Der New Orleans Flexibility Drill ist eine NLP-Übung zur Erweiterung des eigenen Verhaltensrepertoires: Du nimmst dir eine wiederkehrende Situation vor, in der du immer gleich reagierst, entwickelst bewusst mehrere alternative Reaktionen und spielst sie durch, bis sie tatsächlich verfügbar sind. Das Ziel ist nicht die eine bessere Reaktion, sondern Auswahl. Wer in einer Situation nur eine einzige Antwort kennt, hat kein Verhalten, sondern einen Automatismus.
Der New Orleans Flexibility Drill auf einen Blick
| Was es ist | Übung zur Erweiterung des Verhaltensrepertoires in einer wiederkehrenden Situation |
| Ziel | Mehrere wählbare Reaktionen statt einer automatischen |
| Theoretischer Hintergrund | Gesetz der erforderlichen Varietät nach W. Ross Ashby, übernommen in die NLP-Grundannahmen |
| Herkunft des Namens | Nicht gesichert belegt, siehe unten |
| Dauer | Etwa 30 bis 60 Minuten für einen Durchgang |
| Allein möglich? | Teilweise, das Durchspielen wird zu zweit deutlich brauchbarer |
| Verwandte Formate | New Behavior Generator, Positionswechsel, Mismatching |
Woher stammt der New Orleans Flexibility Drill?
Zur Herkunft des Namens gibt es keine gesicherte Quelle. In deutschsprachigen Ausbildungsunterlagen kursiert die Zuschreibung an eine bestimmte Trainerin und die Jahreszahl 1988, eine zugängliche Primärquelle, in der die Übung unter diesem Namen zuerst beschrieben wird, ist mir jedoch nicht bekannt. Wer die Angabe irgendwo findet, sollte sie also nicht ungeprüft weitergeben. Auch der Ortsbezug bleibt Spekulation.
Dazu kommt: Die Übung wird in Ausbildungen unterschiedlich gelehrt. Manche Fassungen legen den Schwerpunkt auf das Sammeln vieler Alternativen, andere kombinieren sie mit Ankerarbeit oder mit einem Rollenspiel, in dem eine zweite Person das auslösende Verhalten nachstellt. Es gibt also nicht die eine richtige Version. Gemeinsam ist allen Varianten der Kern, und der ist ausreichend gut beschreibbar: eine festgefahrene Reaktion, mehrere neue Optionen, dann Üben.
Welche Grundannahme steckt hinter der Übung?
Dahinter steht die NLP-Grundannahme, dass in einem System das Element mit der größten Flexibilität den größten Einfluss hat. Diese Annahme ist keine Erfindung des NLP. Sie geht auf das Gesetz der erforderlichen Varietät des Kybernetikers W. Ross Ashby zurück, formuliert in An Introduction to Cybernetics (1956): Ein Regelsystem kann nur so viele Störungen ausgleichen, wie es selbst Zustände zur Verfügung hat.
Über Gregory Bateson gelangte dieses Denken aus der Kybernetik in die Kommunikationsforschung und von dort in die NLP-Grundannahmen. Ehrlicherweise gehört dazugesagt: Die NLP-Fassung ist eine populäre Übertragung, keine strenge Ableitung. Ashby sprach über Regelsysteme, nicht über Menschen in Besprechungen. Robert Dilts und Judith DeLozier führen die erforderliche Varietät in ihrer Encyclopedia of Systemic NLP (2000) als eigenen Eintrag und markieren die Herkunft aus der Systemtheorie deutlich.
Wie läuft der New Orleans Flexibility Drill ab?
Der Ablauf folgt sieben Schritten: Situation wählen, alte Reaktion beschreiben, Alternativen sammeln, Perspektiven prüfen, auswählen, durchspielen, in die Zukunft übertragen. Der wichtigste Schritt ist das Sammeln, und genau dort wird meistens zu früh aufgehört.
- Situation auswählen: Eine wiederkehrende, klar umrissene Situation mit einem erkennbaren Auslöser. Nimm nicht die schwerste, sondern eine mittlere. Bei der schwersten übst du hauptsächlich Stress.
- Die gewohnte Reaktion beschreiben: Was tust du genau, in welcher Reihenfolge, was sagst du, was macht dein Körper? Je präziser die alte Reaktion beschrieben ist, desto klarer wird, wo überhaupt eine Abzweigung möglich wäre. Halte auch fest, in welchem State du dabei bist.
