Die Mentorentechnik ist ein NLP-Format, bei dem du dich nacheinander in mehrere selbst gewählte Vorbilder hineinversetzt und ihre Sicht auf dein Thema aufnimmst. Jeder Mentor bekommt einen eigenen Platz im Raum, du betrittst diesen Platz, nimmst die Perspektive ein und trägst die Botschaft anschließend an deinen eigenen Platz zurück.
Der Nutzen liegt im Perspektivwechsel. Wer in einem Thema feststeckt, dreht sich meist in der eigenen Bewertung im Kreis. Die Mentorentechnik holt Sichtweisen dazu, die im eigenen Kopf bereits angelegt sind, aber im Problemzustand nicht abgerufen werden.
Die Mentorentechnik auf einen Blick
| Frage | Kurze Antwort |
|---|---|
| Was ist die Mentorentechnik? | Ein Format, bei dem du nacheinander die Perspektive mehrerer Vorbilder einnimmst und ihre Botschaften mitnimmst |
| Wozu dient sie? | Neue Sichtweisen auf ein festgefahrenes Thema, Zugang zu eigenen Ressourcen |
| Wer hat sie geprägt? | Robert Dilts hat die Arbeit mit inneren Mentoren im NLP-Coaching systematisch beschrieben |
| Wie viele Mentoren? | Meist drei, mehr als fünf verwässern das Ergebnis |
| Dauer | 30 bis 45 Minuten |
| Was wird gebraucht? | Etwas Platz im Raum für Bodenanker, Papier für die Botschaften |
| Klare Grenze | Kein Ersatz für echte fachliche Beratung und keine Bearbeitung belastender Erinnerungen |
Was ist die Mentorentechnik genau?
Die Mentorentechnik gehört zur Arbeit mit Wahrnehmungspositionen. Du verlässt deine eigene Sicht und betrittst für einige Minuten die Sicht einer anderen Figur. Das Format nutzt dabei Raumanker: Jeder Platz im Raum ist fest mit einer Perspektive verknüpft, das Betreten des Platzes ruft sie ab.
Eine Klarstellung ist wichtig, weil sie oft untergeht: Die Mentorentechnik ist kein Modelling im engeren Sinn. Beim Modelling wird die Strategie einer realen Person mit ihr gemeinsam und über viele Schritte herausgearbeitet. Bei der Mentorentechnik entsteht die Botschaft in dir selbst, das Vorbild ist der Zugangsweg dorthin. Deshalb funktioniert das Format auch mit Figuren, die es nie gegeben hat.
Die Arbeit mit inneren Mentoren hat Robert Dilts für das NLP-Coaching ausgearbeitet, unter anderem in „From Coach to Awakener“ (2003). Er beschreibt Mentoren dort als verinnerlichte Beziehungen, die als Ressource abrufbar bleiben, auch wenn die Person längst nicht mehr anwesend ist. Der Gedanke, sich zu verhalten, als wäre eine bestimmte Eigenschaft bereits vorhanden, stammt aus dem Als-ob-Rahmen.
Wie läuft die Mentorentechnik ab?
Der Ablauf hat sechs Schritte. Der am häufigsten übersprungene ist Schritt 4: Ohne Rückkehr auf den eigenen Platz bleibt die Botschaft beim Mentor und kommt nicht bei dir an.
- Thema festlegen. Worum geht es konkret, und woran würdest du merken, dass sich etwas gelöst hat? Ein Satz genügt, aber er sollte präzise sein.
- Drei Mentoren wählen. Erlaubt ist alles, was für dich Kraft hat: Menschen aus deinem Leben, historische Personen, Figuren aus Büchern und Filmen, Tiere, ein Ort in der Natur. Lege für jeden Mentor einen Platz im Raum fest.
- Erste Position betreten. Stelle dich auf den Platz des ersten Mentors, nimm seine Körperhaltung an und schau von dort auf dein Thema. Leitfrage: „Was sehe ich von hier aus, was du nicht siehst?“
- Zurück auf den eigenen Platz. Verlasse die Position körperlich, schüttle sie ab und nimm die Botschaft als du selbst entgegen. Schreibe sie in einem Satz auf. Erst dann folgt der nächste Mentor.
- Botschaften zusammenführen. Lies die drei Sätze nacheinander. Welcher trägt am weitesten? Wo widersprechen sie sich, und was sagt dir dieser Widerspruch?
- In den Alltag übertragen. Lege eine konkrete Handlung für die kommende Woche fest und sichere sie mit einem Future Pace ab: Stell dir die nächste schwierige Situation vor, mit den Mentoren im Rücken.
Welche Fragen passen in welcher Position?
Jede Position braucht ihre eigene Sprache. In der Mentorenposition wird in der Ich-Form gesprochen, auf dem eigenen Platz wieder in der normalen Ich-Form. Diese Trennung hält die Positionen sauber.
| Position | Haltung | Passende Fragen |
|---|---|---|
| Eigener Platz | Assoziiert, im eigenen Erleben | Was beschäftigt mich? Was habe ich schon versucht? |
| Mentor 1 bis 3 | In der Rolle, körperlich eingenommen | Was sehe ich von hier, das sie nicht sieht? Was würde ich an ihrer Stelle tun? Was möchte ich ihr unbedingt sagen? |
| Rückkehr | Wieder ich selbst, Botschaft empfangend | Was davon stimmt für mich? Was verändert dieser Satz an meiner Sicht? |
| Meta-Position | Dissoziiert, von außen betrachtend | Was fällt mir auf, wenn ich alle vier Plätze zusammen sehe? |
Was sich in der Praxis zeigt
In Coachings und in unseren NLP-Ausbildungen entscheidet meist die Auswahl der Mentoren über das Ergebnis.
