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Strukturmodelle der Veränderung im NLP

Die Strukturmodelle der Veränderung beschreiben im NLP zwei grundsätzlich verschiedene Wege, wie ein Problem gelöst werden kann: „gegenwärtiger Zustand plus Ressourcen ergibt den erwünschten Zustand“ und „teile, verändere, vereine“. Das erste Modell fügt etwas Fehlendes hinzu. Das zweite zerlegt ein System in seine Anteile, arbeitet mit ihnen und fügt sie neu zusammen.

Die Unterscheidung entspricht dem, was Paul Watzlawick, John Weakland und Richard Fisch in Change (deutsch: Lösungen, 1974) als Veränderung erster und zweiter Ordnung beschrieben haben: Veränderung innerhalb eines Systems gegenüber Veränderung des Systems selbst.

Was unterscheidet die beiden Strukturmodelle?

Das erste Modell setzt an einem klar umrissenen Problem an und fügt eine fehlende Ressource hinzu. Das zweite setzt dort an, wo das Problem selbst unklar ist oder mehrere innere Anteile sich widersprechen – hier reicht Hinzufügen nicht, die Struktur muss sich ändern.

Zustand plus RessourcenTeile, verändere, vereine
Ordnung der Veränderungerster Ordnungzweiter Ordnung
Art des Problemsklar umrissen, gut beschreibbarunstrukturiert, widersprüchlich
Anzahl möglicher Lösungenbegrenztviele; das Problem zeigt die Lösung nicht an
Was passiertetwas Fehlendes kommt hinzudas Muster selbst wird umgebaut
Typisches Anliegen„Ich will vor Publikum ruhiger sein.“„Ein Teil von mir will kündigen, ein anderer bleiben.“
Passende FormateAnkertechniken, Moment of Excellence, New Behavior GeneratorSix-Step-Reframing, Visual Squash, Teilearbeit
Ergebniseine andere Reaktioneine größere Fähigkeit zur Veränderung

Wie funktioniert das Modell „Zustand plus Ressourcen“?

Dieses Modell arbeitet mit drei Größen: dem gegenwärtigen Zustand, dem erwünschten Zustand und der Ressource, die den Abstand zwischen beiden überbrückt. Der Ablauf in der Praxis:

  1. Gegenwärtigen Zustand beschreiben – konkret und sinnesspezifisch: Was genau passiert, wann, woran merkst du es?
  2. Erwünschten Zustand formulieren – positiv, selbst erreichbar, überprüfbar (siehe Wohlgeformtheitskriterien).
  3. Fehlende Ressource bestimmen – eine Fähigkeit, ein Zustand, eine Information oder eine Erlaubnis.
  4. Ressource zugänglich machen – meist aus einer eigenen Erinnerung, in der sie schon einmal da war.
  5. Ökologie prüfen und in die Zukunft testen – siehe Ökologie und Future Pace.

Das SCORE-Modell ist die ausführlichste Variante dieser Logik: Es ergänzt Symptom, Ursache, Ergebnis, Wirkung und Ressourcen zu einer vollständigen Landkarte.

Wann reicht das erste Modell nicht mehr aus?

Sobald die Ressource zwar bekannt ist, aber nicht abrufbar bleibt, ist meist ein innerer Widerspruch im Spiel – und dann greift das Modell „teile, verändere, vereine“. Typische Signale dafür:

  • Die Person sagt „einerseits … andererseits“ oder „ein Teil von mir …“.
  • Der Vorsatz hält bis zum nächsten Ernstfall – und kippt dann zuverlässig zurück.
  • Das Ziel ist erreicht, aber es fühlt sich falsch an.
  • Jede Lösung erzeugt an anderer Stelle ein neues Problem.

Der Ablauf des zweiten Modells folgt seinem Namen: Teile – die beteiligten Anteile werden getrennt und einzeln gehört. Verändere – jeder Anteil bekommt Zugang zu neuen Möglichkeiten, seine positive Absicht bleibt dabei erhalten. Vereine – die veränderten Anteile werden zu einem handlungsfähigen Ganzen integriert. Weil dabei nicht nur ein Verhalten, sondern die Art des Umgangs mit dem Konflikt lernbar wird, spricht man von Lernen auf mehreren Ebenen (siehe Lernebenen und Logische Ebenen).

