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New Behavior Generator: Lerne neues Verhalten

Der New Behavior Generator ist ein NLP-Format zum Aufbau neuen Verhaltens über inneres Modelllernen: Das gewünschte Verhalten wird zuerst dissoziiert an einem Vorbild oder an dir selbst beobachtet, geprüft und angepasst, und erst dann assoziiert übernommen und im Körper durchgespielt. Die Reihenfolge ist der Kern des Formats: erst sehen, dann erleben.

Häufig wird das Format als Methode beschrieben, mit der sich unerwünschtes Verhalten abstellen lässt. Das trifft es nicht ganz. Der New Behavior Generator baut etwas auf, er räumt nichts weg. Eine alte Gewohnheit verliert dabei höchstens ihren Platz, weil eine neue Reaktion an dieselbe Situation geknüpft wird.

Der New Behavior Generator auf einen Blick

Was es istEin Aufbauformat für neues Verhalten über innere Beobachtung und mentales Üben
KernreihenfolgeErst dissoziiert sehen, dann assoziiert erleben
ModellEin reales Vorbild, eine erfundene Figur oder du selbst in einem anderen Kontext
Dauer20 bis 30 Minuten, wirkt über Wiederholung in mehreren Durchgängen
Passt, wennEin Verhalten fehlt oder unsicher ist und du beschreiben kannst, wie es aussehen soll
Passt nicht, wennEin innerer Konflikt, starke Angst oder eine fehlende körperliche Fertigkeit dahintersteckt
Verwandte FormateModelling, Mentorentechnik, Mapping Across, Moment of Excellence
Der New Behavior Generator im Überblick

Was ist der New Behavior Generator?

Der New Behavior Generator ist ein Ablauf, mit dem du dir ein Verhalten zuerst in der Vorstellung erarbeitest, bevor du es real ausprobierst. Du suchst dir ein Modell, das dieses Verhalten bereits zeigt, beobachtest es genau, überträgst es auf ein inneres Bild von dir selbst und steigst erst zum Schluss in dieses Bild hinein.

Das Modell muss keine andere Person sein. Oft ist die beste Quelle die eigene Erfahrung: Wer im Freundeskreis klar Nein sagen kann, im Büro aber nicht, hat das Verhalten bereits und überträgt es nur in einen anderen Kontext. Genauso funktionieren erfundene Figuren, solange du beschreiben kannst, was sie konkret tun.

Das Format stammt aus dem frühen NLP der 1970er und 1980er Jahre und wird meist Richard Bandler und John Grinder zugeschrieben. Ausgearbeitet und in größere Modelle eingeordnet hat es später vor allem Robert Dilts. Inhaltlich greift es ältere Ideen auf, die nicht aus dem NLP stammen.

Wie läuft der New Behavior Generator Schritt für Schritt ab?

In sieben Schritten, von denen die Schritte drei bis sechs den eigentlichen Kern bilden. Die Reihenfolge ist nicht beliebig, dazu unten mehr.

  1. Ziel und Kontext klären: Welches Verhalten willst du zeigen, und wo genau? Ein Ziel wie „souveräner sein“ reicht nicht. Brauchbar wird es erst als Situation: „Im Teammeeting am Montag ruhig antworten, wenn mein Vorschlag kritisiert wird.“
  2. Modell wählen: Wer zeigt dieses Verhalten schon? Eine Kollegin, eine Person aus deinem Umfeld, eine Figur oder du selbst in einem anderen Kontext. Ähnlich wie bei der Mentorentechnik zählt nicht die Bewunderung, sondern die Beobachtbarkeit.
  3. Das Verhalten dissoziiert beobachten und beschreiben: Du siehst das Modell wie in einem Film. Was genau tut es? Körperhaltung, Atmung, Blickrichtung, Tempo, Wortwahl, Stimme. Zeitlupe und Perspektivwechsel helfen. Diese Feinbeschreibung ist eine Elizitation: Du holst die Strategie hinter dem Verhalten heraus, nicht nur das äußere Bild.
  4. Dich selbst an die Stelle des Modells setzen: Immer noch dissoziiert. Du nimmst das Modell aus dem Bild und siehst dich selbst dort, mit demselben Verhalten in derselben Situation. Diese Übertragung entspricht dem Prinzip von Mapping Across. Der Film läuft so oft, bis das Bild stimmig aussieht.
  5. Prüfen und anpassen: Was passt noch nicht? Was würde in deinem Umfeld auffallen oder unpassend wirken? Hier gehört der Öko-Check hin: Passt das neue Verhalten zu deinen Werten und zu den Menschen um dich herum? Angepasst wird jetzt, nicht später.
  6. Assoziiert übernehmen: Erst wenn das Bild stimmt, steigst du hinein und erlebst die Situation aus der eigenen Perspektive. Jetzt kommen Gefühl, Atmung und Bewegung dazu. Wichtig ist die Innenseite: Welche Überzeugung, welche Haltung braucht es, damit dieses Verhalten von selbst kommt?
  7. Sichern und testen: Der Zustand lässt sich ankern, etwa über einen Circle of Excellence oder unter Beachtung der TIGER-Kriterien. Danach folgt der Future Pace: die nächste konkrete Situation in der Vorstellung durchgehen und prüfen, ob das neue Verhalten dort auftaucht.

