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VAKOG: die 5 Repräsentationssysteme im NLP

VAKOG ist im NLP das Akronym für die fünf Repräsentationssysteme: visuell (sehen), auditiv (hören), kinästhetisch (fühlen und spüren), olfaktorisch (riechen) und gustatorisch (schmecken). In diesen fünf Kanälen nehmen wir wahr, speichern ab und rufen wieder auf. Jede Erinnerung, jedes Ziel und jede Befürchtung besteht innerlich aus Bildern, Klängen, Körperempfindungen, Gerüchen und Geschmäckern. Diese innere Abbildung heißt im NLP Repräsentation, der Kanal, in dem sie überwiegend entsteht, Repräsentationssystem.

VAKOG auf einen Blick

KanalSinnTypische PrädikateWichtige SubmodalitätenAnwendung im Coaching
V visuellSehen, innere Bildersehen, klar, hell, Durchblick, Perspektive, ins Auge fallen, schwarzmalenHelligkeit, Größe, Entfernung, Farbe oder Schwarzweiß, Bewegung, assoziiert oder dissoziiertZielbild bauen, Swish, belastende Bilder kleiner und weiter weg rücken
A auditivHören, Stimmen, innerer Dialoghören, klingt, laut, im Einklang, sich Gehör verschaffen, MissklangLautstärke, Tonhöhe, Tempo, Richtung, Klangfarbe, RhythmusInnere kritische Stimme leiser stellen oder verschieben, Ressourcensätze einsprechen
K kinästhetischKörperempfindung, Gefühl, Bewegungfühlen, begreifen, Druck, warm, schwer, Gänsehaut, BauchgefühlOrt im Körper, Ausdehnung, Temperatur, Druck, Bewegungsrichtung, TempoZustände aufbauen und steigern, Ankern, Entscheidungen körperlich prüfen
O olfaktorischRiechenriechen, duften, stinken, anrüchig, einen Riecher habenIntensität, Nähe, Frische, angenehm oder unangenehmGerüche als besonders schnelle Auslöser nutzen, Erinnerungen zugänglich machen
G gustatorischSchmeckenschmecken, bitter, süß, vollmundig, Nachgeschmack, BeigeschmackIntensität, Süße, Säure, Temperatur, NachgeschmackErlebnisse plastischer machen, Bewertungen hörbar machen („das hat einen Beigeschmack“)
Ad auditiv-digital (Ergänzung)Denken in Worten und Begriffendenken, verstehen, entscheiden, begründen, wissenkeine sinnliche Qualität, nur Inhalt und SatzbauKriterien klären, inneren Dialog hörbar machen
Die fünf Repräsentationssysteme des VAKOG-Modells, ergänzt um das auditiv-digitale System

Die Feineinstellungen in der vierten Spalte heißen Submodalitäten. Sie sind die eigentliche Stellschraube: Nicht der Kanal verändert das Erleben, sondern die Regler innerhalb des Kanals.

Was ist ein bevorzugtes Repräsentationssystem?

Das bevorzugte Repräsentationssystem ist der Sinneskanal, in dem jemand in einem bestimmten Kontext überwiegend denkt. Es ist keine feste Eigenschaft eines Menschen, sondern eine Gewohnheit, die mit Thema, Stimmung und Situation wechselt. Dieselbe Person kann beim Kochen kinästhetisch denken, bei der Reiseplanung visuell und beim Streit auditiv.

Richard Bandler und John Grinder beschrieben das Modell 1979 in Frogs into Princes. Ihre Beobachtung war schlicht: Menschen schildern dieselbe Lage systematisch verschieden. Die eine sagt „Ich sehe da keinen Ausweg“, der andere „Das fühlt sich total verfahren an“. Nicht die Lage unterscheidet sich, sondern der Kanal, in dem sie abgebildet wird.

Woran erkennst du das bevorzugte System an der Sprache?

Am zuverlässigsten an den Prädikaten, also an den Verben, Adjektiven und Redewendungen, die jemand von selbst wählt. Sie sind der einzige Zugangshinweis, den du direkt mithören und wörtlich mitschreiben kannst. Alles andere, etwa Augenbewegungen oder Atemtiefe, bleibt Hypothese.

AussageKanalAntwort im selben Kanal
„Ich sehe da überhaupt kein Licht am Ende.“visuell„Was müsste sichtbar werden, damit sich das Bild ändert?“
„Das sagt mir gar nichts.“auditiv„Was müsstest du hören, damit es anders klingt?“
„Ich komme da einfach nicht raus.“kinästhetisch„Welchen ersten Schritt spürst du als machbar?“
„Die Sache stinkt mir gewaltig.“olfaktorisch„Was genau riecht faul daran?“
„Das hinterlässt einen bitteren Beigeschmack.“gustatorisch„Was müsste dazukommen, damit es wieder rund schmeckt?“
Sinnesspezifische Sprache erkennen und im gleichen Kanal antworten

Ergänzend beobachtet man im NLP Accessing Cues: Augenbewegungen, Atmung, Sprechtempo, Körperhaltung. Wie belastbar besonders die Augenzugangshinweise sind, steht weiter unten.