- Mindestens fünf Alternativen sammeln: Ohne Bewertung, auch übertriebene und offensichtlich unpassende. Die ersten zwei Ideen sind meist Varianten der alten Reaktion. Interessant wird es ab der vierten. Hilfreiche Kategorien: etwas anderes tun (Mismatching), nichts tun, nachfragen, das Wahrgenommene benennen, den Ort oder die Körperhaltung wechseln.
- Perspektiven prüfen: Geh jede Alternative im Positionswechsel durch. Wie kommt sie beim Gegenüber an, wie sieht sie von außen aus? Manches, was in Position eins mutig wirkt, ist in Position zwei schlicht verletzend.
- Drei Alternativen auswählen: Realistisch, zu dir passend und mit den Menschen verträglich, die davon betroffen sind. Prüfe, welche Ressourcen du für jede einzelne brauchst, etwa Ruhe, Humor oder die Fähigkeit, eine Pause auszuhalten.
- Durchspielen: Am besten zu zweit, wobei die andere Person den Auslöser nachstellt. Jede Alternative wird einzeln durchgespielt, und zwischen den Durchgängen kommt ein Separator: aufstehen, aus dem Fenster sehen, kurz etwas anderes tun. Ohne diese Unterbrechung vermischen sich die Zustände, und am Ende fühlen sich alle Varianten gleich an.
- In die Zukunft übertragen: Mit einem Future Pace gehst du in die nächste konkrete Gelegenheit. Nicht „irgendwann demnächst“, sondern die Besprechung am Donnerstag, mit Uhrzeit und Raum.
Beispiele: gewohnte Reaktion und Alternativen
Die folgende Tabelle zeigt typische Situationen aus Übungsgruppen. Sie ist als Anregung gedacht, nicht als Rezept. Welche Alternative passt, entscheidet sich in der Situation.
| Situation | Gewohnte Reaktion | Mögliche Alternativen |
|---|---|---|
| Ein Kollege unterbricht dich in der Besprechung | Du verstummst und ärgerst dich still | Den Satz ruhig zu Ende sprechen; „Moment, ich bin gleich fertig“; ihn ansehen und schweigen, bis er von selbst stoppt |
| Dein Gegenüber antwortet abends einsilbig | Du fragst nach, bis das Gespräch kippt | Nichts fragen und weitermachen; später am Abend fragen; benennen, was du wahrnimmst, ohne eine Frage anzuhängen |
| Eine Kundin sagt „das ist mir zu teuer“ | Du rechtfertigst sofort den Preis | Fragen, womit sie vergleicht; drei Sekunden schweigen; ein kleineres Angebot vorschlagen |
| Dein Kind trödelt beim Anziehen | Du drängst und wirst lauter | Leiser statt lauter sprechen; zwei Wahlmöglichkeiten anbieten; dich hinsetzen und warten |
| Eine wichtige Nachricht bleibt unbeantwortet | Du hakst mehrfach nach | Einmal nachfassen und einen Termin nennen; anrufen; bewusst nichts tun und eine Frist setzen |
| Jemand kritisiert deine Arbeit vor anderen | Du verteidigst dich sofort | Nachfragen, was genau gemeint ist; den Punkt notieren und vertagen; den berechtigten Teil offen bestätigen |
Aus meiner Praxis: warum die vierte Idee die interessante ist
In meinen Ausbildungen beobachte ich bei dieser Übung immer denselben Verlauf. Die ersten beiden Alternativen sind fast nie welche. Sie sind die alte Reaktion in höflicher oder lauterer Form. Erst ab der vierten Idee kommt etwas, das sich strukturell unterscheidet, und oft ist es die fünfte, bei der die übende Person selbst lacht und sagt, das könnte sie eigentlich wirklich machen. Deshalb bestehe ich auf der Mindestzahl, auch wenn es sich zäh anfühlt.
Der zweite Punkt, an dem es regelmäßig klemmt: Alternativen werden gesammelt, aber nicht ausprobiert. Eine Liste im Heft verändert nichts. Verfügbar wird eine Reaktion erst, wenn der Körper sie einmal gemacht hat, im Rollenspiel oder in der echten Situation. Und ein dritter Fehler, der leicht übersehen wird: Wer alle Alternativen ohne Pause hintereinander durchspielt, nimmt am Ende keinen Unterschied mehr wahr. Die kurze Unterbrechung zwischen den Durchgängen ist kein Beiwerk.