Warum erst dissoziiert, dann assoziiert?

Weil die dissoziierte Position die Prüfstelle ist. Von außen betrachtet siehst du das Verhalten, ohne den alten Zustand mit auszulösen. Du kannst korrigieren, wiederholen und Details verändern, ohne dass Anspannung dazwischenfunkt. Erst wenn das Bild stimmt, holst du das Gefühl dazu.

Wer sofort assoziiert übt, übt oft das alte Muster mit. Sobald du in die kritische Situation hineingehst, sind die alten Auslöser wieder da: der Konferenzraum, der Tonfall des Gegenübers, der Druck im Bauch. Das neue Verhalten wird dann an genau diesen Zustand gekoppelt und fühlt sich beim nächsten Mal so wackelig an wie vorher.

Die Faustregel lautet deshalb: Korrigieren im Außen, Verankern im Innen. Alles, was geprüft, verglichen und verändert wird, gehört in die Dissoziation. Alles, was sich einprägen soll, gehört in die Assoziation. Wenn beim assoziierten Durchgang etwas nicht stimmt, gehst du zurück nach außen und änderst es dort, statt im Erleben zu reparieren.

Wofür lässt sich der New Behavior Generator einsetzen?

Überall dort, wo ein Verhalten fehlt oder unsicher ist und sich beschreiben lässt, wie es stattdessen aussehen soll. Sechs typische Felder aus der Praxis:

EinsatzbereichBeispielWorauf es ankommt
Beruflicher AuftrittRuhig antworten, wenn ein Vorschlag im Meeting zerpflückt wirdEin Modell aus dem eigenen Umfeld, dessen Reaktion du wirklich beobachtet hast
Vortrag und BühneVor Publikum stehen, Pausen aushalten, langsamer sprechenTempo und Atmung genau beschreiben, nicht nur „souverän wirken“
Grenzen setzenEine zusätzliche Aufgabe freundlich ablehnenDer genaue Satz zählt, samt Stimme und Blick. Formuliere ihn vorher aus
BewegungsabläufeEin Aufschlag im Tennis, ein Griff beim InstrumentErgänzt das körperliche Training, ersetzt es nicht
Neue GewohnheitenNach dem Aufstehen 20 Minuten schreiben statt zum Handy greifenDas Verhalten an einen konkreten Auslöser koppeln, nicht an eine Tageszeit
Fachliche FertigkeitenEin Coaching-Format sicher anleiten, ein Verkaufsgespräch führenVorher die Strategie des Modells herausarbeiten, nicht nur die Oberfläche kopieren
Einsatzbereiche des New Behavior Generator mit Beispielen

Woher kommt die Idee des Modelllernens?

Aus der Lernpsychologie. Albert Bandura hat in seiner sozial-kognitiven Lerntheorie beschrieben, dass Menschen einen großen Teil ihres Verhaltens durch Beobachtung anderer erwerben, ohne es selbst ausprobieren zu müssen („Social Learning Theory“, 1977). Er unterscheidet vier Teilprozesse: Aufmerksamkeit auf das Modell, Behalten des Gesehenen, motorische Umsetzung und Motivation, es tatsächlich zu tun.

Die Parallele zum Format liegt auf der Hand: Die Schritte drei und vier entsprechen Aufmerksamkeit und Behalten, Schritt sechs der Umsetzung, Schritt sieben der Motivation im konkreten Kontext. Der New Behavior Generator ist damit kein Beleg für Banduras Theorie, aber eine Anwendung ihrer Prinzipien im Coaching.

Der zweite Baustein ist mentales Üben. In der Sportpsychologie ist mentales Training gut untersucht. Die Metaanalyse von James Driskell, Carolyn Copper und Aidan Moran (Journal of Applied Psychology, 1994) fasst dutzende Studien zusammen und kommt zu einem klaren Ergebnis: Mentales Üben verbessert die Leistung messbar, der Effekt ist aber kleiner als beim körperlichen Üben, fällt bei gedanklich geprägten Aufgaben größer aus als bei rein motorischen und lässt ohne Auffrischung nach einigen Wochen nach.

Diese Trennung ist wichtig. Belegt sind Modelllernen und mentales Üben als Prinzipien. Nicht belegt ist die Wirksamkeit des NLP-Formats selbst, das diese Prinzipien in einen festen Ablauf gießt. Wer den New Behavior Generator anbietet, sollte beides auseinanderhalten und nicht die Studienlage zum mentalen Training als Nachweis für das Format ausgeben.