Die stärksten Botschaften kommen selten von berühmten Vorbildern. Sie kommen von der Großmutter, vom alten Chef, von einer Lehrerin aus der siebten Klasse. Wer als Erstes eine Person mit Weltruf nennt, hat oft noch nicht wirklich gesucht. Die Frage „wer hätte dir das zugetraut?“ bringt zuverlässiger passende Namen hervor.
Der zweite Punkt ist körperlich. Wer die Positionen nur im Sitzen durchdenkt, bekommt Gedanken über die Mentoren, keine Botschaften von ihnen. Aufstehen, den Platz wechseln, die Haltung übernehmen: Das macht in der Praxis den größeren Unterschied als jede Frageformulierung.
Und ein dritter Punkt, der gelegentlich überrascht: Manchmal sagt ein Mentor etwas Unbequemes. Ein Vorbild, das Ehrlichkeit verkörpert, bringt selten Trost. Diese Sätze sind meist die brauchbarsten und gehören nicht wegmoderiert.
Wofür eignet sich die Mentorentechnik?
- Festgefahrene Entscheidungen. Wenn alle Argumente auf dem Tisch liegen und die Bewegung trotzdem fehlt.
- Einschränkende Glaubenssätze. Ein Mentor, für den der Satz nie gegolten hätte, macht ihn sichtbar als Annahme statt als Tatsache.
- Neue Rollen. Vor der ersten Führungsaufgabe, dem ersten Vortrag, der ersten eigenen Praxis.
- Gruppenarbeit. Im Team wählt jede Person eigene Mentoren, die Botschaften werden danach gesammelt. Das bringt Perspektiven in den Raum, die im üblichen Meeting nie auftauchen.
Welche Grenzen hat die Mentorentechnik?
- Die Botschaft kommt aus dir. Was ein Mentor „sagt“, ist deine eigene Konstruktion. Das macht sie wertvoll als Zugang zu eigenen Ressourcen, aber sie ersetzt keine fachliche Auskünfte, keine juristische und keine medizinische Beratung.
- Belastete Beziehungen eignen sich nicht. Eine Person, mit der ein ungelöster Konflikt besteht, ist kein Mentor. Dafür sind Formate wie der Meta-Mirror gedacht.
- Kein Traumaformat. Tauchen beim Positionswechsel belastende Erinnerungen auf, wird abgebrochen und stabilisiert. Solche Themen gehören in therapeutische Begleitung.
- Ohne Handlung verpufft der Effekt. Drei schöne Sätze auf einem Zettel verändern nichts. Der sechste Schritt ist der, der zählt.
Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt eine Coaching- und Selbstreflexionsmethode. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose und keine Behandlung. Bei anhaltender Belastung wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine psychotherapeutische Praxis.
Häufige Fragen zur Mentorentechnik
Was ist die Mentorentechnik im NLP?
Die Mentorentechnik ist ein NLP-Format, bei dem du nacheinander die Perspektive mehrerer selbst gewählter Vorbilder einnimmst, ihre Botschaft zu deinem Thema aufnimmst und sie anschließend als du selbst auswertest. Sie arbeitet mit Wahrnehmungspositionen und Raumankern und dauert etwa 30 bis 45 Minuten.
Wen kann ich als Mentor wählen?
Geeignet ist jede Figur, die für dich eine hilfreiche Haltung verkörpert: lebende oder verstorbene Menschen aus deinem Umfeld, historische Persönlichkeiten, Figuren aus Büchern und Filmen, Tiere oder ein Ort in der Natur. Entscheidend ist nicht der Bekanntheitsgrad, sondern ob die Figur bei dir eine spürbare Reaktion auslöst.
Was ist der Unterschied zwischen Mentorentechnik und Modelling?
Beim Modelling wird die Strategie einer realen Person systematisch untersucht und nachgebaut, meist über mehrere Sitzungen und mit dieser Person gemeinsam. Die Mentorentechnik ist kurz, arbeitet mit der inneren Vorstellung eines Vorbilds und funktioniert deshalb auch mit Figuren, die nie existiert haben.
Kann ich die Mentorentechnik allein durchführen?
Ja. Du brauchst nur etwas Platz, vier markierte Stellen auf dem Boden und Papier für die Botschaften. Wichtig ist, dass du die Positionen tatsächlich körperlich wechselst und jede Botschaft aufschreibst, bevor du zum nächsten Mentor gehst. Im Sitzen gedacht bleibt die Wirkung deutlich schwächer.
Was tun, wenn kein Mentor einfällt?
Dann hilft eine andere Frage: Wer hat dir schon einmal etwas zugetraut, das du dir selbst nicht zugetraut hast? Auch eine Eigenschaft kann als Ausgangspunkt dienen, etwa Gelassenheit oder Mut. Frage dann, wer für dich diese Eigenschaft verkörpert.
Wo lerne ich die Arbeit mit Wahrnehmungspositionen?
Einen praktischen Einstieg bietet das NLP-Einführungsseminar oder der NLP Game Changer Day. Wer Positionsarbeit im Coaching sicher einsetzen möchte, findet den strukturierten Weg in den NLP-Ausbildungen. Für ein persönliches Thema mit Begleitung eignet sich das Life Coaching.

