Der Moment of Excellence ist ein NLP-Format, das einen kraftvollen Zustand aus der eigenen Vergangenheit ankert, damit er später auf Abruf verfügbar ist. Gesucht wird eine Erinnerung, in der jemand wirklich bei sich und handlungsfähig war. Dieser Zustand wird mit einem Reiz verknüpft, zum Beispiel einem Druck auf die Schulter, und ist damit wieder aufrufbar.
Die Technik setzt voraus, dass du Ankertechniken beherrschst. Bekannt ist das Format auch als State of Excellence. Eine Klarstellung gleich am Anfang: Die gesuchte Situation muss nicht perfekt gewesen sein. Gebraucht wird ein Zustand, nicht ein Erfolg, und ein gelungenes Gespräch reicht dafür genauso wie ein Wettkampfsieg.
Moment of Excellence auf einen Blick
| Frage | Kurze Antwort |
|---|---|
| Was ist der Moment of Excellence? | Ein NLP-Format, das einen eigenen Kraftzustand ankert und abrufbar macht |
| Anderer Name | State of Excellence |
| Voraussetzung | Sicheres Setzen und Testen von Ankern |
| Dauer | 15 bis 30 Minuten |
| Typische Anlässe | Präsentationen, Prüfungen, schwierige Gespräche, Wettkampf |
| Klare Grenze | Kein Mittel gegen Angststörungen, kein Ersatz für Vorbereitung |
Was ist der Moment of Excellence genau?
Der Moment of Excellence ist ein bewusst gesetzter Anker auf einen selbst gewählten State. Im Alltag entstehen solche Kopplungen ständig von allein, meist unbemerkt: Ein Lied, ein Geruch, ein Tonfall bringt sofort ein Gefühl mit. Das Format nutzt dieses Prinzip absichtlich und in die gewünschte Richtung.
Entscheidend ist die Intensität des Zustands beim Ankern, nicht die Bedeutung der Erinnerung. Deshalb wird die Szene über alle Sinne durchlaufen (VAKOG) und nicht nur erzählt. Erzählen bleibt außen, Durchleben führt hinein, und nur der zweite Weg erzeugt den Zustand, der geankert werden soll.
Wie läuft der Moment of Excellence ab?
In sieben Schritten, von der Wahl des Ankerpunkts bis zum Test in einer künftigen Situation. Die Reihenfolge ist wichtig: Der Anker wird im Aufsteigen des Zustands gesetzt und nicht auf dem Höhepunkt, weil das Gefühl danach bereits abfällt.
- Ankerpunkt festlegen. Eine Stelle wählen, die du im Alltag nicht zufällig berührst, zum Beispiel eine bestimmte Stelle an der Schulter oder am Handgelenk. Näheres dazu im Eintrag zu kinästhetischen Ankern.
- Drei Situationen sammeln. Suche drei Erinnerungen, in denen du den gewünschten Zustand deutlich hattest, und nimm die stärkste davon.
- Die Szene durchleben. Geh hinein: Was siehst du, was hörst du, wie stehst oder sitzt du, wie atmest du? Steigere die Intensität über die Submodalitäten, etwa indem das Bild näher und größer wird.
- Anker setzen. Sobald der Zustand deutlich ansteigt, den Ankerpunkt berühren und die Berührung halten, bis der Höhepunkt erreicht ist. Die Qualitätskriterien dafür fasst der Eintrag zu den TIGER-Kriterien zusammen. Zusätzlich lassen sich eine Farbe, ein Symbol, ein Wort oder eine Geste koppeln.
- Zustand unterbrechen. Ein Separator bringt dich heraus: aufstehen, aus dem Fenster schauen, rückwärts von zehn zählen.
- Anker testen. Den Punkt berühren, ohne an die Szene zu denken. Kommt der Zustand von selbst zurück, sind Haltung und Atmung sichtbar anders. Beim Kalibrieren zeigt sich das zuverlässiger als in der Selbsteinschätzung.
- Zukunft und Öko-Check. Drei künftige Situationen durchspielen, in denen der Zustand hilft (Future Pace), und prüfen, ob etwas dagegen spricht. Der Öko-Check fragt: Passt dieser Zustand in allen betroffenen Lebensbereichen?
Trägt ein Anker noch nicht, hilft das Stapeln weiterer Erinnerungen auf dieselbe Stelle. Dieses Vorgehen beschreibt der Eintrag zu Stacking Anchors.
Moment of Excellence oder Circle of Excellence?
Beide Formate machen einen Ressourcezustand abrufbar, unterscheiden sich aber im Anker. Der Moment of Excellence arbeitet mit einer Berührung, der Circle of Excellence mit einem Ort im Raum.
| Merkmal | Moment of Excellence | Circle of Excellence |
|---|---|---|
| Art des Ankers | Berührung an einer Körperstelle | Ein imaginierter Kreis auf dem Boden |
| Bewegung | Im Sitzen möglich | Hinein- und Heraustreten gehört dazu |
| Im Alltag nutzbar | Unauffällig, auch vor Publikum | Eher zur Vorbereitung geeignet |
| Typischer Einsatz | Kurz vor dem Auftritt | Am Abend vorher oder im Training |
Ein weiteres verwandtes Format ist der Ressource Super Charger, bei dem mehrere Ressourcen zu einem Zustand gestapelt werden. Geht es nicht um das Abrufen, sondern um das Verändern eines belastenden Zustands, passt Collapsing Anchors besser.
