Weißes Pferd galoppiert frei über eine Wiese vor dunklem Wald
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Krafttier und Psyche: 7 Gründe, warum die Arbeit mit Krafttieren dir seelisch guttut

Die Arbeit mit einem Krafttier stärkt die Psyche aus drei Gründen: Du arbeitest mit inneren Bildern, du gewinnst Abstand zu einem Problem, und du hast eine Figur an deiner Seite, wenn es schwierig wird. Genau diese drei Dinge nutzt auch die moderne Psychologie: Imagination, Selbstdistanz und innere Helferfiguren. Der Schamanismus hatte dafür keine Fachwörter, aber er arbeitet seit Tausenden von Jahren genau so.

In diesem Artikel bekommst du sieben Gründe, warum dir dein Krafttier seelisch guttun kann. Bei jedem sage ich dir ehrlich, was die Forschung dazu zeigt und wo sie noch nichts zeigt. Krafttierarbeit ist kein Wundermittel, und ich will sie auch nicht so verkaufen.

Was passiert in der Psyche, wenn du mit einem Krafttier arbeitest?

Wenn du mit einem Krafttier arbeitest, stellst du dir ein Tier vor, sprichst mit ihm, bewegst dich wie es oder begegnest ihm auf einer schamanischen Reise. Für dein Gehirn ist das Arbeit mit Vorstellungsbildern. Und Vorstellungsbilder erreichen deine Gefühle schneller als Gedanken in Worten. Dazu kommt ein zweiter Effekt: Sobald ein Tier dir etwas sagt, schaust du von außen auf deine Lage. Du steckst nicht mehr mittendrin.

Ob du dabei an eine geistige Wirklichkeit glaubst oder nicht, spielt für diese Wirkungen erst einmal keine Rolle. Ich arbeite schamanisch und ich bin NLP-Trainerin. Aus beiden Richtungen sehe ich dasselbe: Mit dem Tier bekommen deine Gefühle eine Gestalt, mit der du reden kannst.

Hier zuerst der Überblick.

GrundWas dabei passiertWie gut es untersucht ist
1. Bilder bewegen GefühleVorstellungen lösen stärkere Gefühle aus als WorteGut, mehrere Laborexperimente
2. Abstand zum ProblemDu schaust von außen auf deine LageGut für Selbstdistanz, nicht speziell für Tiere
3. Ein innerer HelferEine sichere Figur begleitet dichErprobte Praxis in der Traumatherapie
4. Die TrommelDas Gehirn schaltet nach innenKleine, erste Studien
5. Tiere beruhigenWeniger Stress im Kontakt mit TierenGut für echte Tiere, offen für vorgestellte
6. Der Körper lernt mitHaltung verändert StimmungErfahrung aus Praxis und NLP
7. Ein fester RhythmusKleine Rituale geben HaltErfahrung aus der Praxis

1. Bilder erreichen deine Gefühle schneller als Worte

Du kannst dir hundertmal sagen, dass du sicher bist. Wenn du dir dagegen einen Bären vorstellst, der breit und ruhig hinter dir steht, spürst du den Unterschied sofort im Körper.

Die Psychologin Emily Holmes hat mit ihrem Team in Experimenten gezeigt, dass Menschen auf dieselbe Information stärker emotional reagieren, wenn sie sie sich bildlich vorstellen, als wenn sie sie in Worte fassen. Diese Forschung stützt auch eine therapeutische Methode, das Imagery Rescripting, bei dem belastende Erinnerungen in der Vorstellung umgeschrieben werden. Eine Auswertung von 19 Studien mit 363 Erwachsenen kam 2017 zu dem Schluss, dass diese Methode vielversprechend ist, auch wenn die meisten Studien klein waren.

Krafttierarbeit ist kein Imagery Rescripting, sie nutzt aber denselben Weg. Sie erreicht deine Gefühle über Bilder. Deshalb hilft ein Tier oft dann, wenn gute Vorsätze nichts mehr ausrichten.

Genauso wichtig wie das Bild ist, wer da spricht.

2. Das Tier verschafft dir Abstand zu deinem Problem

Wenn du dein Krafttier fragst, was es von deiner Lage hält, antwortest du dir selbst, aber aus einer anderen Position. Die Angst fühlt sich dann kleiner an, weil du sie von außen ansiehst.

