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Das Wertequadrat

wertequadrat

Lebe in Balance mit Deinen Werten.

In vorigen Artikeln habe ich Dir aufgezeigt, wie Du eine Wertehierarchie erstellen und Wertekonflikte auflösen kannst. In diesem Beitrag geht es darum, wie Du in Balance mit Deinen Werten leben kannst.

Es gibt ein „zu viel des Guten“ – auch in Hinblick auf das Leben eines Wertes. Es geht darum, ein gutes Gleichgewicht zu finden. Jenseits dieser Balance wird ein Wert toxisch, während unterhalb dieses Gleichgewichts ein Mangel entsteht. Das Wertequadrat habe ich im Rahmen meiner NLP-Ausbildung kennengelernt. Es hilft Dir dabei, Dir eine gute Balance für Deine Werte zu erschließen und eine Richtung für Deine Entwicklungsmöglichkeiten zu identifizieren.

Kurze Wiederholung: Was sind Werte?

Werte sind z. B. Empathie, Sparsamkeit, Wachstum, Großzügigkeit, Verschwendung, Selbstliebe, Liebe, Frieden, Geiz … diese Begriffe sind Nominalisierungen – unbestimmte Hauptworte. Jeder definiert den Inhalt dieser Worte für sich und gibt ihnen eine andere Bedeutung. Werte sind übergeordnete Maßstäbe und Vorstellungen über das, was wir in unserem Leben als wünschenswert erachten. Werte sind wie Fixsterne, weil sie uns leiten und wir unser Leben an ihnen ausrichten.

Ziele des Werte- und Entwicklungsquadrates

Das Ziel des Werte- und Entwicklungsquadrat ist es, für jede Tugend (z. B. Freiheit) die Gegenqualität („Schwester Tugend“) zu finden (hier z. B. Struktur und Verlässlichkeit). Aus dem Wertequadrat ergibt sich ein Gewinn für die zwischenmenschliche Kommunikation und persönliche Entwicklung.

Beziehungen im Wertequadrat

Die Struktur des Wertequadrates geht auf Aristoteles zurück, wurde von Nicolai Hartmann weiterentwickelt und schließlich für die Psychologie genutzt von Paul Helwig.

Die Grundannahme ist, dass jeder Wert eine Gegenqualität (Schwesterwert) braucht und wir am besten zu einer förderlichen Entwicklung kommen, wenn sich ein Wert, durch die ausgehaltene Spannung zu seinem Schwesterwert, im Gleichgewicht befindet. Gerade diese Spannung verhindert die entwertende Übertreibung in einen Unwert / Untugend. So bedarf es neben der Sparsamkeit auch Großzügigkeit, um nicht zum Geizhals zu werden. Und umgekehrt bewahrt die Balance der Sparsamkeit den Großzügigen vor Verschwendung.

  • Die obere Linie veranschaulicht den komplementären Gegensatz zwischen den Gegenqualitäten, das positive Spannungsverhältnis.
  • Die senkrechten Linien zeigen die entwertenden Übertreibungen.
  • Die diagonalen Linien stellen die Gegensätze zwischen einem Wert und der Übertreibung des Schwesterwertes dar. Sie zeigen die Entwicklungslinien oder umgekehrt die Linien der gegenseitigen Abwertung.
  • Die untere waagerechte Linie stellt den Pfad dar, den wir gehen, wenn wir einer Übertreibung entfliehen wollen und die positive Spannung im oberen Bereich nicht aushalten.
Die Grafik zeigt ein Beispiel für die Beziehungen des Wertes „Freiheit“ und seiner Gegenqualität „Struktur“ im Modell des Wertequadrats.

Beispiel eines Wertequadrates

Die Grafik zeigt ein Beispiel für die Beziehungen des Wertes Freiheit und seiner Gegenqualität im Modell des Wertequadrats.

  • Wert – Freiheit
  • Gegenqualität – Struktur
  • Übertreibung Wert – Chaos
  • Übertreibung Gegenqualität – Stagnation

Erst das Leitprinzip und sein Schwesterwert gemeinsam lassen „den Regenbogen aufgehen“. Menschliche Entwicklung würde durch die Integration und Anerkennung der Gegensätze möglich. Im Spannungsverhältnis zu der Gegenqualität eines Wertes kann etwas Neues entstehen. Dies bezeichnet man auch als „Regenbogen-Qualität“. Ein Regenbogen entsteht, wenn die scheinbaren Gegensätze Regen und Sonne in einer bestimmten Konstellation zueinander finden und etwas Besonderes, Neues entsteht. Freiheit ohne Struktur könne im Chaos enden, Struktur ohne Freiheit in der Stagnation.

