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Kriterien im NLP: Maßstäbe für Werte und Ziele

Kriterien sind im NLP die Maßstäbe, an denen ein Mensch misst, ob ein Wert erfüllt oder ein Ziel erreicht ist. Sie beantworten die Frage: „Woran genau würde ich merken, dass ich habe, was ich will?“

Kriterien machen aus einem großen Wort etwas Prüfbares. „Mehr Sicherheit“ bedeutet für die eine Person drei Monatsgehälter auf dem Konto, für die andere einen unbefristeten Vertrag und für die dritte einen Menschen, den sie nachts anrufen kann. Ohne diese Konkretisierung arbeiten Coach und Klientin an zwei verschiedenen Zielen, ohne es zu merken.

Wie hängen Werte, Kriterien und Evidenz zusammen?

Sie bilden eine Kette vom Abstrakten zum Überprüfbaren: Der Wert sagt, worum es geht, das Kriterium sagt, woran man es misst, die Evidenz sagt, wann es erreicht ist.

EbeneFrageBeispiel
WertWas ist mir wichtig?Freiheit
KriteriumWoran mache ich das fest?Selbst über meine Arbeitszeit entscheiden
EvidenzWoran erkenne ich, dass es erfüllt ist?Ich plane meine Woche ohne Rücksprache
Vom Wert über das Kriterium zur überprüfbaren Evidenz

Robert Dilts und Judith DeLozier beschreiben Kriterien in der Encyclopedia of Systemic NLP and NLP New Coding (2000) genau in dieser Funktion: als die Standards, nach denen ein Mensch bewertet und entscheidet. Wer nur über Werte spricht, bleibt im Ungefähren. Wer bis zur Evidenz durchgeht, bekommt einen Maßstab, den man am Alltag prüfen kann.

Wie findest du deine Kriterien?

Indem du hinter jedes große Wort eine Frage nach der Erkennbarkeit setzt. Vier Schritte genügen:

  1. Wert benennen. „Was ist dir bei diesem Thema wichtig?“ Die Antwort ist meist eine Nominalisierung wie Sicherheit, Anerkennung oder Freiheit.
  2. Kriterium erfragen. „Woran würdest du merken, dass du das hast?“ Diese Frage löst die Nominalisierung in konkretes Erleben auf.
  3. Sinnlich konkretisieren. „Was genau siehst, hörst und fühlst du dann?“ Erst hier wird das Kriterium überprüfbar statt beliebig.
  4. Rangfolge klären. Sind mehrere Kriterien im Spiel, entscheidet die Wertehierarchie, welches zuerst erfüllt sein muss.

Welche Arten von Kriterien gibt es?

Kriterien unterscheiden sich vor allem darin, woher der Maßstab kommt und wohin er zeigt. Diese vier Unterscheidungen reichen für die Praxis und hängen eng mit den Meta-Programmen zusammen.

UnterscheidungKlingt soWas das im Coaching bedeutet
Hin-zu„Ich will Ruhe im Kopf.“Das Ziel zieht, die Motivation hält länger
Weg-von„Ich will diesen Druck nicht mehr.“Motivation sinkt, sobald der Druck nachlässt
Intern (eigener Maßstab)„Ich merke selbst, wann es gut ist.“Rückmeldung von außen wirkt wenig
Extern (Maßstab von außen)„Wenn mein Chef zufrieden ist.“Ziel hängt an anderen, deshalb selbst erreichbar umformulieren
Vier Kriterienarten und ihre Wirkung auf die Zielarbeit

Wozu brauchst du Kriterien in der Zielarbeit?

Weil ein Ziel ohne Kriterien nicht erreichbar ist. Man merkt schlicht nicht, wann man da ist. Genau deshalb verlangen die Wohlgeformtheitskriterien eine sinnlich überprüfbare Zielbeschreibung, und genau deshalb steht das M für messbar in SMART-formulierten Zielen. Kriterien leisten dabei dreierlei:

  • Sie machen Fortschritt sichtbar. Ohne Maßstab wirkt jede Veränderung wie zu wenig.
  • Sie decken Konflikte auf. Wenn zwei Kriterien einander ausschließen, zeigt sich das beim Öko-Check, nicht erst nach Monaten.
  • Sie führen zum eigentlichen Anliegen. Fragst du weiter, was das Kriterium dir bringt, landest du beim Metaziel, dem Ziel hinter dem Ziel.

Warum unterscheiden sich Kriterien von Mensch zu Mensch?

