Eine Repräsentation ist im NLP die innere Abbildung einer Erfahrung – eines Ereignisses, Ziels oder Problems – in den fünf Sinneskanälen. Wenn du an deine Küche denkst, entsteht kein Abbild der Küche, sondern ein Bild, vielleicht ein Geräusch, vielleicht ein Geruch und ein Körpergefühl. Genau diese Mischung ist die Repräsentation. Der Kanal, in dem sie überwiegend entsteht, heißt Repräsentationssystem.
Was ist der Unterschied zwischen Repräsentation und Repräsentationssystem?
Die Repräsentation ist der Inhalt, das Repräsentationssystem ist der Kanal. Ein Bild von deinem letzten Urlaub ist eine Repräsentation; dass du dich überhaupt in Bildern erinnerst, ist das System. Die Feineinstellungen dieses Bildes – hell oder dunkel, groß oder klein, bewegt oder still – heißen Submodalitäten und sind die eigentliche Stellschraube in der NLP-Arbeit.
Richard Bandler und John Grinder führten das Konzept 1979 in Frogs into Princes ein. Ihre Beobachtung: Menschen beschreiben dieselbe Situation systematisch unterschiedlich – die eine sagt „Ich sehe da keinen Ausweg“, der andere „Das fühlt sich verfahren an“. Nicht die Situation unterscheidet sich, sondern der Kanal, in dem sie abgebildet wird.
Wofür steht VAKOG?
VAKOG ist das Akronym für die fünf Repräsentationssysteme: visuell (sehen), auditiv (hören), kinästhetisch (fühlen und spüren), olfaktorisch (riechen) und gustatorisch (schmecken). In diesen fünf Kanälen nehmen wir wahr, speichern ab und rufen wieder auf – beim Erinnern genauso wie beim Planen, Fantasieren und Problemlösen.
Eine der NLP-Grundannahmen formuliert das so: Alle Unterscheidungen, die ein Mensch über seine Umwelt und sein Verhalten treffen kann, lassen sich über die fünf Sinneskanäle darstellen. Im NLP wird häufig ein sechster Bereich ergänzt – das auditiv-digitale System: der innere Dialog, also Denken in Worten und Begriffen ohne sinnliche Qualität.
Repräsentations-, Leit- und Referenzsystem: Wo liegt der Unterschied?
Drei Begriffe, die ständig verwechselt werden – sie beschreiben drei verschiedene Momente desselben Denkvorgangs: den Zugriff, die Bewusstwerdung und die Prüfung.
| System | Funktion | Beispiel |
|---|---|---|
| Leitsystem | Der Kanal, über den eine Erinnerung überhaupt zugänglich wird | Der Geruch von Sonnencreme holt den Urlaub hervor |
| Repräsentationssystem | Der Kanal, in dem der Inhalt dann bewusst wird | Du siehst die Bucht vor dir |
| Referenzsystem | Der Kanal, an dem du prüfst, ob etwas stimmt | „Ich weiß erst, dass es passt, wenn es sich richtig anfühlt.“ |
Die drei können zusammenfallen, müssen aber nicht. Genau deshalb lohnt es sich im Coaching, getrennt danach zu fragen – wer ein Ziel visuell entwirft, es aber kinästhetisch prüft, braucht am Ende ein Körpergefühl und nicht noch ein schöneres Bild.
Woran erkennst du ein bevorzugtes Repräsentationssystem?
Am zuverlässigsten an der Sprache – an den Verben, Adjektiven und Redewendungen, die jemand wählt. Diese Prädikate verraten, in welchem Kanal die Person die Sache gerade abbildet. Wichtig: Es geht um Kontexte, nicht um Menschentypen. Dieselbe Person kann beim Kochen kinästhetisch denken und bei der Urlaubsplanung visuell.