Wenn Du die Balance zweier gegensätzlicher Leitprinzipien findest, kannst Du ebenfalls die bevorstehende Entwicklungsrichtung auffinden: Der eine neigt zur Verabsolutierung der Freiheit und muss sich Struktur erschließen; der andere übertreibe genau diese Qualität und solle lernen, sich Freiheit zu erschließen. Wenn wir die Gegenqualität eines Wertes nicht anerkennen, neigen wir dazu, etwas zu verabsolutieren und ein Wert kann sich durch die eigene Übertreibung entwerten.

Anwendung des Wertequadrats in Konflikten

Das Wertequadrat ist ein praktisches Tool zum Führen von Konfliktgesprächen. Welche Qualität, Tugend oder Eigenschaft stört Dich an einer anderen Person? Z. B. der verschwenderische Umgang mit Geld oder die chaotische Arbeitsweise.

Wenn zwei Personen komplementäre Werte vertreten, sehen sie im anderen oft nicht nur den Vertreter des für sie als beunruhigend erlebten Gegenwertes, sondern auch den des „Bösen“ und damit die Übertreibung der Gegenqualität. Daher sagte Schulz von Thun auch: „Typisch für die menschliche Kommunikation im Konfliktfall ist, dass jeder Kontrahent sich in seinem Wertehimmel sonnt und den anderen im Keller der Entartung verortet.

Die Wahrheit ist doch: Die Schwestertugend ist eine förderliche Ergänzung zum eigenen Wert, den es anzuerkennen und Neugier auf ihn zu entwickeln gilt. In aller Regel rückt dann der Andere auch wieder vom Unwert auf den Platz des Schwesterwertes zurück. Das Wertequadrat zeigt, welche Schwestertugenden wir stärken und entwickeln können. Im Fall oben sind es Sparsamkeit und Strukturiertheit. Damit können wir im Konfliktgespräch eine konkrete Entwicklungsrichtung aufzeigen.

Entwicklungsgedanken

Ähnlich dem Yin-Yang Prinzip ist an das Wertequadrat die Ansicht geknüpft, dass jeder Mensch mit einer bestimmten Eigenschaft auch über den schlafenden Gegenpol verfügt, den er in sich wecken und zur Entfaltung bringen kann.

Gelegentlich entwickeln sich Menschen, z. B. aus Ablehnung des Schwesterwertes, in die entwertende Übertreibung eines Wertes. Dann gilt es den abgelehnten Schwersternwert zu entdecken, zu schätzen und zu entwickeln. Dann müssen wir auch nicht in die entwertende Übertreibung eines Wertes gehen, um Nutzen aus dem Wertequadrat zu ziehen. Idealerweise entwickeln wir neben einem uns wichtigen Wert nach Möglichkeit auch dessen Schwertugend.

Video: Das Wertequadrat nach Schulz von Thun

Friedemann Schulz von Thun hat das Wertequadrat 1989 für die Verbesserung der zwischenmenschlichen Kommunikation entwickelt.

Literatur

  • Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden 2. Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung. Reinbek bei Hamburg 1989
  • Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden: Fragen und Antworten. Reinbek bei Hamburg 2007, S. 49–76, ISBN 978-3-499-61963-2.
  • Jutta Herder, Kirsten Wallmichrath: Weg vom Schwarz-Weiß-Denken – SIG Combibloc und meta | five entwickeln ein 360° Feedback basierend auf dem Wertequadrat-Ansatz; Artikel in personalmagazin MANAGEMENT, RECHT UND ORGANISATION, November 2010, 12/2010, Seite 38–40

Wertearbeit im NLP-Coaching

Ich unterstütze Dich im NLP Coaching dabei, Deine Balance in Hinblick auf das Leben Deiner Werte wiederzufinden. Dieser Prozess ist für Coachees oft augenöffnend, denn durch die Wertearbeit ergeben sich in vielen Fällen direkte Handlungsstrategien oder veränderte Verhaltensweisen.

Lust auf mehr NLP? Den leichtesten Einstieg, um NLP online zu lernen, bieten Dir meine Online-Übungsabende, die einmal im Monat stattfinden. Auf den Übungsabenden lernst Du wie in einem Seminar jeden Monat neue NLP Interventionen und Du kannst Dich mit anderen Menschen über Deine persönlichen Erfahrungen austauschen. Zudem hast Du die Möglichkeit, an Deinen persönlichen Themen zu arbeiten.

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