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Nominalisierung im NLP: Meta-Modell & Beispiele

Eine Nominalisierung ist im NLP ein Prozesswort, das als Hauptwort auftritt und dadurch einen laufenden Vorgang wie ein festes Ding erscheinen lässt. Beziehung, Entscheidung, Kommunikation, Angst, Vertrauen: Das klingt nach Dingen, gemeint sind aber Handlungen. Jemand bezieht sich auf jemanden, jemand entscheidet etwas, jemand vertraut jemandem in einer bestimmten Sache. Sobald der Prozess zum Substantiv erstarrt, verschwinden die handelnden Personen, der Zeitpunkt und die Frage, was genau getan wird.

Genau deshalb ist die Nominalisierung ein zentrales Muster im Meta-Modell der Sprache. Wer sagt „Unsere Kommunikation ist schlecht“, beschreibt einen Zustand, an dem sich nichts machen lässt. Wer sagt „Ich höre dir zu selten zu“, beschreibt ein Verhalten, das veränderbar ist.

Wie erkennst du eine Nominalisierung? Der Schubkarren-Test

Frag dich, ob du das Wort in eine Schubkarre legen könntest. Geht das nicht und es ist trotzdem ein Hauptwort, hast du es sehr wahrscheinlich mit einer Nominalisierung zu tun. Einen Stuhl, einen Hund und einen Sack Zement kannst du transportieren. Eine Entscheidung, eine Beziehung oder Anerkennung nicht.

Ein zweiter Test funktioniert über die Sprache selbst: Setz das Wort in den Satz „eine laufende …“ oder frag, ob sich ein passendes Verb finden lässt. „Eine laufende Entscheidung“ ergibt Sinn, „ein laufender Stuhl“ nicht. Zu Entscheidung gehört entscheiden, zu Stuhl gehört nichts.

Wie löst du Nominalisierungen mit dem Meta-Modell auf?

Indem du das Hauptwort zurück in ein Verb verwandelst und die fehlenden Angaben erfragst: wer, wen, was genau und woran erkennbar. Diese Rückverwandlung heißt im NLP Denominalisierung. Sie gibt dem Gegenüber die Handlungsfähigkeit zurück, weil an einem Prozess etwas veränderbar ist, an einem Ding nicht.

NominalisierungZugrundeliegendes VerbAuflösende Meta-Modell-Frage
Beziehungsich beziehen, miteinander umgehen„Wie genau geht ihr gerade miteinander um?“
Entscheidungentscheiden„Was genau möchtest du wann entscheiden?“
Kommunikationmiteinander sprechen„Wer spricht mit wem worüber, und was fehlt dabei?“
Angstsich fürchten„Wovor genau fürchtest du dich in welcher Situation?“
Vertrauenvertrauen„Wem möchtest du wobei vertrauen, und woran würdest du es merken?“
Anerkennunganerkennen„Wer soll was an dir anerkennen, und wie?“
Unterstützungunterstützen„Wer soll dich bei welchem Schritt konkret unterstützen?“
Erfolggelingen„Was genau soll dir bis wann gelingen?“
Freiheitfrei sein, entscheiden dürfen„Wobei möchtest du freier entscheiden dürfen als heute?“
Veränderungsich verändern„Was genau soll sich verändern, und wer tut den ersten Schritt?“
Typische Nominalisierungen, das getilgte Verb und die passende Meta-Modell-Frage

Im Meta-Modell zählt die Nominalisierung zu den Verzerrungen, weil ein Vorgang als Gegenstand dargestellt wird. Gleichzeitig steckt in ihr fast immer eine Tilgung, denn die Beteiligten und die Umstände fallen weg. Häufig tritt sie zusammen mit anderen Mustern auf, etwa mit Universalquantoren („Immer diese Diskussionen“) oder mit einer Generalisierung über alle ähnlichen Situationen hinweg.