| Repräsentationssystem | Sprachliche Zugangshinweise |
| Visuell | über/blicken, über/schauen, leuchten, er/strahlen, (über-, durch-, ein) sehen, hell, dunkel, un/klar, rot, grün, ins Auge fallen/stechen, den Blickwinkel ändern, Perspektive, scheinen, Durchblick, Einblick, projizieren, schwarzmalen, durch die rosa Brille, betrachten, sichtbar, vorsichtig, nachsichtig, vorausschauend, Klärung, Übersicht, scheinbar, beobachten |
| Auditiv | hören, leise, taub, knallen, klicken, schreien, Ruhe, (an-)sprechen, aufhorchen, sagen, fragen, antworten, (Miss-)klang, abklappern, klingen, reden, summen, singen, der Ton macht die Musik, laut/leise, unüberhörbar, im Einklang sein, Stille, versprechen, immer die gleiche Leier, posaunen, Gehör verschaffen |
| Kinästhetisch | an/fühlen, spüren, drücken, tasten, hüpfen, springen, bewegen, abklopfen, schweben, fallen, warm, kalt, hart, weich, schwer, leicht, eckig, beschwingt, umdrehen, Gänsehaut, Unterstützung, hineinstürzen, auf Tuchfühlung gehen, begreifen, an/fassen, zusammentragen, da stellen sich die Haare auf, Gefühlsempfindungen der Organe (Magen, Herz, Nieren, Bauch, …) |
| Olfaktorisch | riechen, duften, stinken, blumig, anrüchig, faul, überreif, würzig, sich nicht riechen können, Stinkstiefel, betörend, stinkt mir, riecht nach Arbeit, einen Riecher haben, Nase rümpfen, der Nase nach, geruchlos, penetrant |
| Gustatorisch | schmecken, munden, bitter, süß, sauer, salzig, saftig, tranig, mild, streng, vollmundig, schmeckt mir nicht, würzig, Nachgeschmack, bitterer Beigeschmack, köstlich, Schnauze voll haben, geschmackvoll, schlemmen |
| Neutral (auditiv-digital) | merken, wahrnehmen, glauben, zweifeln, denken, grübeln, reflektieren, verstehen, entscheiden, begründen |
Neben der Sprache werden im NLP Accessing Cues genannt – Augenbewegungen, Atmung, Sprechtempo, Haltung. Sie sind Hinweise, keine Beweise. Wie belastbar sie sind, steht weiter unten unter „Grenzen“.
Wie nutzt du Repräsentationssysteme im Coaching?
Indem du im Kanal deines Gegenübers antwortest – das ist Pacing auf sprachlicher Ebene und einer der schnellsten Wege zu Rapport. Auf „Ich sehe da keinen Ausweg“ antwortest du nicht mit „Wie fühlt sich das an?“, sondern mit „Was müsste sichtbar werden, damit sich das ändert?“
- Zuhören statt einordnen. Notiere zwei, drei Prädikate wörtlich mit, statt die Person innerlich einem Typ zuzuweisen.
- Im Kanal bleiben, dann wechseln. Erst im bevorzugten System andocken, dann bewusst einen zweiten Kanal dazunehmen. Der Wechsel bringt die neue Perspektive – der Kontakt kommt vorher.
- Ressourcen mehrkanalig verankern. Ein Anker, der Bild, Klang und Körpergefühl zugleich trägt, hält deutlich besser als ein rein visueller.
- Ziele im Referenzsystem prüfen. Frag am Ende: „Woran genau merkst du, dass es stimmt?“ Die Antwort verrät den Kanal, in dem die Person Wahrheit prüft.
Aus meiner Praxis: der Kanal, den ich lange übersehen habe
In meinen ersten Coaching-Jahren habe ich fast ausschließlich visuell gearbeitet. Bilder größer machen, heller, näher – das ist im Practitioner das erste, was man lernt, und es funktioniert bei vielen Menschen sofort. Bei einer Klientin funktionierte es über drei Sitzungen überhaupt nicht, und ich hielt das für Widerstand.
Dann fiel mir auf, dass sie kein einziges visuelles Wort benutzte. Sie sagte ständig „Das liegt mir schwer im Magen“ und „Ich komme da nicht raus“. Als wir aufhörten, an Bildern zu drehen, und stattdessen mit dem Körpergefühl arbeiteten – wo genau sitzt es, welche Temperatur, welche Bewegungsrichtung –, ging es in einer Sitzung weiter als in den drei davor. Der Fehler lag nicht bei ihr, sondern an meinem Standardkanal.
Was ich seitdem in Ausbildungen immer sage: Dein eigenes bevorzugtes System ist dein größter blinder Fleck. Nicht das der Klientin.
Grenzen: Was Repräsentationssysteme nicht sind
Zwei verbreitete Behauptungen halten der Forschung nicht stand. Beide tauchten früher auch auf dieser Seite auf und werden hier korrigiert.
- Es gibt keine belegten „Lerntypen“. Die Idee, man lerne besser, wenn Material zum bevorzugten Sinneskanal passt, ist empirisch nicht bestätigt. Harold Pashler, Mark McDaniel, Doug Rohrer und Robert Bjork haben 2008 in Learning Styles: Concepts and Evidence (Psychological Science in the Public Interest) die vorliegenden Studien geprüft – und fanden keine belastbare Evidenz für den erwarteten Effekt. Was tatsächlich hilft, ist mehrkanaliges Lernen für alle, nicht die Zuteilung eines Typs.