Was sich in der Praxis zeigt
In Coachings und in unseren NLP-Ausbildungen scheitert dieses Format fast immer an denselben drei Stellen.
Erstens: Die Erinnerung wird erzählt statt erlebt. Wer im Präteritum berichtet, bleibt außen. Der Wechsel in die Gegenwartsform („Ich stehe da, ich höre…“) verändert den Zustand innerhalb weniger Sätze spürbar.
Zweitens: Der Anker wird zu spät gesetzt. Viele warten, bis das Gefühl groß ist, und berühren dann. Zu diesem Zeitpunkt geht die Kurve schon nach unten, geankert wird also das Abklingen. Setze den Anker im Anstieg.
Drittens: Der Anker wird nie wieder benutzt. Ein Anker, der ein halbes Jahr ungenutzt bleibt, verliert an Wirkung. Zwei bis drei bewusste Abrufe pro Woche in harmlosen Situationen halten ihn lebendig, und genau dieser Teil fällt im Alltag zuerst weg.
Woher stammt das Format und was ist belegt?
Das Ankern beschrieben Richard Bandler und John Grinder 1979 in „Frogs into Princes“. Der Moment of Excellence ist eine Zusammenstellung daraus, wie sie in NLP-Ausbildungen üblich geworden ist, und geht nicht auf eine einzelne Veröffentlichung zurück.
Zum Format selbst gibt es keine belastbare Wirksamkeitsforschung. Plausibel ist der Mechanismus dennoch: Die Gedächtnisforschung von Gordon Bower zeigte ab 1981, dass Erinnerungen und Gefühlszustände miteinander verknüpft abgespeichert werden und ein Zustand den Zugriff auf dazu passende Inhalte erleichtert. Der polnische Psychologe Tomasz Witkowski legte 2010 dagegen eine Übersichtsarbeit vor, die der NLP-Methodik insgesamt eine dünne empirische Grundlage bescheinigt. Beides gehört zu einer ehrlichen Darstellung.
Welche Grenzen hat der Moment of Excellence?
- Ein Anker ersetzt keine Vorbereitung. Wer den Inhalt eines Vortrags nicht kennt, wird durch einen guten Zustand nicht besser, sondern nur selbstsicherer im Ungewissen.
- Anker verblassen. Ohne gelegentliche Nutzung nimmt die Wirkung ab. Nach Monaten lohnt es, den Zustand neu zu ankern statt auf den alten Punkt zu hoffen.
- Kein Mittel gegen Angststörungen. Bei einer Angststörung, bei Panikattacken oder bei Traumafolgen greift dieses Format nicht, und die Erwartung, es müsste greifen, vergrößert den Druck. Hier gehört die Arbeit in fachliche Hände.
- Der Zustand muss passen. Volle Energie ist in einem Konfliktgespräch manchmal das Falsche. Frage vorher, welcher Zustand die Situation tatsächlich verlangt, oft ist es Ruhe und nicht Kraft.
Hinweis: Dieser Beitrag informiert über eine Coachingmethode. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose und keine Behandlung. Bei Angstsymptomen, Panikattacken oder anhaltender Belastung wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine psychotherapeutische Praxis.
Häufige Fragen zum Moment of Excellence
Was ist der Moment of Excellence im NLP?
Der Moment of Excellence ist ein NLP-Format, bei dem ein eigener Kraftzustand aus der Vergangenheit über alle Sinne durchlebt und dann mit einem Reiz verknüpft wird, meist einer Berührung. Danach lässt sich der Zustand über diesen Reiz wieder aufrufen. Bekannt ist das Format auch als State of Excellence.
Wie lange hält ein Moment-of-Excellence-Anker?
Das hängt vor allem von der Nutzung ab. Ein gut gesetzter Anker hält Wochen bis Monate, verblasst aber, wenn er nicht abgerufen wird. Zwei bis drei bewusste Abrufe pro Woche in unkritischen Momenten halten ihn verfügbar.
Was tun, wenn der Anker nicht funktioniert?
Meist war der Zustand zu schwach oder der Anker zu spät gesetzt. Stapele zwei bis drei weitere Erinnerungen auf dieselbe Stelle und ankere im Anstieg des Gefühls, nicht auf dem Höhepunkt. Prüfe auch, ob die Ankerstelle jedes Mal genau gleich getroffen wird, denn Abweichungen kosten Wirkung.
Kann ich den Moment of Excellence allein üben?
Ja, dieses Format gehört zu den wenigen, die sich gut allein anwenden lassen, weil nur eigene Ressourcen im Spiel sind. Schwierig bleibt das Timing, weil die Beobachtung von außen fehlt. Ein Video vom eigenen Durchgang hilft überraschend gut weiter.
Muss die Erinnerung ein großer Erfolg sein?
Nein. Gebraucht wird ein Zustand, kein Ergebnis. Ein ruhiges, gelungenes Gespräch oder ein Moment beim Wandern trägt oft besser als eine Preisübergabe, weil das Körpergefühl dabei klarer war. Entscheidend ist, wie deutlich der Zustand beim Durchleben wird.
Wo lerne ich das Ankern richtig?
Ankern mit Rückmeldung zum Timing lernst du am schnellsten in einer Übungsgruppe. Einen Einstieg bietet das NLP-Einführungsseminar, systematisch gehört das Thema in die NLP-Ausbildungen oder in den Online NLP Practitioner. Wer an einer konkreten Situation arbeiten möchte, etwa an einem Auftritt, ist im Life Coaching richtig.

