Der Circle of Excellence ist eine NLP-Technik, bei der du einen Ressourcezustand über mehrere Sinneskanäle an einen gedachten Kreis am Boden koppelst und ihn später wieder abrufst, indem du diesen Kreis betrittst. Der Kreis wirkt als Raumanker. Er bündelt inneres Bild, inneren Satz und Körperhaltung zu einem einzigen Auslöser. Wer die Technik geübt hat, holt sich Ruhe oder Klarheit genau dann zurück, wenn sie gebraucht wird, etwa in den letzten Minuten vor einem Vortrag.
| Merkmal | Circle of Excellence |
|---|---|
| Kurzdefinition | Ressourcezustand wird an einen Kreis am Boden geankert und durch Betreten abgerufen |
| Entwickelt von | John Grinder und Judith DeLozier, Mitte der 1980er Jahre |
| Typische Anlässe | Lampenfieber, Prüfung, Bewerbungsgespräch, schwieriges Gespräch, Wettkampf |
| Dauer | 15 bis 25 Minuten beim ersten Durchlauf, danach Sekunden |
| Voraussetzung | Mindestens eine echte Erinnerung an den gewünschten Zustand |
| Verwandte Formate | Moment of Excellence, Stacking Anchor, Collapsing Anchors |
Wie funktioniert der Circle of Excellence?
Der Circle of Excellence funktioniert, weil ein Ort im Raum zum Auslöser für einen inneren Zustand wird. Du rufst eine Erinnerung an deine beste Verfassung ab, gehst im Moment der stärksten Intensität in den Kreis und verknüpfst so Ort und Zustand. Später genügt der Schritt in den Kreis, um denselben Zustand wieder zu aktivieren.
Der Unterschied zu einem einfachen Anker liegt in der Anzahl der Kanäle. Ein Handanker nutzt eine Berührung, der Kreis dagegen sammelt Bild, Klang, Bewegung und Position. Je mehr Kanäle beteiligt sind, desto stabiler bleibt der Zustand auch unter Druck. Der abgerufene Zustand heißt im NLP Moment of Excellence.
Anleitung: Circle of Excellence in acht Schritten
Du brauchst etwa drei Quadratmeter freien Boden und 20 Minuten ungestörte Zeit. Jeder Anker wird außerhalb des Kreises vorbereitet und erst dann hineingetragen.
- Zustand wählen. Entscheide dich für einen konkreten Zustand, den du künftig verfügbar haben willst, zum Beispiel Gelassenheit, Klarheit oder Mut. Ein Zustand pro Durchgang.
- Kreis anlegen. Stelle dir vor dir einen Kreis am Boden vor und gib ihm Farbe, Größe und vielleicht Bewegung. Das ist der visuelle Anker.
- Erinnerung suchen. Finde außerhalb des Kreises eine Situation, in der du diesen Zustand tatsächlich erlebt hast. Sie muss nicht spektakulär sein, sie muss echt sein.
- Erste Verknüpfung. Steige in den Kreis, während die Erinnerung am stärksten wird. Bleibe, solange der Zustand trägt, und verlasse den Kreis, bevor er abflacht.
- Auditiven Anker ergänzen. Suche außerhalb des Kreises ein Wort, einen Satz oder ein Geräusch, das zum Zustand passt. Das ist dein auditiver Anker. Nimm ihn mit in den Kreis.
- Kinästhetischen Anker ergänzen. Lege eine Haltung, eine Geste oder eine Atmung fest, die den Zustand stützt. Dieser kinästhetische Anker wandert ebenfalls in den Kreis.
- Testen. Tritt aus dem Kreis, denke an etwas Neutrales und steige dann erneut ein. Verändert sich Haltung, Atmung oder Stimme spürbar, sitzt der Anker. Genau darauf achtet eine Trainerin beim Kalibrieren.
- In die Zukunft übertragen. Stelle dir die künftige Situation vor, in der du den Zustand brauchst, und lege den Kreis gedanklich dorthin. Dieser Schritt heißt Future Pace und entscheidet darüber, ob die Technik im Alltag ankommt.
Welche Anker gehören in den Kreis?
In den Kreis gehören mindestens drei Ankerarten: ein visueller, ein auditiver und ein kinästhetischer. Der Ort selbst kommt als vierter Anker dazu. Die folgende Übersicht zeigt, was jeder Kanal beiträgt.
| Kanal | Beispiel | Beitrag zum Zustand |
|---|---|---|
| Visuell | Goldener Kreis mit klarer Kante | Macht den Zustand als Ort erkennbar und abgrenzbar |
| Auditiv | Innerer Satz „Ich bin bereit“ | Trägt den Zustand auch dann, wenn du dich nicht bewegen kannst |
| Kinästhetisch | Aufrechte Haltung, tiefe Ausatmung | Wirkt schnell und ist von außen unauffällig |
| Räumlich | Position auf dem Boden | Bündelt alle anderen Anker in einer einzigen Bewegung |
Für den Alltag braucht es später einen unsichtbaren Ersatz. Viele nutzen den auditiven oder den kinästhetischen Anker allein, weil sich im Meetingraum kein Kreis betreten lässt. Weitere Varianten der Ankerarbeit findest du unter Stacking Anchor und Collapsing Anchors.
Wo liegen die Grenzen des Circle of Excellence?
Der Circle of Excellence stärkt vorhandene Ressourcen, er löst aber keine tiefer liegenden Konflikte. Wo ein innerer Anteil aktiv gegen das Ziel arbeitet, bleibt der Kreis wirkungslos, weil der Zustand beim Betreten sofort wieder kippt.