Repräsentationssystem, Leitsystem und Referenzsystem: Wo liegt der Unterschied?

Die drei Begriffe beschreiben drei verschiedene Momente desselben Denkvorgangs: den Zugriff, die Bewusstwerdung und die Prüfung. Sie können im selben Kanal liegen, tun es aber oft nicht.

SystemFunktionBeispiel
LeitsystemDer Kanal, über den eine Erinnerung überhaupt erst zugänglich wirdDer Geruch von Sonnencreme holt den Sommer zurück
RepräsentationssystemDer Kanal, in dem der Inhalt dann bewusst wirdDu siehst die Bucht und die Wellen vor dir
ReferenzsystemDer Kanal, an dem du prüfst, ob etwas stimmt„Ich weiß erst, dass es passt, wenn es sich richtig anfühlt.“
Leitsystem, Repräsentationssystem und Referenzsystem im Vergleich

Für die Praxis heißt das: Wer ein Ziel visuell entwirft, es aber kinästhetisch prüft, braucht am Ende ein Körpergefühl und kein schöneres Bild.

Gibt es visuelle, auditive und kinästhetische Lerntypen?

Nein. Die Vorstellung, jeder Mensch habe einen festen Sinneskanal und lerne vor allem über diesen, ist empirisch nicht haltbar. Sie ist der verbreitetste Irrtum rund um VAKOG und wird bis heute in Schulungen, Ratgebern und Lehrerzimmern weitergegeben.

Harold Pashler, Mark McDaniel, Doug Rohrer und Robert Bjork haben 2008 in Learning Styles: Concepts and Evidence (Psychological Science in the Public Interest) die vorliegenden Studien gesichtet. Gesucht war ein Beleg für die sogenannte Meshing-Hypothese: dass dieselbe Person besser lernt, wenn das Material zu ihrem angeblichen Lernstil passt. Ein solcher Beleg fand sich nicht. Studien mit passendem Versuchsaufbau waren rar, und die wenigen guten sprachen gegen die Hypothese.

Ebenso wenig bestätigt ist die NLP-Annahme, man könne das gerade genutzte Repräsentationssystem an der Blickrichtung ablesen. Richard Wiseman und Kollegen prüften die Muster 2012 in PLoS ONE und fanden keine Bestätigung. Augenbewegungen taugen als Hypothese, nicht als Diagnose.

Was in der Lernforschung gut belegt ist: Inhalte mehrkanalig anzubieten hilft, aber allen Lernenden, nicht einem Typ. Wer VAKOG also im Unterricht oder in der Ausbildung nutzt, sortiert keine Menschen ein, sondern erweitert das Angebot für alle.

Wofür ist VAKOG im Coaching wirklich nützlich?

Als Wahrnehmungs- und Sprachwerkzeug, nicht als Typenlehre. VAKOG ordnet, was ein Mensch gerade beschreibt, und gibt dir konkrete Ansatzpunkte für die nächste Frage.

  • Sinnesspezifische Sprache. Im Kanal des Gegenübers zu antworten ist der schnellste Weg zu Rapport und verhindert Gespräche, in denen zwei Menschen aneinander vorbeireden.
  • Zustände intensiver aufbauen. Ein Ressourcenzustand, der Bild, Klang und Körpergefühl zugleich trägt, ist deutlich stabiler als ein rein visueller. Genau davon leben die Ankertechniken.
  • Zielformulierung. Ein Ziel wird erst überprüfbar, wenn es sinnesspezifisch beschrieben ist: Was siehst, hörst und spürst du, wenn es erreicht ist? „Mehr Gelassenheit“ ist kein Ziel, sondern eine Überschrift.
  • Submodalitätenarbeit. Erst wenn klar ist, in welchem Kanal etwas abgebildet ist, weißt du, an welchen Reglern du drehen kannst.
  • Blinde Flecken finden. Kanäle, die jemand nie benutzt, sind oft die interessanteren. Wer alles durchdenkt, aber nichts spürt, findet im kinästhetischen Kanal neue Information.

Aus meiner Praxis: der Kanal, der im Raum fehlt

In Ausbildungsgruppen erlebe ich immer wieder denselben Ablauf: Jemand lernt VAKOG kennen, ist begeistert und verteilt schon in der Mittagspause Etiketten. „Du bist ja total visuell.“ Das fühlt sich klug an und bringt im Coaching so gut wie nichts, weil die Person zwei Stunden später über ein anderes Thema spricht und plötzlich nur noch Körperwörter benutzt.