Weil sie aus der persönlichen Erfahrung stammen, nicht aus dem Wortsinn. Zwei Menschen können denselben Wert nennen und völlig Verschiedenes meinen. Dilts beschreibt Kriterien deshalb als individuelle Maßstäbe, die eng mit Identität und Glaubenssätzen verknüpft sind. Praktisch heißt das: Nie annehmen, dass du weißt, was jemand mit „Erfolg“ meint. Nachfragen ist keine Höflichkeit, sondern Handwerk, und im NLP leistet das Meta-Modell genau diese Arbeit.

Wo liegen die Grenzen der Kriterienarbeit?

Kriterien machen ein Ziel prüfbar, aber nicht automatisch richtig. Drei Punkte gehören zur ehrlichen Einordnung:

  • Gefragt wird die Selbstauskunft. Menschen nennen oft, was sie für wichtig halten sollten, nicht, wonach sie tatsächlich entscheiden. Der Abgleich mit dem Verhalten der letzten Monate ist verlässlicher als jede Liste.
  • Zu frühe Präzision engt ein. Wer ein Kriterium sofort in Zahlen fasst, verliert manchmal das eigentliche Bedürfnis dahinter. Erst das Erleben klären, dann messbar machen.
  • Kriterien ersetzen keine Entscheidung. Sie zeigen den Maßstab, sie nehmen niemandem den Konflikt ab, wenn zwei wichtige Dinge nicht gleichzeitig gehen.

Hinweis: Coaching und NLP dienen der persönlichen Entwicklung und ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Bei anhaltender Belastung wende dich bitte an eine Fachärztin, einen Arzt oder eine Psychotherapeutin.

Aus meiner Coaching-Praxis

Ich habe mir angewöhnt, bei großen Wörtern konsequent nachzufragen, auch wenn es sich im Gespräch fast unhöflich anfühlt. „Ich will endlich mehr Balance“ klingt klar, bis man fragt, woran genau sie das merken würde. Oft kommt dann nach einer Pause etwas ganz anderes als erwartet: nicht weniger Arbeit, sondern ein freier Abend pro Woche ohne schlechtes Gewissen. Dieses eine konkrete Kriterium verändert das ganze Coaching, weil es überprüfbar ist. Wer diesen Schritt überspringt, arbeitet mit großer Mühe an einem Ziel, das niemand erkennen kann.

Das saubere Herausarbeiten von Kriterien ist eine der ersten Übungen in meinen NLP-Ausbildungen und Seminaren, weil ohne sie jede weitere Technik ins Leere läuft. Wenn du es an einem einzigen Samstag ausprobieren willst, ist das NLP-Einführungsseminar der kleinste sinnvolle Einstieg.

Häufige Fragen zu Kriterien im NLP

Was sind Kriterien im NLP einfach erklärt?

Kriterien sind die persönlichen Maßstäbe, an denen jemand festmacht, ob ein Wert erfüllt oder ein Ziel erreicht ist. Sie übersetzen abstrakte Begriffe wie Sicherheit oder Erfolg in konkret Wahrnehmbares.

Was ist der Unterschied zwischen Werten und Kriterien?

Der Wert benennt, was einem wichtig ist, zum Beispiel Freiheit. Das Kriterium benennt, woran man das misst, etwa selbst über die eigene Arbeitszeit zu entscheiden. Ein Wert kann mehrere Kriterien haben.

Mit welcher Frage findet man Kriterien heraus?

Die Standardfrage lautet: „Woran würdest du merken, dass du X hast?“ Sinnvoll ergänzt wird sie durch „Was genau siehst, hörst und fühlst du dann?“. Erst diese Konkretisierung macht das Kriterium überprüfbar.

Was ist der Unterschied zwischen Kriterium und Evidenz?

Das Kriterium benennt den Maßstab („selbst über meine Zeit entscheiden“), die Evidenz benennt den konkreten Beleg dafür („ich plane meine Woche ohne Rücksprache“). Das Kriterium sagt, worauf es ankommt, die Evidenz sagt, woran man es sieht, hört oder fühlt.

Was passiert, wenn Kriterien einander widersprechen?

Dann entsteht ein innerer Konflikt, der sich als Aufschieben oder Unentschlossenheit zeigt. Im Coaching wird zuerst geklärt, welches Kriterium in der Wertehierarchie höher steht, und anschließend eine Lösung gesucht, die beide Bedürfnisse berücksichtigt.

Können sich Kriterien im Lauf des Lebens ändern?

Ja, und das ist normal. Mit veränderten Lebensumständen verschieben sich die Maßstäbe: Was mit 25 als beruflicher Erfolg zählte, kann mit 45 völlig anders aussehen. Deshalb lohnt es sich, Kriterien bei größeren Entscheidungen neu zu überprüfen.

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