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Gustatorisch im NLP: Geschmackssinn (VAKOG)

Gustatorisch bezeichnet im NLP alles, was über den Geschmackssinn wahrgenommen wird – das „G“ in VAKOG. Gemeint sind nicht nur reale Geschmackserlebnisse, sondern auch erinnerte und vorgestellte: Wenn du beim Wort „Zitrone“ unwillkürlich mehr Speichel im Mund hast, arbeitet gerade dein gustatorisches Repräsentationssystem. Zusammen mit dem Geruchssinn bildet es den kleinsten, aber emotional oft direktesten der fünf Wahrnehmungskanäle.

Wo steht „gustatorisch“ im VAKOG-Modell?

An fünfter Stelle – als der Kanal, der am seltensten führend ist und deshalb im Alltag leicht übersehen wird. Das NLP unterscheidet fünf Repräsentationssysteme, über die wir unsere innere Landkarte bauen:

KürzelSinneskanalTypische Sprache
Vvisuell – Sehen„Ich sehe das klar vor mir.“
Aauditiv – Hören„Das klingt stimmig.“
Kkinästhetisch – Fühlen„Ich habe ein gutes Gefühl dabei.“
Oolfaktorisch – Riechen„Die Sache stinkt.“
Ggustatorisch – Schmecken„Das hinterlässt einen bitteren Beigeschmack.“

Ein wichtiger Hinweis aus der Sinnesphysiologie: Was wir umgangssprachlich „Geschmack“ nennen, ist größtenteils Geruch. Die Zunge unterscheidet nur die Grundqualitäten süß, sauer, salzig, bitter und umami – der Rest entsteht retronasal, also über die Nase. Gustatorisch und olfaktorisch sind deshalb in der Praxis eng verkoppelt und werden im NLP oft gemeinsam als „O/G“ geführt.

Welche gustatorischen Submodalitäten gibt es?

Wie jedes Repräsentationssystem lässt sich auch das gustatorische in feinere Untereigenschaften zerlegen – im NLP heißen sie Submodalitäten. Veränderst du sie in der Vorstellung, verändert sich die Bedeutung der Erinnerung mit.

SubmodalitätBandbreiteBeispielfrage
Qualitätsüß, sauer, salzig, bitter, umami„Wonach schmeckt diese Situation?“
Intensitätzart bis überwältigend„Wie stark ist der Geschmack?“
Dauerkurzer Eindruck bis langer Nachgeschmack„Wie lange bleibt er?“
OrtZungenspitze, Gaumen, Rachen„Wo genau schmeckst du das?“
Texturcremig, körnig, wässrig, ölig„Wie fühlt es sich im Mund an?“
Temperatureisig bis heiß„Warm oder kühl?“

Die praktische Anwendung ist verblüffend simpel: Wer ein zähes Projekt als „zu bitter“ beschreibt, kann in der Vorstellung ausprobieren, wie sich die Sache anfühlt, wenn ein wenig Süße dazukommt – und merkt dabei häufig, welche konkrete Veränderung im Außen dahintersteckt.

Wie erkennst du gustatorische Sprachmuster?

An Geschmackswörtern, die über Nicht-Essbares gesagt werden. Das Deutsche ist voll davon – und wer sie hört, bekommt einen sehr direkten Zugang zur Bewertung des Gegenübers:

  • „Das muss ich erst mal verdauen.“
  • „Die Sache hinterlässt einen bitteren Beigeschmack.“
  • „Das schmeckt mir gar nicht.“
  • „Da bin ich auf den Geschmack gekommen.“
  • „Das stößt mir sauer auf.“
  • „Eine bittere Wahrheit“, „eine salzige Rechnung“, „das süße Leben“.

Diese Ausdrücke sind kein Beweis dafür, dass jemand ein „gustatorischer Typ“ ist – solche festen Sinnestypen gelten inzwischen als überholt. Aber sie zeigen, in welcher Sprache eine Person diese eine Sache gerade denkt. Wer sie aufgreift („Was müsste passieren, damit die Sache wieder besser schmeckt?“), stärkt den Rapport spürbar schneller als jede allgemeine Nachfrage.

Wofür nutzt man den gustatorischen Kanal im Coaching?

Vor allem für drei Dinge: um Erinnerungen lebendiger zu machen, um gustatorische Anker zu setzen und um Zustände zu beschreiben, für die einer Person die Worte fehlen.