Aus der Praxis: Der häufigste Fehler ist die falsche Wahl

In Ausbildungsgruppen sehe ich regelmäßig, wie ein sauber gebautes Ressourcenformat wirkungslos verpufft – nicht weil es schlecht gemacht war, sondern weil es das falsche Modell für das Anliegen war. Wer einen inneren Konflikt mit einem zusätzlichen Anker bearbeitet, verstärkt nur eine Seite. Der andere Anteil meldet sich spätestens beim nächsten Mal, oft lauter als vorher.

Deshalb stelle ich vor jedem Format eine einzige Frage: „Gibt es in dir etwas, das dagegen ist?“ Kommt ein klares Nein, arbeite ich mit Ressourcen. Kommt ein Zögern, eine Pause oder ein „jein“, wechsle ich sofort in die Teilearbeit. Diese eine Frage hat mir mehr misslungene Interventionen erspart als jede Verfeinerung der Technik.

Wo liegen die Grenzen der Strukturmodelle?

  • Es sind Landkarten, keine Diagnosen. Die Einteilung in „erste“ und „zweite Ordnung“ ordnet das Vorgehen, sie beschreibt keinen Zustand des Gehirns.
  • Die Grenze ist unscharf. Viele Anliegen beginnen als Ressourcenthema und entpuppen sich unterwegs als Konflikt – das Modell zu wechseln ist normal, kein Fehler.
  • Nicht jedes Problem ist ein inneres Problem. Wenn Rahmenbedingungen die Ursache sind – Überlastung, Konflikt im Team, finanzielle Not – ist Veränderungsarbeit am Erleben die falsche Adresse.
  • Bei Trauma, Depression oder Angststörungen gehört die Arbeit in therapeutische Hände, nicht in ein Coachingformat.

Wenn du erleben willst, wie sich die beiden Modelle in der Praxis anfühlen, ist der NLP Game Changer Day ein guter Einstieg – dort arbeiten wir genau an dieser Unterscheidung. Einen Überblick über alle Grundbegriffe findest du in der NLP-Enzyklopädie.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und Weiterbildung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Häufige Fragen zu den Strukturmodellen der Veränderung

Was sind die Strukturmodelle der Veränderung im NLP?

Es sind zwei Grundmuster dafür, wie Veränderung im NLP organisiert wird. Das erste lautet „gegenwärtiger Zustand plus Ressourcen ergibt den erwünschten Zustand“ und fügt etwas Fehlendes hinzu. Das zweite lautet „teile, verändere, vereine“ und baut die Struktur widersprüchlicher innerer Anteile um.

Was ist der Unterschied zwischen Veränderung erster und zweiter Ordnung?

Veränderung erster Ordnung findet innerhalb eines Systems statt: Die Spielregeln bleiben gleich, das Verhalten ändert sich. Veränderung zweiter Ordnung verändert das System selbst, also die Regeln, nach denen das Problem überhaupt entsteht. Die Unterscheidung geht auf Watzlawick, Weakland und Fisch (1974) zurück.

Woran erkenne ich, welches Modell ich brauche?

Stelle die Frage: „Gibt es in mir etwas, das gegen diese Veränderung ist?“ Ein klares Nein spricht für das Ressourcenmodell. Zögern, Ambivalenz oder ein „jein“ spricht für Teilearbeit. Ein zweites Signal ist der Rückfall: Wenn ein Vorsatz zuverlässig im Ernstfall kippt, liegt meist ein Konflikt und kein Ressourcenmangel vor.

Welche NLP-Formate gehören zu welchem Modell?

Zum Ressourcenmodell gehören Ankertechniken, Moment of Excellence, New Behavior Generator und das SCORE-Modell. Zum Modell „teile, verändere, vereine“ gehören Six-Step-Reframing, Visual Squash, Teile-Verhandeln und die Parts Party. Die Zuordnung ist keine starre Regel, sondern ein Auswahlhinweis.

Kann man beide Modelle in einer Sitzung kombinieren?

Ja, und das ist in der Praxis eher die Regel als die Ausnahme. Häufig wird zuerst der innere Konflikt geklärt und anschließend die fehlende Ressource verankert. Wichtig ist die Reihenfolge: Solange ein Anteil dagegen ist, hält keine Ressource.

Warum hält eine Veränderung manchmal nicht an?

Die häufigsten Gründe sind ein übersehener innerer Widerspruch, eine fehlende Ökologieprüfung und ein Ziel, das gar nicht selbst erreichbar ist. Ein vierter Grund wird oft übersehen: Manche Probleme liegen nicht im Erleben, sondern in den äußeren Umständen – die ändert kein Format.

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