Richard Bandler und John Grinder haben das Meta-Modell 1975 in The Structure of Magic I beschrieben und sich dabei auf die Transformationsgrammatik von Noam Chomsky gestützt, besonders auf die Unterscheidung von Oberflächen- und Tiefenstruktur. Die Nominalisierung ist in dieser Logik ein Ort, an dem beim Weg von der Tiefen- zur Oberflächenstruktur Information verloren geht.

Warum setzt das Milton-Modell Nominalisierungen bewusst ein?

Weil ihre Unschärfe hier der Zweck ist. Im Milton-Modell, das auf den Sprachmustern von Milton H. Erickson beruht, werden Nominalisierungen absichtlich stehen gelassen, damit der Zuhörer sie mit eigenem Inhalt füllt. „Du kannst dir jetzt die Ruhe erlauben, die du brauchst“ sagt nicht, was Ruhe ist. Jeder Mensch setzt dort ein, was für ihn passt.

Dasselbe Sprachmuster hat also zwei entgegengesetzte Einsatzrichtungen. Welche du wählst, hängt davon ab, ob du Klarheit erzeugen oder Spielraum lassen willst.

AspektMeta-ModellMilton-Modell
UmgangNominalisierung wird aufgelöstNominalisierung wird bewusst gesetzt
AbsichtHandlungsspielraum zurückgeben, Konkretes erfragenRaum lassen, damit der Zuhörer selbst füllt
Typischer Satz„Wie genau möchtest du entscheiden?“„Deine Entscheidung reift bereits.“
WirkungSchärfe, Verantwortung, ein nächster SchrittZustimmung, innere Suche, Trance
Verwandte MusterTilgung und Verzerrung sichtbar machenPräsuppositionen, unbestimmte Verben
Nominalisierungen im Meta-Modell und im Milton-Modell

Was unterscheidet Nominalisierung und Substantivierung?

Die Grammatik meint mit Substantivierung jedes Wort, das zum Nomen wird, auch „das Rote“ oder „das Schöne“. Das NLP interessiert sich nur für den Teil davon, bei dem ein Prozess verschwindet. „Das Rote an deinem Kleid“ ist grammatisch eine Substantivierung, aber kein Fall fürs Meta-Modell, weil kein Handeln getilgt wurde. „Die Anerkennung fehlt mir“ dagegen schon.

Sprachlich entstehen Nominalisierungen im Deutschen auf vier Wegen. Sie zu kennen hilft, sie im Gespräch schneller zu hören.

  1. Artikel vor dem Infinitiv. Ich lese gern, daraus wird: Das Lesen bereitet mir Freude.
  2. Endungen wie ung, heit, keit, nis. Er plant seit Monaten, daraus wird: Die Planung dauert schon Monate.
  3. Vorsilben. Er redet ständig, daraus wird: Das Gerede stört mich.
  4. Partizip als Nomen. Ich habe etwas beobachtet, daraus wird: Das Beobachtete war aufschlussreich.

Aus meiner Praxis: der Satz, der alles verändert

In Paarthemen höre ich fast immer denselben Einstieg: „Unsere Kommunikation funktioniert nicht.“ Solange dieser Satz steht, sitzt am Tisch ein Problem ohne Verursacher, und beide können nur darüber klagen. Ich frage dann nicht nach Gefühlen, sondern nach dem Verb: Wer sagt wann was, und was passiert danach?

Meist kommt nach zwei, drei Nachfragen etwas sehr Konkretes: „Ich frage abends, wie sein Tag war, und bekomme drei Wörter zurück.“ Das ist bearbeitbar. „Die Kommunikation“ war es nicht.

Der typische Fehler in Ausbildungen ist der umgekehrte: Frisch gelernte Practitioner lösen jede Nominalisierung auf, die ihnen begegnet. Nach zwölf Fragen fühlt sich das Gegenüber verhört und macht dicht. Ich empfehle eine Faustregel: höchstens zwei Auflösungen pro Thema, und immer die, die dem Ziel am nächsten liegt.

