NLP Life Coaching

Modelling im NLP: Exzellenz nachbaubar machen

Modelling ist im NLP der systematische Prozess, die Denk- und Verhaltensmuster eines besonders fähigen Menschen so genau zu erfassen, dass andere sie nachbauen und selbst anwenden können. Aus einer Fähigkeit, die jemand „einfach kann“, wird dabei ein beschreibbares Modell aus Schritten, inneren Bildern, Überzeugungen und Maßstäben. Im Deutschen wird derselbe Prozess auch Modellieren genannt.

Modelling ist keine Randtechnik, sondern der Ursprung des NLP: Richard Bandler und John Grinder untersuchten in den 1970er-Jahren, was Fritz Perls, Virginia Satir und Milton H. Erickson in ihrer Arbeit tatsächlich taten – nicht, was diese über ihre Arbeit sagten. Aus dieser Beobachtung entstanden die ersten NLP-Modelle.

Was wird beim Modelling erfasst?

Erfasst wird nicht das sichtbare Verhalten allein, sondern die komplette innere Struktur einer Fähigkeit. Vier Ebenen gehören dazu:

EbeneLeitfrageBeispiel
VerhaltenWas tut die Person konkret – sichtbar und hörbar?Sprechtempo, Pausen, Blickkontakt
StrategieIn welcher Reihenfolge laufen die inneren Schritte ab?Bild sehen → Gefühl prüfen → entscheiden
ÜberzeugungenWas muss jemand glauben, damit das funktioniert?„Jeder Einwand ist eine Information.“
Werte und KriterienWas ist der Person dabei wichtig?Klarheit vor Tempo
Die vier Ebenen beim Modelling im NLP

Wie läuft Modelling Schritt für Schritt ab?

In der Praxis folgt Modelling fast immer vier Phasen: beobachten, nachbauen, reduzieren, weitergeben.

  1. Vorbild wählen und beobachten. Du suchst dir jemanden, der genau die Fähigkeit zeigt, die du willst – und beobachtest ihn in echten Situationen. Mit gezielten Fragen (Elizitation) holst du heraus, was innerlich passiert.
  2. Unbewusst nachbauen. Du übernimmst Haltung, Sprache und Ablauf möglichst vollständig – noch ohne zu verstehen, warum es wirkt. Diese Phase fühlt sich unbequem an und wird deshalb gern übersprungen.
  3. Reduzieren. Du lässt einzelne Elemente weg und prüfst, ob das Ergebnis noch da ist. Was du weglassen kannst, war Beiwerk. Das TOTE-Modell liefert dafür die Prüfschleife.
  4. Weitergeben. Erst wenn eine dritte Person mit deiner Beschreibung ein vergleichbares Ergebnis erzielt, ist das Modell fertig. Das ist der eigentliche Qualitätstest.

Was unterscheidet Modelling vom Nachahmen?

Nachahmen kopiert die Oberfläche, Modelling rekonstruiert die Struktur. Wer eine Rednerin imitiert, übernimmt ihre Gesten; wer sie modelliert, findet heraus, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richtet, bevor sie spricht. Deshalb funktioniert ein Modell auch bei Menschen mit ganz anderer Ausstrahlung – die inneren Ressourcen sind übertragbar, die Persönlichkeit muss es nicht sein.

Was Modelling nicht leisten kann

Modelling ersetzt keine Übung und keine körperlichen Voraussetzungen. Wer die Strategie einer Konzertpianistin kennt, spielt noch lange nicht wie sie – Jahre motorischen Trainings lassen sich nicht abkürzen. Auch der Kontext zählt: Eine Führungsstrategie, die in einem Team hervorragend wirkt, kann in einem anderen scheitern. Und schließlich ist das Modelling-Vorgehen des NLP eine praktische Heuristik, kein empirisch abgesichertes Verfahren; Robert Dilts hat es in Modeling with NLP (1998) ausführlich beschrieben, wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweise stehen aber weitgehend aus.

Wenn du das Modelling nicht nur nachlesen, sondern an echten Beispielen üben willst, ist es fester Bestandteil meiner NLP-Ausbildungen und Seminare.

Aus meiner Coaching-Praxis

Der häufigste Fehler, den ich in Ausbildungsgruppen sehe: Es wird gefragt, warum jemand etwas tut, bevor sauber beobachtet wurde, was er tut. Die Antworten klingen dann klug und führen trotzdem ins Leere, weil Menschen ihre eigenen Fähigkeiten selten korrekt erklären können – sie sind ihnen längst selbstverständlich geworden. Ich lasse deshalb zuerst schweigend beobachten und erst danach fragen. Und ich frage sehr kleinteilig: nicht „Wie gehst du auf Menschen zu?“, sondern „Was ist das Erste, was du wahrnimmst, wenn du den Raum betrittst?“

Häufige Fragen zum Modelling

Was ist Modelling im NLP einfach erklärt?

Modelling bedeutet, eine Fähigkeit bei jemandem, der sie beherrscht, so genau zu untersuchen, dass man sie beschreiben und weitergeben kann. Beobachtet werden Verhalten, innere Abläufe, Überzeugungen und Werte – nicht nur das, was die Person über sich selbst sagt.

Was ist der Unterschied zwischen Modelling und Modellieren?

Es ist derselbe Prozess. „Modelling“ ist der englische Originalbegriff aus dem NLP, „Modellieren“ die deutsche Übersetzung. Im deutschsprachigen Raum werden beide Bezeichnungen synonym verwendet; in Ausbildungen ist meist von Modelling die Rede.

Wie lange dauert es, jemanden zu modellieren?

Das hängt vom Umfang der Fähigkeit ab. Eine klar umrissene Fertigkeit – etwa wie jemand ein schwieriges Gespräch eröffnet – lässt sich in wenigen Stunden modellieren. Komplexe Kompetenzen wie souveräne Führung erfordern viele Beobachtungen über Wochen und mehrere Testdurchläufe.

Kann ich mich selbst modellieren?

Ja, das ist sogar besonders nützlich. Du untersuchst dabei eine Situation, in der dir etwas mühelos gelungen ist, und rekonstruierst deine eigene Strategie. Anschließend kannst du sie bewusst auf Situationen übertragen, in denen sie dir bisher fehlte.

Woran erkenne ich, dass ein Modell funktioniert?

Ein Modell ist dann brauchbar, wenn eine dritte Person allein anhand deiner Beschreibung ein ähnliches Ergebnis erzielt. Gelingt das nicht, fehlt meist eine unbewusste Zwischenstufe oder eine Überzeugung, die das Vorbild für selbstverständlich hält.

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