innerer dialog

Olfaktorisch im NLP: Gerüche als Anker nutzen

Olfaktorisch bedeutet im NLP: über den Geruchssinn wahrnehmen, also riechen, sich an Gerüche erinnern und sie innerlich vorstellen. Es ist das O in VAKOG und der Kanal, der Erinnerungen am schnellsten und ungefiltertsten aufruft.

Im Alltag wird der Geruchssinn unterschätzt, im Coaching ist er ein Abkürzungsweg: Ein einziger Duft kann eine Szene aus der Kindheit vollständig zurückholen, samt Stimmung, Bildern und Körpergefühl.

Was bedeutet olfaktorisch im NLP?

Olfaktorisch bezeichnet das Repräsentationssystem des Riechens. Gemeint sind sowohl tatsächlich wahrgenommene Gerüche als auch erinnerte und vorgestellte Düfte. Zusammen mit visuell, auditiv, kinästhetisch und gustatorisch bildet es die fünf Sinneskanäle des NLP.

Olfaktorisch und gustatorisch werden im NLP oft zusammen behandelt, weil beide Sinne physiologisch eng gekoppelt sind: Ein großer Teil dessen, was wir „schmecken“, riechen wir tatsächlich über den Rachenraum.

Warum lösen Gerüche so starke Erinnerungen aus?

Weil der Geruchssinn anatomisch anders verschaltet ist als die übrigen Sinne. Geruchsinformationen erreichen über den Riechkolben direkt Strukturen des limbischen Systems, unter anderem Amygdala und Hippocampus, die an Emotion und Gedächtnis beteiligt sind. Sehen und Hören nehmen dagegen den Umweg über den Thalamus.

Die Psychologin Rachel Herz (Brown University) hat dieses Phänomen umfassend untersucht und in ihrem Buch „The Scent of Desire“ (2007) zusammengefasst: Durch Gerüche ausgelöste autobiografische Erinnerungen sind zwar nicht unbedingt genauer, aber deutlich emotionaler und lebendiger als Erinnerungen, die durch Bilder oder Wörter geweckt werden. Umgangssprachlich heißt das der „Proust-Effekt“, nach der berühmten Madeleine-Szene in Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“.

Welche olfaktorischen Submodalitäten gibt es?

Auch Gerüche lassen sich in Submodalitäten zerlegen. Die Übersicht zeigt, wonach du im Coaching fragen kannst:

SubmodalitätFrage dazu
IntensitätWie stark ist der Geruch, zart oder überwältigend?
QualitätSüß, herb, würzig, frisch, modrig?
DauerKommt er in Wellen oder bleibt er konstant?
EntfernungIst er direkt an der Nase oder weiter weg?
BekanntheitVertraut oder fremd?
AssoziationAn welchen Ort, welche Person, welche Zeit erinnert er?
Olfaktorische Submodalitäten und passende Coaching-Fragen

Wie nutzt du Düfte als Anker?

Indem du einen ungewöhnlichen, klar abgegrenzten Duft mit einem gewünschten Zustand koppelst. Genau das ist ein olfaktorischer Anker. So gehst du vor:

  1. Duft wählen: etwas, das du im Alltag nicht ständig riechst. Ein bestimmtes ätherisches Öl wirkt besser als dein tägliches Duschgel.
  2. Zustand aufbauen: Ruf den gewünschten State über eine lebendige Erinnerung auf, bis er deutlich spürbar ist.
  3. Koppeln: Rieche kurz vor dem Höhepunkt der Intensität am Duft und nimm ihn weg, bevor der Zustand abflacht.
  4. Pause und Test: Denk an etwas anderes, rieche dann erneut. Kommt der Zustand von selbst zurück, sitzt der Anker.
  5. Schützen: Nutze den Duft nur für diesen Zweck, sonst verwässert die Verknüpfung.

Typische Einsatzfelder sind Prüfungen, Vorträge und Einschlafrituale. Überall dort, wo du einen Zustand zuverlässig und unauffällig abrufen willst.

Woran erkennst du olfaktorische Sprache?