Grenzen: Wann das Auflösen schadet

Nominalisierungen sind kein Sprachfehler. Sie verdichten Bedeutung und machen Gespräche überhaupt erst ökonomisch. Würden wir sie sämtlich auflösen, bräuchten wir für jeden Gedanken drei Sätze.

  • Rapport geht vor Präzision. Ein Meta-Modell-Frageblock ohne Beziehung wirkt wie ein Verhör. Frag sparsam und mit weicher Stimme.
  • Nicht jedes Hauptwort ist ein Fall. Tisch, Vertrag und Termin bestehen den Schubkarren-Test oder haben eine klare Referenz. Da gibt es nichts aufzulösen.
  • Manche Unschärfe ist gewollt. Bei belastenden Themen schützt eine Nominalisierung. Wer „die Sache damals“ sagt, hat oft gute Gründe, noch nicht konkreter zu werden.
  • Das Modell ist kein Wirksamkeitsnachweis. Die Sprachmuster des Meta-Modells sind gut beschrieben, ihre Wirkung im Coaching ist überwiegend nicht in kontrollierten Studien untersucht. Auch die ursprüngliche Anlehnung an Chomskys Grammatiktheorie ist eine Analogie, keine bestätigte psycholinguistische Theorie.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Häufige Fragen zur Nominalisierung

Was ist eine Nominalisierung im NLP?

Eine Nominalisierung ist ein Prozesswort, das als Hauptwort auftritt, zum Beispiel Beziehung, Entscheidung oder Vertrauen. Der zugrundeliegende Vorgang erscheint dadurch als festes Ding, und die Beteiligten sowie die Umstände fallen aus dem Satz heraus. Im Meta-Modell wird sie durch gezielte Fragen wieder in ein Verb zurückverwandelt.

Wie funktioniert der Schubkarren-Test?

Du prüfst, ob sich das Hauptwort in eine Schubkarre legen ließe. Einen Stein oder einen Sack Erde kannst du hineinlegen, Vertrauen oder eine Entscheidung nicht. Wenn es nicht geht und das Wort trotzdem ein Nomen ist, handelt es sich meist um eine Nominalisierung.

Warum sind Nominalisierungen im Coaching ein Problem?

Weil sie Handlungsspielraum verdecken. „Unsere Beziehung ist schwierig“ beschreibt einen Zustand, den niemand verändern kann. „Wir hören einander abends nicht zu“ beschreibt ein Verhalten, an dem sich sofort arbeiten lässt. Das Auflösen der Nominalisierung bringt die handelnden Personen zurück in den Satz.

Warum verwendet das Milton-Modell Nominalisierungen absichtlich?

Weil vage Sprache dem Zuhörer erlaubt, eigene Inhalte einzusetzen. Wer „Lernen“, „Sicherheit“ oder „Veränderung“ hört, füllt diese Wörter automatisch mit dem, was für ihn stimmt. Genau das erzeugt Zustimmung und leitet die innere Suche ein, während das Meta-Modell die entgegengesetzte Richtung nimmt.

Sind Nominalisierungen schlechter Stil?

Nicht grundsätzlich. In Texten machen zu viele Nominalisierungen die Sprache schwerfällig, weil Handlungen hinter Hauptwörtern verschwinden. Als Kurzform für komplexe Vorgänge sind sie aber unverzichtbar. Entscheidend ist, ob im jeweiligen Moment Klarheit oder Verdichtung gebraucht wird.

Wo kann ich das Meta-Modell und Nominalisierungen lernen?

Die Sprachmuster lernst du am besten im Üben mit echten Sätzen. Einen ersten Zugang bekommst du an einem Samstag im NLP-Einführungsseminar, das komplette Meta-Modell mit allen Verletzungsformen ist Teil der NLP-Practitioner-Ausbildung. Weitere Sprachmuster findest du in der NLP-Enzyklopädie.

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