Was den Unterschied macht, ist eine viel schlichtere Übung: zwei bis drei Prädikate wörtlich mitschreiben und den nächsten Satz aus genau diesen Wörtern bauen. Teilnehmerinnen, die das ein Wochenende lang konsequent tun, berichten fast alle dasselbe: Die Gespräche werden ruhiger, und es gibt weniger Nachfragen, ob sie richtig verstanden wurden.

Der zweite Punkt, den ich mittlerweile in jeder Gruppe anspreche: Dein eigener Lieblingskanal ist dein größter blinder Fleck. Ich habe jahrelang an Bildern gedreht, auch bei Menschen, die kein einziges visuelles Wort benutzten. Der Fehler lag nie bei ihnen.

Grenzen: Was VAKOG nicht leistet

VAKOG ist ein Beschreibungsmodell für innere Verarbeitung, kein diagnostisches Verfahren. Die Zuordnung von Menschen zu Sinneskanälen ist wissenschaftlich nicht abgesichert, und auch die Wirksamkeit einzelner NLP-Formate, die darauf aufbauen, ist überwiegend nicht in kontrollierten Studien belegt.

  • Keine Typenlehre. „Sie ist eine Kinästhetische“ verkürzt eine kontextabhängige Gewohnheit zu einer Personeneigenschaft. Im Coaching verstellt das mehr, als es öffnet.
  • Kein Lernstil-Nachweis. Materialien nach angeblichem Lerntyp zu sortieren kostet Zeit und bringt keinen belegten Lernvorteil.
  • Kein Gedankenlesen. Weder Prädikate noch Blickrichtungen verraten, was jemand denkt. Sie zeigen höchstens, in welcher Form er es sich vorstellt.
  • Olfaktorisch und gustatorisch sind Sonderfälle. Beide Kanäle spielen in der Sprache eine kleine Rolle, wirken aber als Auslöser besonders schnell und direkt. Das macht sie nützlich und zugleich schwer steuerbar.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Wenn beim Arbeiten mit inneren Bildern oder Körperempfindungen belastende Erinnerungen auftauchen, hole dir fachliche Begleitung.

Häufige Fragen zu VAKOG

Wofür steht die Abkürzung VAKOG?

VAKOG steht für visuell, auditiv, kinästhetisch, olfaktorisch und gustatorisch, also für Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken. Im NLP bezeichnen diese fünf Buchstaben die Repräsentationssysteme, in denen Menschen Erfahrungen innerlich abbilden. Viele Schulen ergänzen ein sechstes System, das auditiv-digitale, für das Denken in Worten.

Wie finde ich mein bevorzugtes Repräsentationssystem heraus?

Nimm dich zwei Minuten lang dabei auf, wie du deinen letzten schönen Tag beschreibst, und markiere danach alle Sinneswörter. Der Kanal mit den meisten Prädikaten ist für dieses Thema dein bevorzugter. Wiederhole den Test mit einem Konfliktthema. Kommt ein anderes Ergebnis heraus, hast du den wichtigsten Punkt des Modells verstanden.

Stimmt es, dass jeder Mensch einen festen Lerntyp hat?

Nein. Die Lerntypen-Hypothese gilt in der Lernforschung als nicht belegt, seit Harold Pashler und Kollegen 2008 die vorhandenen Studien geprüft und keine Bestätigung für die Meshing-Hypothese gefunden haben. Menschen haben Vorlieben, aber sie lernen deshalb nicht messbar besser. Was hilft, ist mehrkanaliges Lernen für alle.

Was ist der Unterschied zwischen VAKOG und Submodalitäten?

VAKOG benennt den Kanal, Submodalitäten benennen die Feineinstellungen innerhalb dieses Kanals. Visuell ist der Kanal, Helligkeit, Größe und Entfernung sind die Submodalitäten. Verändert man die Submodalitäten, verändert sich das Erleben, oft ohne dass am Inhalt etwas anders wird.

Warum werden Gerüche im NLP als starke Anker beschrieben?

Weil Geruchsreize sehr direkt mit Erinnerung und Gefühl verbunden sind und oft schlagartig ein ganzes Erlebnis aufrufen. Im Coaching ist das nützlich, weil ein Duft als Auslöser kaum bewusst gefiltert wird. Es ist zugleich die Schwierigkeit: Olfaktorische Reize lassen sich schlecht dosieren und im Alltag selten gezielt wiederholen.

Wo kann ich den Umgang mit VAKOG lernen?

Einen ersten praktischen Zugang bekommst du an einem Samstag im NLP-Einführungsseminar, wo wir Prädikate hören und im passenden Kanal antworten üben. Systematisch mit VAKOG, Submodalitäten und Ankern zu arbeiten, lernst du in der NLP-Practitioner-Ausbildung. Alle weiteren Begriffe aus diesem Text findest du in der NLP-Enzyklopädie.

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