An Geruchswörtern, die oft metaphorisch gemeint sind. Sie tauchen seltener auf als visuelle oder kinästhetische Prädikate, sind dafür umso aussagekräftiger. Sie signalisieren fast immer eine Bewertung.

  • „Die Sache stinkt mir“
  • „Ich hatte den richtigen Riecher“
  • „Da liegt was in der Luft“
  • „Er kann ihn nicht riechen“
  • „Ein frischer Wind“
  • „Das riecht nach Ärger“

Wenn du solche Formulierungen aufgreifst statt sie zu übersetzen, entsteht schneller Rapport. Wie du diese feine Sprachwahrnehmung trainierst, übst du in meinen NLP-Ausbildungen und Seminaren oder als Schnuppertag im NLP-Einführungsseminar.

Aus meiner Coaching-Praxis

Was mich am olfaktorischen Kanal immer wieder überrascht: Er lässt sich kaum kontrollieren. Wenn im Coaching ein Geruch auftaucht („Es riecht nach dem Keller meiner Großmutter“), dann kommt die dazugehörige Szene meist ohne Umweg mit. Genau deshalb frage ich bei Erinnerungsarbeit inzwischen fast immer nach: „Gibt es dazu auch einen Geruch?“ Bei vielen Menschen kommt dann nichts, bei manchen öffnet diese eine Frage die Tür, an der wir vorher zwanzig Minuten geklopft haben.

Grenzen und Hinweis

Bei Traumafolgen, Trauer oder anhaltender Belastung können Gerüche sehr heftige Reaktionen auslösen (Flashbacks, körperliches Wiedererleben). Solche Erinnerungen gehören in eine psychotherapeutische oder ärztliche Begleitung. NLP-Techniken ergänzen diese Arbeit, sie ersetzen sie nicht. Auch bei plötzlichem Geruchsverlust ist die erste Anlaufstelle die Hausärztin.

Häufige Fragen zum olfaktorischen Sinn

Was heißt olfaktorisch übersetzt?

Olfaktorisch kommt vom lateinischen olfacere („riechen“) und bedeutet „den Geruchssinn betreffend“. Im NLP steht es für das O im Akronym VAKOG, also für den Sinneskanal des Riechens.

Warum erinnern Gerüche stärker als Bilder?

Weil Geruchsreize direkt Strukturen des limbischen Systems erreichen, die für Emotion und Gedächtnis zuständig sind, ohne den Umweg über den Thalamus. Durch Gerüche ausgelöste Erinnerungen sind deshalb typischerweise emotionaler, wenn auch nicht unbedingt genauer.

Kann man mit Düften ankern?

Ja, und olfaktorische Anker gelten als besonders stabil. Entscheidend ist ein Duft, der im Alltag nicht vorkommt, ein deutlich aufgebauter Zustand und die richtige Timing-Regel: koppeln, kurz bevor die Intensität ihren Höhepunkt erreicht.

Was ist der Unterschied zwischen olfaktorisch und gustatorisch?

Olfaktorisch bezieht sich auf das Riechen, gustatorisch auf das Schmecken. Beide hängen eng zusammen: Ein Großteil des Geschmackserlebens entsteht über den Geruchssinn, weshalb bei einer verstopften Nase auch das Essen fad schmeckt.

Was tun, wenn ich mir Gerüche nicht vorstellen kann?

Das ist völlig normal. Die Vorstellungskraft für Gerüche ist bei den meisten Menschen schwächer ausgeprägt als für Bilder oder Geräusche. Arbeite dann mit echten Düften statt mit vorgestellten, oder nutze einen anderen Sinneskanal als Einstieg.

Welche Düfte eignen sich am besten als Anker?

Ätherische Öle in kleinen Rollern (Rosmarin, Zeder, Petitgrain) oder markante Aromaöle, die du sonst nicht verwendest. Wichtig ist Eindeutigkeit und Seltenheit: Der Duft darf dich nicht an zehn andere Situationen erinnern, sonst überlagern sich die Verknüpfungen.

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