Der Psychologe Ethan Kross hat diesen Effekt gemessen. In sieben Studien mit insgesamt 585 Menschen zeigte sich: Wer in einer stressigen Situation mit sich selbst in der dritten Person oder mit dem eigenen Namen spricht, gewinnt Abstand, grübelt weniger und erlebt die Aufgabe eher als Herausforderung statt als Bedrohung. Die narrative Therapie nach Michael White und David Epston arbeitet ähnlich. Sie trennt das Problem von der Person, damit man ihm gegenübertreten kann.

Das Krafttier ist eine sehr alte Form davon. Es steht außerhalb von dir und darf deshalb Dinge sagen, die du dir selbst nicht erlauben würdest. Studien speziell mit Tierfiguren gibt es dazu bisher nicht. Gut belegt ist aber, dass Selbstdistanz beim Umgang mit Stress hilft.

Manchmal reicht Abstand nicht. Dann hilft es, wenn jemand bei dir bleibt.

3. Du bekommst einen inneren Helfer, der bei dir bleibt

In der Traumatherapie ist die Arbeit mit inneren Helfern ein fester Baustein. Die Psychiaterin Luise Reddemann hat mit ihrer psychodynamisch imaginativen Traumatherapie (PITT) Übungen bekannt gemacht, in denen sich Menschen einen sicheren inneren Ort und hilfreiche Wesen vorstellen. Ein Tier ist dabei eine naheliegende Wahl.

Das Krafttier erfüllt genau diese Aufgabe. Es ist eine Figur, die auf deiner Seite steht, die dich kennt und die du in schwierigen Momenten rufen kannst. Ich erlebe in meiner Praxis immer wieder, dass Menschen in einer Krise nicht als Erstes eine Technik brauchen, sondern das Gefühl, nicht allein zu sein. Wie sehr dir das fehlt, merkst du oft erst, wenn dein Krafttier nicht mehr spürbar ist. Darüber habe ich in Krafttierverlust: Wenn dein Schutz fehlt geschrieben.

Ehrlicherweise: Wie stark gerade die Helferfigur für sich genommen wirkt, ist wissenschaftlich nicht getrennt untersucht. Sie ist Teil eines größeren therapeutischen Vorgehens. Und sie gehört bei schweren seelischen Verletzungen in die Hände von Fachleuten.

Schamanisch begegnest du deinem Helfer meist auf einer Reise mit der Trommel.

4. Die Trommel bringt dein Gehirn in einen anderen Zustand

Die klassische Begegnung mit dem Krafttier findet auf der schamanischen Reise statt, begleitet von einer gleichmäßigen Trommel. Was dabei im Kopf passiert, hat ein Forschungsteam um Michael Hove 2016 im Hirnscanner untersucht. Fünfzehn erfahrene schamanisch Praktizierende hörten Trommeln, einmal in Trance und einmal ohne.

In der Trance arbeiteten Hirnbereiche enger zusammen, die mit dem inneren Erleben zu tun haben, und die Hörzentren lösten sich ein Stück von der Außenwelt. Die Forschenden vermuten, dass man dadurch länger bei einem inneren Gedanken bleiben kann. Gemeinsames Trommeln in der Gruppe wurde außerdem 2016 in London mit Menschen in psychiatrischer Betreuung untersucht. Nach zehn Wochen hatten sich Depression und Angst in der Trommelgruppe gebessert, in der Vergleichsgruppe nicht, und drei Monate später hielt die Besserung noch an. Die Gruppen waren klein und nicht zufällig zusammengestellt.

Beide Studien sind klein, und die zweite untersucht Trommeln in der Gruppe, keine schamanische Reise. Sie zeigen aber, dass Trommeln mehr ist als Hintergrundmusik. Wenn du die Reise selbst ausprobieren möchtest, findest du hier eine Anleitung für Einsteiger.

Und warum ausgerechnet ein Tier und kein Engel oder weiser alter Mann?