- Ohne eine echte Erinnerung an den Zustand fehlt der Rohstoff. Erfundene Zustände ankern nicht.
- Bei starker Angst mit Körpersymptomen ist eine gezielte Angstarbeit sinnvoller als ein Ressourceanker.
- Anker verblassen ohne Wiederholung. Ein Kreis, der ein halbes Jahr nicht genutzt wurde, braucht eine Auffrischung.
- Wenn das Ziel selbst nicht stimmt, macht der Kreis nur den falschen Weg angenehmer. Dann lohnt zuerst die Zielarbeit.
Aus der Praxis: drei typische Stolperstellen
In Ausbildungsgruppen scheitert der Circle of Excellence selten an der Technik, meist am Timing. Diese drei Punkte tauchen in fast jeder Übungsrunde auf.
- Zu spät eingestiegen. Wer erst in den Kreis geht, wenn die Erinnerung schon verblasst, ankert die Erschöpfung statt der Kraft. Der Einstieg gehört in die aufsteigende Phase.
- Zu lange geblieben. Nach dem Höhepunkt fällt der Zustand ab. Wer bleibt, koppelt das Nachlassen mit an. Zwei bis fünf Sekunden nach dem Gipfel wieder heraus.
- Zu allgemein gewählt. „Mehr Selbstbewusstsein“ ist kein Zustand, sondern eine Nominalisierung. Brauchbar wird es erst als Szene: ruhige Stimme, fester Stand, Blick ins Publikum.
Wer die Technik unter Anleitung ausprobieren möchte, findet im NLP-Einführungsseminar einen Rahmen dafür, in dem auch das Kalibrieren zu zweit geübt wird. Die vollständige Ankerarbeit gehört in die NLP-Practitioner-Ausbildung.
Woher stammt der Circle of Excellence?
Der Circle of Excellence stammt von John Grinder und Judith DeLozier, die ihn in ihrer Arbeit am sogenannten New Code of NLP beschrieben haben, unter anderem in „Turtles All the Way Down“ von 1987. Die Idee, einen Zustand an einen Reiz zu koppeln, geht auf die klassische Konditionierung nach Iwan Pawlow zurück.
Anschlussfähig ist die Technik außerdem an die Forschung zum zustandsabhängigen Erinnern. Der Psychologe Gordon H. Bower zeigte in seiner Arbeit „Mood and Memory“ (American Psychologist, 1981), dass Erinnerungen leichter zugänglich sind, wenn die innere Verfassung beim Abruf der beim Einspeichern ähnelt. Der Kreis stellt genau diese Verfassung wieder her. Ein Wirksamkeitsnachweis für das NLP-Format selbst ist damit nicht verbunden, die Studienlage zu einzelnen NLP-Techniken bleibt dünn.
Häufige Fragen zum Circle of Excellence
Wie lange hält ein Circle of Excellence?
Ein sauber gesetzter Circle of Excellence hält oft mehrere Wochen, verblasst aber ohne Nutzung. Wer den Kreis einmal pro Woche kurz betritt, hält ihn stabil. Nach längerer Pause genügt meist ein verkürzter Durchgang mit der ursprünglichen Erinnerung, um ihn wieder aufzuladen.
Kann ich den Circle of Excellence allein durchführen?
Ja, die Technik lässt sich allein anwenden. Allein fällt allerdings das Kalibrieren weg, also die Beobachtung von außen, ob sich Haltung, Atmung und Mimik beim Betreten wirklich verändern. Als Ersatz hilft eine kurze Videoaufnahme oder eine zweite Person, die nur zuschaut.
Was ist der Unterschied zwischen Circle of Excellence und Moment of Excellence?
Der Moment of Excellence ist der Zustand, der Circle of Excellence ist das Format, mit dem dieser Zustand abrufbar gemacht wird. Man erinnert also einen Moment of Excellence und verankert ihn im Kreis. Ohne diesen erinnerten Höhepunkt bleibt der Kreis leer.
Funktioniert der Circle of Excellence gegen Lampenfieber?
Bei normalem Lampenfieber ist der Circle of Excellence eine der schnellsten Techniken, weil sich der Zustand kurz vor dem Auftritt gezielt umschalten lässt. Bei ausgeprägter Auftrittsangst mit Herzrasen, Zittern oder Vermeidung reicht ein Ressourceanker nicht aus. Dort gehört die Angst selbst bearbeitet, gegebenenfalls therapeutisch.
Was tun, wenn der Kreis sich leer anfühlt?
Ein leerer Kreis bedeutet fast immer, dass die Erinnerung zu blass war oder der Einstieg zu spät kam. Wähle eine Situation, die du körperlich noch spürst, verstärke Bild und Ton, bevor du eintrittst, und steige ein, während die Intensität steigt. Hilft das nicht, ist der gewünschte Zustand vermutlich zu abstrakt formuliert.
Für wen ist die Technik nicht geeignet?
Nicht geeignet ist die Technik, wenn die Belastung Krankheitswert hat, etwa bei einer Angststörung, einer Depression oder nach einem Trauma. Ressourcearbeit kann dort begleitend sinnvoll sein, sie ersetzt aber keine Diagnose und keine Behandlung. In solchen Fällen ist ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung der erste Schritt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information über eine Coaching-Methode. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden psychischen Beschwerden wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine psychotherapeutische Praxis.