Aus meiner Praxis: der übersprungene Schritt

In meinen Ausbildungen ist der New Behavior Generator eines der Formate, die auf dem Papier einfach aussehen und in der Übung regelmäßig schieflaufen. Der häufigste Grund: Die Übenden springen von Schritt zwei direkt ins Erleben. Ich merke es an der Sprache. Wer sagt „ich fühle mich da schon viel sicherer“, ist bereits drin, obwohl das Bild noch gar nicht steht. Die Frage, die zurückholt, lautet: „Beschreib mir, was ich sehen würde, wenn ich zuschaue.“

Der zweite Klassiker ist ein Modell, das zu weit weg ist. Eine Filmfigur oder eine berühmte Rednerin liefert Bewunderung, aber kaum Details. Sobald ich nach der Atmung, dem Blick oder dem ersten Satz frage, wird es leer. Ein Modell aus dem eigenen Umfeld, das man tatsächlich beobachten kann, ist für dieses Format fast immer die bessere Wahl. Am stärksten wirkt es, wenn jemand sich selbst als Modell nimmt, aus einem Bereich, in dem das Verhalten schon funktioniert.

Was am Ende über die Umsetzung entscheidet, ist der Auslöser. Solange das neue Verhalten nur allgemein an „Meetings“ hängt, passiert im Alltag nichts. Sobald es an einen konkreten Moment gekoppelt ist, etwa an den Satz „das sehe ich anders“ vom Gegenüber, taucht es tatsächlich auf. Deshalb lasse ich im letzten Schritt immer den genauen Moment benennen, in dem das Verhalten starten soll.

Wo hat der New Behavior Generator seine Grenzen?

Die wichtigste Grenze: Vorstellung ersetzt kein Können. Wer eine Fertigkeit noch nie ausgeübt hat, erwirbt sie nicht im Kopf. Mentales Üben verfeinert und stabilisiert etwas, das in Ansätzen vorhanden ist, und ersetzt kein reales Training. Für das Format selbst gibt es keine kontrollierten Wirksamkeitsstudien, wie für die meisten NLP-Formate.

Zweitens hilft es nicht bei inneren Konflikten. Wenn eine Seite in dir das neue Verhalten gar nicht will, wird die Vorstellung zäh und rutscht immer wieder ab. Dann gehört zuerst die Arbeit mit dem Teilemodell an die Reihe, danach der Verhaltensaufbau.

Drittens ist Vorsicht geboten, wenn die Zielsituation mit starker Angst, Panik oder belastenden Erinnerungen verbunden ist. Sich assoziiert in eine solche Situation zu begeben, kann den alten Zustand auslösen statt einen neuen aufzubauen. Solche Themen gehören in psychotherapeutische Begleitung und nicht in ein Coaching-Format.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Häufige Fragen zum New Behavior Generator

Was ist der New Behavior Generator im NLP?

Der New Behavior Generator ist ein NLP-Format zum Aufbau neuen Verhaltens über inneres Modelllernen. Das gewünschte Verhalten wird zuerst dissoziiert an einem Vorbild oder an einem inneren Bild von sich selbst beobachtet, geprüft und angepasst, und erst danach assoziiert erlebt und im Körper durchgespielt. Abgeschlossen wird mit einem Test in einer konkreten zukünftigen Situation.

Warum erst dissoziiert und dann assoziiert?

Weil in der dissoziierten Position korrigiert werden kann, ohne den alten Zustand auszulösen. Wer sofort assoziiert übt, holt sich die alten Auslöser mit ins Erleben und übt das alte Muster in abgeschwächter Form weiter mit. Erst wenn das Bild von außen stimmt, wird es assoziiert übernommen und körperlich verankert.

Brauche ich ein reales Vorbild?

Nein. Als Modell taugt jede Quelle, die sich genau beschreiben lässt: eine reale Person, eine erfundene Figur oder du selbst in einem Kontext, in dem das Verhalten bereits funktioniert. Entscheidend ist nicht, wie beeindruckend das Modell ist, sondern wie viele beobachtbare Einzelheiten du benennen kannst.

Was ist der Unterschied zwischen New Behavior Generator und Modelling?

Modelling ist der übergeordnete Prozess: Es untersucht, wie jemand eine Fähigkeit hervorbringt, und macht daraus ein übertragbares Modell, oft über mehrere Sitzungen und mit echten Interviews. Der New Behavior Generator ist ein kurzes Format, das dieses Prinzip für eine einzelne Person und eine konkrete Situation nutzt. Modelling erzeugt Wissen, der New Behavior Generator erzeugt Verhalten.

Wie oft muss ich das neue Verhalten durchspielen?

Ein Durchgang reicht selten. Sinnvoll sind mehrere kurze Wiederholungen über einige Tage, jeweils zwei bis drei Minuten, und danach der erste reale Versuch. Die Forschung zum mentalen Training zeigt, dass der Effekt ohne Auffrischung nach einigen Wochen nachlässt, gelegentliche Wiederholung also mehr bringt als ein einzelner langer Durchgang.

Wo kann ich den New Behavior Generator lernen?

Das Format gehört zum Standardstoff der NLP-Practitioner-Ausbildung und lässt sich aus Texten nur eingeschränkt lernen, weil das genaue Beobachten und Rückfragen geübt sein will. Einen ersten Eindruck bekommst du im NLP-Einführungsseminar, vollständig geübt wird es im NLP Practitioner online. Alle weiteren Begriffe findest du in der NLP-Enzyklopädie.

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