5. Tiere beruhigen dein Nervensystem

Menschen reagieren auf Tiere mit dem Körper. Andrea Beetz, Kurt Kotrschal und Kolleginnen haben 2012 die Forschung zum Kontakt zwischen Mensch und Tier zusammengetragen. Gut belegt sind danach weniger Stress (gemessen an Cortisol, Herzschlag und Blutdruck), weniger Angst und eine bessere Stimmung. Als mögliche Erklärung nennen sie das Bindungshormon Oxytocin.

Wichtig: Diese Ergebnisse gelten für echte Tiere, für den Hund auf dem Schoß oder das Pferd auf der Weide. Ob ein vorgestelltes Tier ähnlich wirkt, hat noch niemand untersucht. Ich halte es für naheliegend, dass ein Teil davon mitschwingt, wenn du dir dein Tier lebendig vorstellst. Beweisen kann ich es nicht.

Das spricht dafür, auch dem echten Tier zu begegnen. Mein erstes Krafttier war das Reh. Wenn ich in den Hügeln hier in Portugal ein Reh zwischen den Bäumen sehe, ist die Verbindung sofort wieder da, auch ohne Trommel.

Es geht übrigens auch über den Körper.

6. Dein Körper lernt die Kraft des Tieres mit

In vielen schamanischen Traditionen wird das Krafttier getanzt. Du bewegst dich ein paar Minuten so, wie es sich bewegt: schwer und langsam wie ein Bär, wachsam wie ein Fuchs, weit wie ein Adler. Das sieht beim ersten Mal albern aus. Danach bist du meistens ruhiger und stehst aufrechter.

Aus dem NLP kenne ich denselben Zusammenhang: Wenn du deine Haltung, deinen Atem und dein Tempo änderst, ändert sich auch dein Zustand. Das Tier gibt dir dafür ein Bild, das du dir viel leichter merkst als eine Anweisung wie „Schultern runter, langsamer atmen“. Wenn du vor einem schwierigen Gespräch an deinen Bären denkst, weiß dein Körper sofort, was gemeint ist. Mehr Ideen dazu findest du in Dein Krafttier ehren: 6 Rituale für den Alltag.

Das alles wirkt aber nur, wenn du es regelmäßig tust.

7. Ein fester Rhythmus gibt dir Halt

Seelische Stabilität wächst selten in großen Momenten, sondern in kleinen Schritten, die du jeden Tag gehst. Ein kurzer Gruß an dein Krafttier am Morgen und eine Frage am Abend dauern nur ein paar Minuten. In dieser Zeit bist du bei dir, bevor der Tag losgeht.

Genau dafür habe ich meine App The Path of the Paws gebaut. Sie zeigt dir jeden Morgen ein Krafttier mit seiner Botschaft und gibt dir eine kleine Übung für den Tag. Außerdem findest du darin Meditationen, Trommelreisen und ein Journal. Du findest sie kostenlos für iPhone und Android, alle Infos stehen auf der Seite zur App.

Bildschirm der App The Path of the Paws mit dem Krafttier des Tages und seiner Botschaft
Dein Krafttier für heute in der App The Path of the Paws

Wenn du noch nicht weißt, welches Tier zu dir gehört, hilft dir der Krafttier-Finder weiter. Oder du ziehst im Krafttier-Orakel eine Karte und schaust, was heute für dich dabei ist.

Wo die Grenzen der Krafttierarbeit liegen

Es gibt keine große Studie, die Krafttierarbeit als Ganzes untersucht hat. Die Forschung, die ich hier zitiere, zeigt die einzelnen Mechanismen dahinter. Dass sie in der schamanischen Praxis zusammenwirken, ist meine Erfahrung aus über zehn Jahren und die Erfahrung vieler Traditionen. Ein Beweis im wissenschaftlichen Sinn ist es nicht.

Krafttierarbeit kann eine Therapie begleiten, sie ersetzt sie nicht. Wenn du gerade sehr instabil bist, Dinge wahrnimmst, die andere nicht wahrnehmen, oder dich beim Reisen leicht verlierst, dann reise bitte nicht allein, sondern mit erfahrener Begleitung oder gar nicht, bis es dir besser geht. Wenn du unsicher bist, sprich vorher mit deiner Therapeutin oder deinem Arzt.

