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Core States im NLP: die tiefsten Seinszustände

Core States, auf Deutsch Kern- oder Quellenzustände, sind tiefe Zustände des Seins wie innerer Frieden, Liebe oder Einssein. Im NLP gelten sie als das, was unsere inneren Anteile letztlich für uns erreichen wollen, wenn man ihrer Absichtskette weit genug folgt.

Das Besondere daran: Ein Core State ist kein besonders schönes Gefühl, sondern eine Qualität des Daseins. Er hängt an keiner Bedingung. Man muss ihn sich nicht verdienen, nicht herstellen und nicht halten. Er ist in dem Moment einfach da, in dem man aufhört, ihn zu suchen. Beschrieben und systematisch zugänglich gemacht haben ihn Connirae und Tamara Andreas in ihrem Buch Core Transformation (1994).

Das Wichtigste in Kürze

DefinitionTiefer Zustand des Seins ohne äußere Ursache, Endpunkt einer Absichtskette
Deutsche BegriffeKernzustand, Quellenzustand
HerkunftConnirae und Tamara Andreas, Core Transformation (1994)
AnzahlFünf beschriebene Zustände, Formulierungen bleiben individuell
Zugang überDas Format Core Transformation
AbgrenzungKein Ressourcezustand, keine Emotion
Core States auf einen Blick

Was macht einen Core State aus?

Ein Core State erfüllt sechs Kriterien. Sie sind das Prüfraster, mit dem sich unterscheiden lässt, ob jemand tatsächlich in einem Kernzustand angekommen ist oder „nur“ in einem angenehmen Gefühl.

KriteriumWas das bedeutet
Zustand des SeinsEs ist etwas, das man ist, nicht etwas, das man tut oder hat.
Keine äußere UrsacheEr hängt an keiner Person, keinem Ereignis, keinem Erfolg.
Nicht reflexivEr richtet sich nicht auf etwas oder jemanden, auch nicht auf einen selbst.
Kein spezifisches GefühlEr ist umfassender als Freude, Stolz oder Erleichterung.
Körperlich spürbarEr zeigt sich als Weite, Wärme oder Ruhe im Körper, nicht nur als Gedanke.
Ende der KetteAuf die Frage „Und was ist daran noch wichtiger?“ kommt keine Antwort mehr.
Die sechs Kriterien eines Core State

Welche fünf Core States gibt es?

Connirae und Tamara Andreas beschreiben fünf Kernzustände, die sich in ihrer Arbeit immer wieder als Endpunkt der Absichtskette zeigten. Die Namen sind Annäherungen. Die meisten Menschen finden im Prozess ihre eigene Formulierung dafür.

Core StateEnglischWie er sich anfühlt
SeinBeingEinfach da sein dürfen, ohne Zweck und ohne Leistung
Innerer FriedenInner PeaceStille, in der nichts mehr gelöst werden muss
LiebeLoveZugewandtheit ohne Adressat und ohne Bedingung
In-Ordnung-SeinOKnessDas Gefühl, genau so richtig zu sein
EinsseinOnenessVerbundenheit mit allem, keine Trennung
Die fünf Core States nach Connirae und Tamara Andreas

Wie kommst du in einen Core State?

Über die Absichtskette, nicht über Anstrengung. Der klassische Weg ist die Core Transformation: Man wendet sich einem inneren Anteil zu, der etwas Unerwünschtes tut, und fragt ihn immer wieder dieselbe Frage, bis nichts mehr kommt.

  1. Den Anteil wählen. Ein Verhalten, ein Gefühl oder eine Reaktion, die dich stört: Aufschieben, Gereiztheit, Rückzug.
  2. Kontakt aufnehmen. Wo spürst du ihn im Körper? Hat er ein Bild, einen Klang? Das ist Arbeit im Teilemodell.
  3. Nach der Absicht fragen. „Was willst du für mich, etwas noch Wichtigeres?“ Hinter jedem Störverhalten steht eine positive Absicht.
  4. Die Kette weitergehen. Dieselbe Frage auf jede Antwort. Typisch ist die Reihenfolge Sicherheit, Anerkennung, Ruhe, Frieden. Irgendwann kommt keine Antwort mehr, und das ist der Core State.
  5. Verweilen. Zwei, drei Minuten nichts tun. Diesen Schritt überspringen die meisten, und genau er entscheidet.
  6. Zurückfließen lassen. Der Zustand wird die Kette rückwärts durchgereicht: Wie wäre das Verhalten von damals gewesen, wenn dieser Zustand schon da gewesen wäre? Zum Schluss Ökologie-Check und Future Pace.

Core State, Ressourcezustand oder Emotion: was ist der Unterschied?

Alle drei fühlen sich gut an, funktionieren aber völlig unterschiedlich. Der praktische Unterschied liegt darin, woran sie hängen und ob sie sich abrufen lassen.