  1. Erinnerungen vervollständigen. Eine Ressource-Erinnerung, in der auch geschmeckt wird, ist deutlich präsenter als eine rein visuelle. Die Frage „Und was hast du damals geschmeckt?“ bringt oft überraschend viel zurück.
  2. Anker setzen. Eine bestimmte Teesorte, ein Kaugummi oder eine Pastille lassen sich mit einem Zustand koppeln – unauffällig genug für Prüfungen und Vorstellungsgespräche.
  3. Bewertungen übersetzen. „Wie schmeckt dieser Job für dich?“ führt oft schneller zu einer ehrlichen Antwort als „Wie zufrieden bist du?“ – weil die Frage das analysierende Denken kurz umgeht.

Grenzen und Vorsicht

Der gustatorische Kanal ist bei den wenigsten Menschen das Leitsystem. Wer ihn erzwingen will („Schmeck doch mal!“), erzeugt eher Irritation als Zugang. Er wirkt am besten als Ergänzung, nicht als Hauptzugang.

Dazu kommen individuelle Unterschiede, die größer sind, als man denkt: Die Forschung von Linda Bartoshuk (Yale, später University of Florida) zu sogenannten Supertastern zeigt, dass Menschen Bitterstoffe extrem unterschiedlich intensiv wahrnehmen. Was für dich mild ist, kann für dein Gegenüber ungenießbar sein.

Und ein Hinweis, der ausdrücklich dazugehört: Bei Essstörungen, starken Schuldgefühlen rund ums Essen oder einem Geschmacksverlust nach Erkrankung gehört die Arbeit mit Geschmack nicht ins Coaching, sondern in ärztliche oder therapeutische Hände. NLP ist ein Kommunikations- und Veränderungsmodell und ersetzt keine medizinische Behandlung oder Psychotherapie.

Häufige Fragen zu „gustatorisch“

Was bedeutet gustatorisch im NLP?

Gustatorisch bezeichnet den Geschmackssinn als eines der fünf Repräsentationssysteme des NLP – das „G“ in VAKOG. Es umfasst tatsächlich geschmeckte ebenso wie erinnerte und vorgestellte Geschmackseindrücke. Im Coaching wird der Kanal genutzt, um Erfahrungen vollständiger abzurufen und Anker zu setzen.

Was ist der Unterschied zwischen gustatorisch und olfaktorisch?

Gustatorisch meint das Schmecken über die Zunge, olfaktorisch das Riechen über die Nase. Physiologisch hängen beide eng zusammen: Ein großer Teil dessen, was wir als Geschmack erleben, entsteht über den Geruchssinn – weshalb bei Schnupfen fast alles fad schmeckt. Im NLP werden sie deshalb oft gemeinsam als O/G behandelt.

Gibt es „gustatorische Typen“?

Die Vorstellung fester Sinnestypen gilt heute als überholt – auch die verwandte Lerntypen-Theorie hält empirischen Prüfungen nicht stand. Sinnvoller ist die Beobachtung, welches System eine Person in einem bestimmten Kontext bevorzugt. Ein Mensch kann beim Kochen stark gustatorisch denken und im Beruf überwiegend visuell.

Wie setze ich einen gustatorischen Anker?

Indem du einen klar unterscheidbaren Geschmack – etwa eine bestimmte Pastille oder Teesorte – genau im Moment eines intensiven Zustands einsetzt und das drei bis fünf Mal wiederholst. Wichtig ist, dass du diesen Geschmack sonst nicht täglich konsumierst, sonst ist er bereits mit zu vielen anderen Situationen verknüpft.

Warum wird der Geschmackssinn im NLP so selten genutzt?

Weil er sich im Gespräch schlecht spontan auslösen lässt: Ein Bild oder ein Gefühl lässt sich jederzeit abrufen, ein Geschmack braucht in der Regel etwas im Mund. Trotzdem lohnt er sich – gerade weil er ungewohnt ist, wirkt er im richtigen Moment besonders eindrücklich.

Mit allen fünf Sinneskanälen sauber zu arbeiten – wahrnehmen, benennen, verändern – lernst du Schritt für Schritt in der Online-NLP-Practitioner-Ausbildung. Einen Überblick über die Grundlagen gibt es unter Was ist NLP?

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