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Milton H. Erickson: Leben, Methoden und Wirkung

„Life will bring you pain all by itself. Your responsibility is to create joy.“

Milton H. Erickson

Milton H. Erickson (1901 bis 1980) war ein US-amerikanischer Psychiater und Psychotherapeut, der die Hypnose von starren Standardverfahren löste und für jeden Menschen einen eigenen Zugang suchte. Bekannt wurde er für indirekte Sprachmuster, Geschichten und die Nutzung dessen, was ein Klient ohnehin mitbringt. Aus der Beobachtung seiner Arbeit entstand eines der beiden Sprachmodelle des NLP.

Für das NLP ist Erickson deshalb mehr als eine historische Fußnote. Richard Bandler und John Grinder beschrieben seine Sprachmuster 1975 und 1977 in zwei Bänden und machten daraus das Milton-Modell. Wer heute mit Hypnose oder mit bewusst vagen Formulierungen arbeitet, arbeitet mit Ericksons Erbe.

Milton H. Erickson im Steckbrief

AngabeKurz
Vollständiger NameMilton Hyland Erickson
Lebensdaten5. Dezember 1901 in Aurum, Nevada, bis 25. März 1980 in Phoenix, Arizona
BerufPsychiater, Psychotherapeut, Hypnotherapeut
AusbildungMedizinstudium und Psychologie an der University of Wisconsin, Abschlüsse 1928
Wichtige RolleGründer und erster Präsident der American Society for Clinical Hypnosis (1957)
Beitrag zum NLPGrundlage des Milton-Modells und der Utilisation
BesonderheitNach zwei Poliomyelitis-Erkrankungen körperlich stark eingeschränkt, rot-grün-blind, ohne Tonhöhengehör
Milton H. Erickson auf einen Blick

Was machte Ericksons Ansatz anders?

Erickson ersetzte das standardisierte Skript durch einen Zugang pro Person. Statt allen dieselbe Induktion vorzulesen, beobachtete er, wie jemand sprach, atmete und saß, und baute daraus seine Sprache. Was andere als Widerstand behandelten, nutzte er als Material.

Dieses Prinzip heißt Utilisation und ist sein eigentliches Vermächtnis. Ein Klient, der nicht die Augen schließen wollte, bekam die Anweisung, sie offen zu halten und einen Punkt an der Wand anzusehen. Aus der Weigerung wurde die Induktion.

Eine verbreitete Darstellung gehört dabei zurechtgerückt: Erickson hat die Hypnose nicht im Alleingang wiederbelebt. Sigmund Freud hatte sich um 1896 von der Hypnose abgewandt, und das trug dazu bei, dass sie in der Psychotherapie jahrzehntelang wenig Beachtung fand. Erickson war die sichtbarste Figur ihrer Rückkehr, aber er arbeitete in einem Feld mit Kollegen, Fachgesellschaften und Zeitschriften.

Auch das „Unbewusste“ bei Erickson ist nicht Freuds Unbewusstes. Freud sah dort vor allem Verdrängtes, Erickson einen Speicher an Lernerfahrungen, auf den sich zurückgreifen lässt. Das ist ein Arbeitsmodell und keine neurowissenschaftliche Aussage.

Welche Techniken gehen auf Erickson zurück?

Ericksons Handwerk besteht aus Sprachmustern, Geschichten und Timing. Die Tabelle ordnet die wichtigsten Elemente und zeigt, wo sie im NLP wieder auftauchen.

ElementWorum es gehtIm NLP zu finden bei
Indirekte SuggestionEin Vorschlag wird angedeutet, nicht angeordnetIndirekte Elizierungsmuster
Bewusste VagheitUnbestimmte Formulierungen, die der Hörer selbst fülltAmbiguität, Milton-Modell
Eingebettete AnnahmenDie Veränderung wird als selbstverständlich vorausgesetztPräsupposition
Geschichten und MetaphernDer Punkt wird erzählt, nicht erklärtNested Loops
UtilisationAlles, was auftritt, wird zum WerkzeugUtilisation, Pacing und Leading
UmdeutenDieselbe Tatsache in einem anderen RahmenReframing
Ericksons Elemente und ihre Entsprechungen im NLP

Eine Zuschreibung stimmt so allerdings nicht: Das Reframing als ausformuliertes Format stammt nicht von Erickson. Er deutete Situationen um, systematisiert und in Schritte gebracht wurde das Umdeuten später im NLP und in der Familientherapie.

Wie kam Ericksons Arbeit ins NLP?

Über eine Empfehlung und viele Tonbänder. Gregory Bateson machte Richard Bandler und John Grinder Mitte der 1970er Jahre auf Erickson aufmerksam. Die beiden reisten nach Phoenix, beobachteten seine Sitzungen und schrieben die Muster heraus, die sie in seiner Sprache erkannten.

Das Ergebnis erschien 1975 und 1977 als „Patterns of the Hypnotic Techniques of Milton H. Erickson, M.D.“ in zwei Bänden, den zweiten verfassten sie zusammen mit Judith DeLozier. Bekannt gemacht hatte Erickson zuvor der Familientherapeut Jay Haley, dessen Buch „Uncommon Therapy“ 1973 seine Fallgeschichten einem breiten Publikum zugänglich machte. Die vollständigen Fachtexte legte Ernest Rossi ab 1980 in den „Collected Papers“ vor.