Wie unterscheidet sich der Drill vom New Behavior Generator?
Der Unterschied liegt in Breite gegen Tiefe. Der New Orleans Flexibility Drill erzeugt viele Optionen für eine Situation und prüft sie im Schnelldurchlauf. Der New Behavior Generator nimmt ein einziges gewünschtes Verhalten, modelliert es an einem Vorbild und baut es über mehrere Wahrnehmungskanäle so lange auf, bis es stimmig ist.
In der Praxis passen beide gut hintereinander. Erst der Drill, um überhaupt zu sehen, was möglich wäre. Dann der New Behavior Generator für die eine Option, die sich als tragfähig herausgestellt hat.
Wo liegen die Grenzen der Übung?
Der New Orleans Flexibility Drill ist eine Übung, kein Verfahren mit geprüfter Wirksamkeit. Kontrollierte Studien zu diesem Format gibt es nicht, und angesichts der uneinheitlichen Überlieferung wäre auch unklar, welche Version untersucht werden sollte. Was sich beobachten lässt, ist bescheidener und trotzdem nützlich: Wer mehrere Optionen durchgespielt hat, reagiert in der realen Situation seltener rein automatisch.
Zwei Einschränkungen sind wichtig. Erstens ersetzt Verhaltensflexibilität keine Klärung. Wenn eine Situation immer wieder eskaliert, weil ein echter Konflikt darunterliegt, löst ein größeres Repertoire ihn nicht auf, es macht ihn höchstens erträglicher. Zweitens gehören Situationen mit Übergriffigkeit, Gewalt oder anhaltender Herabwürdigung nicht in diese Übung. Dort ist die passende Reaktion nicht Flexibilität, sondern eine Grenze und gegebenenfalls Unterstützung von außen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Häufige Fragen zum New Orleans Flexibility Drill
Was ist der New Orleans Flexibility Drill?
Der New Orleans Flexibility Drill ist eine NLP-Übung, mit der man das eigene Verhaltensrepertoire in einer wiederkehrenden Situation erweitert. Man beschreibt die gewohnte Reaktion, entwickelt mindestens fünf Alternativen und spielt die brauchbarsten davon durch. Ziel ist eine echte Auswahl an Reaktionen statt eines Automatismus.
Woher kommt der Name New Orleans Flexibility Drill?
Zur Herkunft des Namens gibt es keine gesicherte Quelle. In Ausbildungsunterlagen finden sich vereinzelt Zuschreibungen an einzelne Trainerinnen und Jahreszahlen, eine belastbare Primärquelle fehlt jedoch. Die Übung selbst wird in verschiedenen Ausbildungen unterschiedlich gelehrt.
Wie viele Alternativen sollte ich entwickeln?
Mindestens fünf, besser sieben. Die ersten beiden Ideen sind fast immer Varianten der alten Reaktion, und erst danach entsteht etwas strukturell Neues. Aus der Sammlung werden anschließend drei Alternativen ausgewählt und tatsächlich durchgespielt.
Was ist der Unterschied zum New Behavior Generator?
Der New Orleans Flexibility Drill erzeugt Breite: viele mögliche Reaktionen für eine Situation. Der New Behavior Generator erzeugt Tiefe: ein einzelnes gewünschtes Verhalten wird an einem Vorbild modelliert und detailliert aufgebaut. Beide lassen sich sinnvoll kombinieren, erst der Drill, dann der Generator.
Kann ich die Übung allein machen?
Das Sammeln der Alternativen und der Positionswechsel funktionieren allein gut. Das Durchspielen wird zu zweit deutlich brauchbarer, weil eine zweite Person den Auslöser realistisch nachstellen und von außen rückmelden kann, wie die neue Reaktion ankommt. Allein fehlt genau diese Rückmeldung.
Wo kann ich den New Orleans Flexibility Drill lernen?
Übungen zur Verhaltensflexibilität gehören in den Praktikerteil einer NLP-Ausbildung, weil sie eine Übungspartnerin brauchen. In meinen NLP-Ausbildungen arbeiten wir daran in kleinen Gruppen, online und in Portugal. Wer erst einmal hineinschauen möchte, ist beim NLP-Einführungsseminar richtig. Weitere Begriffe rund um Verhalten und Kommunikation findest du in der NLP-Enzyklopädie.