EmotionRessourcezustandCore State
AuslöserEin EreignisErinnerung oder AnkerKeiner nötig
BeispielFreude über eine ZusageSelbstsicherheit vor einem VortragInnerer Frieden
DauerFlüchtigAbrufbar, aber begrenztGrundzustand, jederzeit zugänglich
RichtungAuf etwas gerichtetAuf ein Ziel gerichtetAuf nichts gerichtet
Emotion, Ressourcezustand und Core State im Vergleich

Eine verwandte Beobachtung außerhalb des NLP stammt vom Psychologen Richard C. Schwartz, dem Begründer des Internal Family Systems. Er beschreibt unter allen inneren Anteilen einen Kern, den er „Self“ nennt, mit ähnlichen Qualitäten: Ruhe, Verbundenheit, Klarheit. Die beiden Modelle sind unabhängig entstanden und stützen sich nicht gegenseitig, die Parallele ist aber bemerkenswert.

Was ich in der Praxis beobachte

Der häufigste Fehler bei Core Transformation ist Ungeduld. Kommt eine Antwort wie „Ruhe“, klingt das schon so hochwertig, dass viele dort stehen bleiben. Die Frage „Und was ist daran noch wichtiger?“ führt aber fast immer noch zwei, drei Ebenen tiefer, und dort verändert sich der Tonfall der Antworten spürbar. Die Stimme wird leiser, die Sätze kürzer.

Woran ich im Coaching merke, dass jemand tatsächlich angekommen ist: Es kommt keine Beschreibung mehr, sondern eine Pause. Menschen suchen dann kein Wort mehr, sie schweigen. Wenn danach doch etwas gesagt wird, ist es oft ein einziges: „Still.“ Oder: „Da.“

Ehrlich gesagt ist das auch die Stelle, an der ich am meisten aufpasse. Der Zustand lässt sich nicht erzwingen, und wer ihn erwartet, verhindert ihn zuverlässig. Manchmal endet ein Prozess ohne Core State und ist trotzdem wertvoll, weil die Absichtskette allein schon erklärt, wofür ein lästiges Verhalten die ganze Zeit gut war.

Grenzen und Sicherheitshinweis

Die Arbeit mit Core States ist Selbsterfahrung und Coaching, keine Psychotherapie. Es gibt keine kontrollierten Wirksamkeitsstudien zu diesem Format. Bei akuten Krisen, Traumafolgestörungen, Depressionen oder dissoziativen Symptomen gehört die Begleitung in ärztliche oder psychotherapeutische Hände. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt weder Diagnose noch ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Häufige Fragen zu Core States

Was ist ein Core State einfach erklärt?

Ein Core State ist ein tiefer Zustand des Seins, etwa innerer Frieden, Liebe oder Einssein, der an keine äußere Bedingung geknüpft ist. Im NLP gilt er als das, was innere Anteile letztlich anstreben, wenn man ihre Absichtskette bis zum Ende verfolgt.

Ist ein Core State dasselbe wie ein Ressourcezustand?

Nein. Ein Ressourcezustand wird gezielt aktiviert, meist über eine Erinnerung oder einen Anker, und ist auf ein Ziel gerichtet, zum Beispiel Selbstsicherheit vor einem Vortrag. Ein Core State braucht keinen Auslöser und ist auf nichts gerichtet. Er ist Grundzustand, nicht Werkzeug.

Wie viele Core States gibt es?

Connirae und Tamara Andreas beschreiben fünf: Sein, innerer Frieden, Liebe, In-Ordnung-Sein und Einssein. Diese Zahl ist keine Naturkonstante, sondern das Ergebnis ihrer Beobachtungen in vielen Sitzungen. Menschen finden im Prozess oft eigene Worte, die keinem der fünf Etiketten genau entsprechen.

Kann ich Core Transformation allein machen?

Grundsätzlich ja, Connirae Andreas hat den Prozess ausdrücklich auch als Selbstanwendung beschrieben. In der Praxis ist Begleitung leichter, weil man beim Alleinarbeiten dazu neigt, die Absichtskette abzukürzen und Antworten vorwegzunehmen. Bei belastenden Themen ist Begleitung ohnehin die bessere Wahl.

Was, wenn ich in keinen Core State komme?

Das ist normal und kein Scheitern. Häufige Gründe sind Zeitdruck, ein zu groß gewähltes Thema oder ein Anteil, der noch misstrauisch ist. Hilfreich ist, das Tempo zu senken, ein kleineres Verhalten zu wählen und dem Anteil zuzugestehen, dass er nicht antworten muss.

Sind Core States etwas Spirituelles?

Die Beschreibungen ähneln dem, was aus Meditation und kontemplativen Traditionen bekannt ist. Einssein und bedingungsloser Frieden sind dort vertraute Begriffe. Core Transformation kommt allerdings ohne Weltbild aus: Der Prozess funktioniert unabhängig davon, wie jemand das Erlebte deutet.

Wo lerne ich, mit Core States zu arbeiten?

Core Transformation ist typischerweise Teil der NLP-Master-Ebene, weil sie sauberes Arbeiten mit inneren Anteilen voraussetzt. Aufbau und Termine findest du bei den NLP-Ausbildungen und Seminaren, der Einstieg gelingt an einem Samstag im NLP-Einführungsseminar. Wer den Prozess an einem eigenen Thema erleben möchte, kann ihn auch im Coaching durchlaufen.

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