Wenn du deinen Weg mit dem Krafttier nicht allein gehen möchtest, schauen wir in einer schamanischen Heilsitzung gemeinsam, was du gerade brauchst.

Häufige Fragen zu Krafttier und Psyche

Ist die Arbeit mit Krafttieren wissenschaftlich belegt?

Als Ganzes nicht. Gut belegt sind einzelne Bausteine: Vorstellungsbilder lösen stärkere Gefühle aus als Worte, Selbstdistanz senkt Stress, und Kontakt mit echten Tieren beruhigt. Zur schamanischen Reise gibt es erste kleine Studien. Die Krafttierarbeit verbindet diese Bausteine, untersucht ist diese Verbindung bisher nicht.

Muss ich an Geister glauben, damit mir mein Krafttier hilft?

Nein. Die psychologischen Wirkungen, also Bilder, Abstand und eine innere Helferfigur, entstehen auch dann, wenn du dein Tier als Teil deiner eigenen Psyche verstehst. Viele meiner Teilnehmerinnen beginnen genau so und merken mit der Zeit, wie sie es für sich selbst sehen.

Kann ein Krafttier bei Angst helfen?

Es kann dich unterstützen, vor allem in akuten Momenten. Wenn du dir dein Tier neben dir vorstellst, gewinnst du Abstand und fühlst dich weniger allein. Eine Angststörung gehört trotzdem in professionelle Behandlung. Das Krafttier ist dann eine Ergänzung, keine Alternative.

Was ist der Unterschied zwischen einem Krafttier und einer inneren Helferfigur in der Therapie?

Psychologisch sind sie sich sehr ähnlich. Der Unterschied liegt im Rahmen: Die Helferfigur in der Therapie ist Teil eines Behandlungsplans. Das Krafttier kommt aus einer spirituellen Tradition, in der es als eigenständiges Wesen gilt, mit dem du eine Beziehung pflegst.

Wie oft sollte ich mit meinem Krafttier arbeiten?

Lieber kurz und täglich als lang und selten. Eine Minute am Morgen reicht, um die Verbindung lebendig zu halten. Eine längere Reise einmal pro Woche vertieft sie.

Für wen ist die schamanische Reise nicht geeignet?

Wenn du gerade in einer akuten seelischen Krise bist, eine Psychose erlebt hast oder leicht dissoziierst, reise bitte nicht allein. Sprich vorher mit deiner Ärztin oder Therapeutin und lass dich von jemandem begleiten, der Erfahrung mit solchen Situationen hat.

Quellen

  • Holmes, E. A., Mathews, A., Mackintosh, B. & Dalgleish, T. (2008): The causal effect of mental imagery on emotion assessed using picture-word cues. Emotion, 8(3), 395 bis 409.
  • Morina, N., Lancee, J. & Arntz, A. (2017): Imagery rescripting as a clinical intervention for aversive memories: A meta-analysis. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry, 55, 6 bis 15.
  • Kross, E. u. a. (2014): Self-talk as a regulatory mechanism: How you do it matters. Journal of Personality and Social Psychology, 106(2), 304 bis 324.
  • White, M. & Epston, D. (1990): Narrative Means to Therapeutic Ends. New York: W. W. Norton.
  • Hove, M. J. u. a. (2016): Brain network reconfiguration and perceptual decoupling during an absorptive state of consciousness. Cerebral Cortex, 26(7), 3116 bis 3124.
  • Fancourt, D. u. a. (2016): Effects of group drumming interventions on anxiety, depression, social resilience and inflammatory immune response among mental health service users. PLOS ONE, 11(3), e0151136.
  • Beetz, A., Uvnäs-Moberg, K., Julius, H. & Kotrschal, K. (2012): Psychosocial and psychophysiological effects of human-animal interactions: the possible role of oxytocin. Frontiers in Psychology, 3, 234.

Diese Inhalte dienen der persönlichen Entwicklung und ersetzen keine Psychotherapie und keine ärztliche Behandlung. Wenn du dich in einer seelischen Krise befindest, wende dich bitte an eine Ärztin, eine Therapeutin oder eine Beratungsstelle.

Wann hat dir dein Krafttier zuletzt geholfen, und wie hat sich das angefühlt? Schreib es mir in die Kommentare, ich lese jede Zeile.

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