähnlich wie man einen Computer programmiert. Ein bekanntes Beispiel ist der Placebo-Effekt, bei dem allein der Glaube an eine „Scheinsubstanz“ eine positive Wirkung auslöst.
Das Gegenstück ist der Nocebo-Effekt: Hier lösen eigentlich neutrale Situationen negative Reaktionen aus, weil wir sie erwarten. Ein typisches Beispiel – man liest den Beipackzettel eines Medikaments, rechnet mit Kopfschmerzen und bekommt sie tatsächlich, obwohl sie nur als mögliche Nebenwirkung genannt wurden.
Über Autosuggestion beeinflussen wir also unser Unterbewusstsein: Bestimmte Überzeugungen werden zu Glaubenssätzen, die sich mit der Zeit in unserem Verhalten und sogar in körperlichen Reaktionen widerspiegeln. Die Grundannahme dahinter: Jeder Mensch kann sein Wohlbefinden steigern, indem er sich positive Suggestionsformeln – auch Affirmationen genannt – regelmäßig wiederholt. Solche Formeln lauten zum Beispiel „Ich fühle mich gut und bin glücklich“, „Ich werde heute Nacht einen Klartraum haben“ oder „Ich schaffe das“.
Woher stammt die Autosuggestion?
Die moderne Autosuggestion geht auf den französischen Apotheker Émile Coué (1857–1926) zurück. Er beobachtete im 19. Jahrhundert, dass die Wirkung seiner Medikamente stark davon abhing, welche Worte er bei der Übergabe benutzte. Kunden, denen er die Arznei mit aufmunternden Worten reichte – „Da hat der Arzt Ihnen ein gutes Mittel verschrieben, das wird schnell wirken“ – berichteten von deutlich stärkeren Effekten als jene, denen er nichts sagte. Aus dieser Beobachtung entstand Coués berühmte Formel: „Es geht mir Tag für Tag in jeder Hinsicht immer besser.“
Worauf kommt es beim autosuggestiven Training an?
Damit Autosuggestion wirkt, sind drei Dinge entscheidend: volle Konzentration, echtes Gefühl und regelmäßige Wiederholung.
- Konzentration: Wiederhole die Glaubenssätze ungestört, ohne Handy oder Fernseher. Denke intensiv an ihren Inhalt.
- Lebendig vorstellen: Sage die Affirmationen nicht mechanisch auf, sondern spüre sie. Stell dir bildlich vor, wie sie wahr werden – Visualisierung verstärkt die Wirkung.
- Regelmäßig üben: Wiederhole die Sätze täglich über einen längeren Zeitraum, etwa einen Monat. Erst durch Wiederholung verankern sie sich im Unterbewusstsein.
Wie läuft autosuggestives Training ab?
Ein autosuggestives Training folgt in der Praxis fünf Schritten:
- Ziel setzen: Lege fest, was du erreichen möchtest – zum Beispiel „Ich möchte meine Träume selbst steuern können“.
- Entspannen: Löse dich von äußeren Ablenkungen und entspanne körperlich wie geistig, etwa durch autogenes Training oder das bewusste An- und Entspannen von Muskelgruppen.
- Atmen: Atme mehrmals tief ein und aus, um weiter zur Ruhe zu kommen.
- Ziel visualisieren & Glaubenssatz wiederholen: Denke an dein Ziel und formuliere es so, dass es sich natürlich anfühlt, etwa „Heute Nacht kann ich meine Träume steuern“.
- Üben: Wiederhole deinen Glaubenssatz mit Begeisterung – im Beispiel so lange, bis du einschläfst.
Wofür kann man Autosuggestion nutzen?
Autosuggestion lässt sich in nahezu jedem Lebensbereich einsetzen – von der persönlichen und beruflichen Entwicklung über das Erlernen des Klarträumens bis hin zu besserem Einschlafen, Gewichtsreduktion oder dem Rauchstopp. Im Coaching und in der NLP-Ausbildung ist sie ein Grundbaustein, weil sie zeigt, wie eng Sprache, Vorstellung und Verhalten zusammenhängen. Wie stark Gedanken sogar körperliche Prozesse beeinflussen, beschreibe ich im Beitrag Selbstheilung: Stress & Glaubenssätze.
Aus meiner Coaching-Praxis: Als ich selbst Klarträumen lernen wollte, habe ich mir wochenlang jeden Abend denselben Satz vorgesagt. Anfangs fühlte es sich mechanisch an – bis ich anfing, den Moment des luziden Traums wirklich vor mir zu sehen und zu fühlen. Genau ab da veränderte sich etwas. Diese Erfahrung deckt sich mit dem, was ich bei Klientinnen und Klienten immer wieder erlebe: Autosuggestion wirkt nicht durch das bloße Aufsagen, sondern durch die Emotion dahinter.
Häufige Fragen zur Autosuggestion
Was ist Autosuggestion einfach erklärt?
Autosuggestion bedeutet, das eigene Denken und Fühlen durch bewusst wiederholte Gedanken oder Sätze zu beeinflussen. Man „programmiert“ sein Unterbewusstsein mit positiven Botschaften, damit sie im Alltag und Verhalten wirksam werden.
Funktioniert Autosuggestion wirklich?
In gewissem Rahmen ja. Phänomene wie der Placebo- und Nocebo-Effekt zeigen, dass Erwartung und Glaube messbare Reaktionen auslösen. Autosuggestion ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Behandlung, kann Einstellung, Motivation und Wohlbefinden aber spürbar unterstützen.
Wie oft sollte man Affirmationen wiederholen?
Am besten täglich und über mehrere Wochen. Entscheidend ist nicht die reine Menge, sondern die Regelmäßigkeit und das Gefühl, mit dem du die Sätze wiederholst.
Was ist der Unterschied zwischen Autosuggestion und Affirmation?
Eine Affirmation ist der einzelne positive Satz („Ich schaffe das“). Autosuggestion ist der übergeordnete Prozess, bei dem solche Affirmationen gezielt und wiederholt eingesetzt werden, um das Unterbewusstsein zu beeinflussen.