- Augenbewegungen sind kein Lesecode. Das Modell der Augenzugangshinweise ist eine plausible Beobachtung, aber keine gesicherte Zuordnung. Richard Wiseman und Kolleg:innen fanden 2012 in PLoS ONE keine Bestätigung für die im NLP gelehrten Muster. Nutze Augenbewegungen als Hypothese, nie als Diagnose – und schon gar nicht, um jemandem zu sagen, was er gerade denkt.
- Ein Mensch ist kein Kanal. „Sie ist eine Visuelle“ ist eine Verkürzung, die im Coaching mehr verstellt als öffnet. Präferenzen sind kontext- und stimmungsabhängig und ändern sich innerhalb einer Sitzung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und Weiterbildung. NLP-Coaching ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Wenn beim Arbeiten mit inneren Bildern oder Körperempfindungen belastende Erinnerungen auftauchen, gehe das nicht allein an, sondern hole dir fachliche Begleitung.
Häufige Fragen zur Repräsentation im NLP
Was ist eine Repräsentation im NLP?
Die innere Abbildung einer Erfahrung in den fünf Sinneskanälen – als Bild, Klang, Körpergefühl, Geruch oder Geschmack. Nicht die äußere Situation steuert unser Erleben, sondern diese innere Abbildung. Weil sie veränderbar ist, lässt sich mit ihr arbeiten.
Wie viele Repräsentationssysteme gibt es?
Fünf, entsprechend den Sinnen: visuell, auditiv, kinästhetisch, olfaktorisch, gustatorisch – zusammen VAKOG. Viele Schulen zählen ein sechstes mit: das auditiv-digitale System, also das Denken in Worten und Begriffen. In der Praxis tragen die ersten drei den Großteil der Arbeit.
Wie finde ich mein eigenes bevorzugtes Repräsentationssystem heraus?
Beschreibe zwei Minuten lang laut deinen letzten schönen Tag und nimm dich dabei auf. Höre die Aufnahme ab und markiere alle Sinneswörter. Das System, dessen Prädikate überwiegen, ist für diesen Kontext dein bevorzugtes. Mach den Test mit einem zweiten Thema – wahrscheinlich kommt ein anderes Ergebnis heraus, und genau das ist der Punkt.
Stimmt es, dass man visuelle, auditive und kinästhetische Lerntypen unterscheiden kann?
Nein, jedenfalls nicht im Sinne besserer Lernergebnisse. Die Lerntypen-Hypothese gilt in der Lernforschung seit der Übersichtsarbeit von Pashler und Kolleg:innen (2008) als nicht belegt. Sinnvoll bleibt, Inhalte mehrkanalig anzubieten – das hilft nachweislich, aber allen Lernenden, nicht nur einem Typ.
Was hat die Repräsentation mit Submodalitäten zu tun?
Submodalitäten sind die Bausteine einer Repräsentation: Helligkeit, Größe und Entfernung beim Bild, Lautstärke und Richtung beim Klang, Ort und Temperatur beim Körpergefühl. Verändert man sie, verändert sich das Erleben – oft ohne dass sich am Inhalt etwas ändert. Deshalb arbeitet fast jede Veränderungstechnik im NLP an dieser Ebene.
Warum reagieren zwei Menschen auf dieselbe Situation so unterschiedlich?
Weil sie nicht auf die Situation reagieren, sondern auf ihre Repräsentation davon. Zwischen Ereignis und Reaktion liegen Wahrnehmungsfilter: Tilgung, Verzerrung und Generalisierung. Was am Ende im Kopf ankommt, ist eine stark bearbeitete Version – im NLP zusammengefasst im Satz: Die Landkarte ist nicht das Gebiet.
Mit Repräsentationssystemen arbeiten lernen
Das Hören auf Prädikate ist eine Übungssache – nach ein paar Stunden bewusstem Zuhören fällt es dir ständig auf. Einen ersten praktischen Zugang bekommst du im NLP-Einführungsseminar an einem Samstag. Systematisch mit VAKOG, Submodalitäten und Ankern zu arbeiten, lernst du in der NLP-Practitioner-Ausbildung. Und wenn du wissen willst, worauf das Ganze aufbaut: Was ist NLP?

