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Die Jahreskreisfeste im Überblick: Alle 8 Feste

Es gibt Tage im Jahr, an denen sich etwas verschiebt. Das Licht wird anders, die Luft riecht anders, und irgendetwas in dir weiß: Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt. Genau diese Momente haben unsere Vorfahren gefeiert.

Die Jahreskreisfeste sind acht Feste, die den natürlichen Lauf des Jahres markieren – die vier Sonnenfeste (Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen) und die vier dazwischenliegenden keltischen Feste. Zusammen bilden sie das Rad des Jahres: einen Kreislauf aus Säen, Wachsen, Ernten und Loslassen, der sich in der Natur genauso zeigt wie in deinem eigenen Leben.

Ich arbeite seit Jahren mit diesem Rhythmus – in schamanischen Abenden, in Ritualen, in meinem eigenen Alltag. Und ich merke immer wieder: Wer sich am Jahreskreis orientiert, hört auf, sich für seine Phasen zu schämen. Es gibt eben Zeiten der Fülle. Und es gibt Zeiten, in denen alles ruht. Beides gehört dazu.

Was sind die Jahreskreisfeste?

Die Jahreskreisfeste sind acht Stationen im Jahresverlauf, die etwa alle sechs bis sieben Wochen aufeinanderfolgen. Vier davon sind astronomisch festgelegt: die Wintersonnenwende, die Frühlings-Tagundnachtgleiche, die Sommersonnenwende und die Herbst-Tagundnachtgleiche. Die anderen vier liegen jeweils genau dazwischen und stammen aus der keltischen Tradition: Imbolc, Beltane, Lughnasadh und Samhain.

Der Begriff „Rad des Jahres“ (englisch Wheel of the Year) wurde in seiner heutigen Form Mitte des 20. Jahrhunderts geprägt. Die einzelnen Feste selbst sind deutlich älter und speisen sich aus keltischen, germanischen und bäuerlichen Traditionen. Was wir heute feiern, ist also weniger eine ungebrochene alte Überlieferung als eine lebendige Wiederaneignung – und das darf man ruhig ehrlich so sagen.

Die 8 Jahreskreisfeste im Überblick

Diese Tabelle gibt dir die schnelle Orientierung. Die Daten der Sonnenfeste verschieben sich je nach Jahr um ein bis zwei Tage.

FestDatumThemaFrage an dich
Samhain31. Oktober / 1. NovemberAhnen, Loslassen, JahresendeWas darf gehen?
Wintersonnenwende (Jul)21. DezemberDunkelheit, Rückkehr des LichtsWas will neu beginnen?
Imbolc1./2. FebruarErste Regung, ReinigungWas keimt schon leise?
Frühlings-Tagundnachtgleiche (Ostara)20./21. MärzGleichgewicht, AufbruchWo brauche ich Balance?
Beltane30. April / 1. MaiLebenskraft, Sinnlichkeit, VerbindungWofür brenne ich?
Sommersonnenwende (Litha)21. JuniHöhepunkt, volle KraftWas ist jetzt reif?
Lughnasadh (Lammas)1. AugustErste Ernte, DankbarkeitWofür bin ich dankbar?
Herbst-Tagundnachtgleiche (Mabon)22./23. SeptemberErnte, Bilanz, InnenkehrWas nehme ich mit?

Die vier Sonnenfeste: Wintersonnenwende, Ostara, Litha, Mabon

Die Sonnenfeste richten sich nach dem Stand der Sonne. Sie sind die Eckpunkte des Rads – zweimal Extrem, zweimal Gleichgewicht.

  • Wintersonnenwende (21. Dezember): Die längste Nacht. Danach werden die Tage wieder länger. Es ist das Fest der Hoffnung im Dunkeln – und der Beginn der Rauhnächte.
  • Frühlings-Tagundnachtgleiche (20./21. März): Tag und Nacht sind gleich lang. Ein guter Moment, um zu prüfen, wo dein Leben aus der Balance geraten ist.
  • Sommersonnenwende (21. Juni): Der längste Tag, die volle Kraft. Und gleichzeitig der Wendepunkt – ab hier nimmt das Licht wieder ab. Fülle und Vergänglichkeit in einem.
  • Herbst-Tagundnachtgleiche (22./23. September): Erntedank im tieferen Sinn. Was hat sich gelohnt? Was nicht? Zeit für eine ehrliche Bilanz ohne Selbstverurteilung.

Die vier keltischen Feste: Samhain, Imbolc, Beltane, Lughnasadh

Diese vier Feste liegen jeweils zwischen den Sonnenfesten. Sie sind erdiger, körperlicher, näher am bäuerlichen Leben – und im schamanischen Arbeiten oft die kraftvollsten.