Was sich in der Praxis zeigt

In unseren NLP-Ausbildungen ist der Erickson-Teil der, bei dem am meisten schiefgeht, und zwar immer auf dieselbe Weise.

Erstens: Teilnehmende verwechseln vage mit beliebig. Ericksons Sätze sind präzise gebaut und nur an genau einer Stelle offen. Wer durchgehend unbestimmt spricht, klingt nicht hypnotisch, sondern unkonzentriert.

Zweitens: Die Geschichten werden zu lang. Erickson erzählte oft über Minuten, aber er sprach zu einer Person, die er kannte. In einer Übungsgruppe trägt eine kurze Alltagsgeschichte weiter als eine ausgedachte Parabel.

Drittens: Der Ton wird feierlich. Aufnahmen von Erickson zeigen einen ruhigen, fast trockenen Sprecher mit langen Pausen. Wer eine Sängerstimme aufsetzt, verliert genau die Unaufdringlichkeit, die den Unterschied macht.

Wie ist Ericksons Arbeit heute einzuordnen?

Sein Einfluss auf Hypnotherapie, systemische Therapie und NLP ist belegt, die Wirksamkeit einzelner Techniken dagegen weniger gut. Zwei Punkte gehören zu einer ehrlichen Darstellung.

  • Die Grundlage sind Fallgeschichten. Ericksons Arbeit ist überwiegend in Einzelfallberichten dokumentiert, die er selbst verfasste oder autorisierte. Solche Berichte zeigen, was möglich war, und nicht, wie oft es gelingt.
  • Indirekt ist nicht automatisch besser. Untersuchungen von Steven Jay Lynn und Kollegen in den 1980er Jahren fanden keinen durchgehenden Vorteil indirekter gegenüber direkter Suggestion. Entscheidender scheint die Hypnotisierbarkeit der einzelnen Person zu sein.
  • Techniken sind kein Berufsabschluss. Erickson war Arzt und arbeitete mit Patienten. Sprachmuster aus seiner Arbeit sind im Coaching gut nutzbar, die Behandlung psychischer Erkrankungen bleibt davon getrennt.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert über eine Person und ihre Methoden. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose und keine Behandlung. Bei psychischen Beschwerden, Schmerzen oder anhaltender Belastung wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine psychotherapeutische Praxis.

Häufige Fragen zu Milton H. Erickson

Wer war Milton H. Erickson?

Milton Hyland Erickson (1901 bis 1980) war ein US-amerikanischer Psychiater und Psychotherapeut, der als einflussreichster Hypnotherapeut des 20. Jahrhunderts gilt. Er arbeitete ab 1948 in Phoenix, Arizona, gründete 1957 die American Society for Clinical Hypnosis und entwickelte einen Zugang, der für jeden Menschen eigene Formulierungen sucht.

Was ist die Ericksonsche Hypnose?

Die Ericksonsche Hypnose arbeitet mit indirekter Sprache, Geschichten und dem, was der Klient von selbst mitbringt, statt mit einem festen Induktionsskript. Trance gilt dabei als Zustand fokussierter Aufmerksamkeit, nicht als Schlaf und nicht als Kontrollverlust. Der Klient bleibt handlungsfähig und kann jederzeit abbrechen.

Was hat Erickson mit dem NLP zu tun?

Richard Bandler und John Grinder beobachteten Ericksons Sitzungen und schrieben seine Sprachmuster heraus. Daraus entstand das Milton-Modell, eines der beiden Sprachmodelle des NLP. Erickson selbst war kein NLP-Trainer, sondern Gegenstand der Beobachtung.

Was bedeutet Utilisation bei Erickson?

Utilisation bedeutet, alles zu nutzen, was in der Sitzung auftritt, auch Störungen, Symptome und Widerspruch. Ein Husten, ein Geräusch von der Straße oder ein „Ich kann das nicht“ wird in die nächste Formulierung eingebaut, statt dagegen zu arbeiten. Dieses Prinzip gilt als Ericksons wichtigster Beitrag.

Wie krank war Erickson selbst?

Erickson erkrankte mit 17 Jahren an Poliomyelitis und ein zweites Mal 1952. Er war rot-grün-blind, konnte Tonhöhen nicht unterscheiden und nutzte später einen Rollstuhl, dazu lebte er mit chronischen Schmerzen. Sein genaues Beobachten von Körpersprache führte er selbst auf die Zeit nach der ersten Erkrankung zurück, in der er weitgehend bewegungsunfähig war.

Wo lerne ich Ericksons Sprachmuster?

Einen ersten Eindruck von Sprache und Rapport gibt das NLP-Einführungsseminar. Das Milton-Modell selbst gehört in eine Ausbildung mit Übungsgruppe, also in die NLP-Ausbildungen oder in den Online NLP Practitioner. Wer an einem eigenen Thema arbeiten möchte, ist im Life Coaching richtig.

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