  • Samhain (31. Oktober): Das keltische Neujahr. Der Schleier zwischen den Welten gilt als dünn – eine Zeit für Ahnenarbeit, Erinnerung und bewusstes Loslassen.
  • Imbolc (1./2. Februar): Noch ist Winter, aber unter der Erde regt sich etwas. Das Fest der Göttin Brigid, der Reinigung und der ersten zarten Ideen.
  • Beltane (30. April / 1. Mai): Die Walpurgisnacht. Feuer, Lebensfreude, Sinnlichkeit, Verbindung. Das ungezähmteste Fest im Rad.
  • Lughnasadh (1. August): Die erste Ernte. Ein Fest der Dankbarkeit – für das, was gewachsen ist, und für die Arbeit, die dahintersteckte.

Warum lohnt es sich, den Jahreskreis zu feiern?

Weil er dich aus dem linearen Denken holt. Unser Alltag kennt nur eine Richtung: mehr, weiter, schneller. Der Jahreskreis kennt Kreise. Er sagt dir: Nach jeder Ernte kommt eine Brache. Nach jeder Dunkelheit kommt Licht.

Ich erinnere mich an einen November, in dem gar nichts vorwärtsging. Keine Ideen, keine Energie, nur Nebel. Früher hätte ich mich dafür fertiggemacht. Damals bin ich stattdessen rausgegangen, habe ein Feuer gemacht und einen Zettel verbrannt mit dem, was ich nicht mehr tragen wollte. Es hat nichts an meiner Erschöpfung geändert – aber es hat sie in einen Zusammenhang gestellt. Ich war nicht kaputt. Ich war im November.

Wie feierst du die Jahreskreisfeste im Alltag?

Du brauchst dafür keinen Altar und keine Gruppe. Es reicht, wenn du dir an jedem der acht Termine eine halbe Stunde nimmst. Diese vier Schritte funktionieren bei jedem Fest:

  1. Rausgehen. Zehn Minuten in die Natur, ohne Handy. Schau, was die Jahreszeit gerade tut.
  2. Eine Kerze anzünden und die Frage aus der Tabelle oben laut stellen.
  3. Aufschreiben, was kommt – ungefiltert, drei bis fünf Minuten.
  4. Eine kleine Geste setzen: etwas verbrennen, etwas säen, etwas verschenken, etwas essen, das zur Jahreszeit passt.

Wenn du tiefer einsteigen willst und den Jahreskreis nicht nur denken, sondern körperlich erleben möchtest: In meinem Retreat Alma in Portugal arbeiten wir genau mit diesem Rhythmus – mit Ritual, Trommel, Feuer und viel Zeit draußen. Wenn du lieber einzeln arbeitest, findest du hier meine schamanischen Heilsitzungen.

Häufige Fragen zu den Jahreskreisfesten

Wie viele Jahreskreisfeste gibt es?

Acht. Vier Sonnenfeste (zwei Sonnenwenden, zwei Tagundnachtgleichen) und vier keltische Feste dazwischen: Samhain, Imbolc, Beltane und Lughnasadh.

Wann beginnt der Jahreskreis?

In der keltischen Tradition beginnt das Jahr an Samhain, also am 31. Oktober – mit der dunklen Hälfte. Das Neue entsteht im Dunkeln, nicht im Licht. Andere Zählungen setzen den Beginn auf die Wintersonnenwende.

Sind die Jahreskreisfeste eine Religion?

Nein. Sie sind ein Naturrhythmus, kein Glaubenssystem. Du kannst sie feiern, egal ob du religiös bist, spirituell oder schlicht neugierig. Einzelne Strömungen wie Wicca haben sie in ihre Praxis eingebunden – nötig ist das nicht.

Was ist der Unterschied zwischen Jahreskreisfesten und Rauhnächten?

Die Jahreskreisfeste sind acht einzelne Tage über das Jahr verteilt. Die Rauhnächte sind ein zusammenhängender Zeitraum von zwölf Nächten rund um die Wintersonnenwende und den Jahreswechsel – eine Art vertiefte Winterphase innerhalb des Rads.

Muss ich alle acht Feste feiern?

Nein. Fang mit einem an – am besten mit dem, das als nächstes kommt. Ein Fest, das du wirklich begehst, bringt dir mehr als acht, die du dir vornimmst und dann vergisst.

Kann Ritualarbeit eine Therapie ersetzen?

Nein. Rituale können ordnen, trösten und Kraft geben. Sie ersetzen aber keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Wenn du in einer akuten Krise steckst oder unter anhaltenden Beschwerden leidest, hol dir bitte zusätzlich professionelle Unterstützung.

Fang beim nächsten Fest an

Du musst das Rad nicht verstehen, um dich hineinzustellen. Schau, welches Fest als nächstes kommt, trag es dir ein und geh an dem Tag raus. Der Rest ergibt sich.

Welches Jahreskreisfest berührt dich am meisten – und warum? Schreib es mir gern in die Kommentare.

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