Ho’oponopono ist eine hawaiianische Praxis, in der du etwas wieder in Ordnung bringst, indem du bei dir anfängst. In der bekannten Kurzform besteht sie aus vier Sätzen: Es tut mir leid. Bitte vergib mir. Ich danke dir. Ich liebe dich. Du sprichst sie nicht zu der anderen Person, sondern innerlich, zu dem Anteil in dir, der an der Situation beteiligt ist.
In dieser Podcast-Folge gehe ich durch die Praxis und erzähle, wie sie bei mir angekommen ist. Wenn du danach mit der Meditation arbeiten möchtest, kannst du sie hier herunterladen.
Was das Wort bedeutet
Pono heißt im Hawaiianischen richtig, stimmig, im Gleichgewicht. Ponopono ist die Verdopplung davon, also in Ordnung bringen. Das vorangestellte ho’o macht daraus eine Handlung. Ho’oponopono heißt sinngemäß: etwas wieder gerade rücken.
Das ist wichtig, weil es den Ton der Praxis vorgibt. Es geht nicht um Schuld und nicht um Buße. Es geht darum, dass etwas schief liegt und wieder ausgerichtet wird.
Die vier Sätze
Manche sprechen die Sätze in einer anderen Reihenfolge. Mir ist wichtiger, was in jedem Satz steckt.
- „Es tut mir leid“: Hier erkennst du an, dass du Teil dessen bist, was gerade passiert. Nicht als Schuldeingeständnis, sondern als Feststellung, dass du in der Situation vorkommst.
- „Bitte vergib mir“: Gemeint ist alles, was du mitbringst und was auf die Situation wirkt. Alte Verletzungen, Erwartungen, Urteile, die schon da waren, bevor der andere etwas gesagt hat.
- „Ich danke dir“: Dank an die Situation selbst, weil sie etwas sichtbar gemacht hat. Das ist der Satz, der den meisten Menschen am schwersten fällt, und meistens der wirksamste.
- „Ich liebe dich“: Damit bringst du etwas anderes in die Sache, als gerade darin steckt. Nicht als Behauptung, dass alles gut sei, sondern als Richtungswechsel.
Woher die Praxis kommt
Ursprünglich war Ho’oponopono kein Selbsthilfe-Ritual, sondern eine Angelegenheit der Familie. Wenn es Streit gab oder jemand krank wurde, kam die Gruppe zusammen, geleitet von einer Älteren oder von jemandem mit geistlicher Aufgabe. Es wurde gebetet, dann sprach jemand offen aus, was vorgefallen war, danach wurde um Vergebung gebeten, und am Ende ließ die Familie die Sache los. Beschrieben ist das unter anderem in dem Standardwerk „Nana i ke Kumu“ von Mary Kawena Pukui, das 1972 erschien.
Die Fassung, die du heute überall findest, geht auf Morrnah Simeona zurück. Sie hat die Praxis in den 1970er und 1980er Jahren so umgebaut, dass eine Person sie allein anwenden kann, ohne dass die anderen Beteiligten anwesend sein müssen. 1983 wurde sie dafür in Hawaii als Living Treasure geehrt. Ihr Schüler Ihaleakala Hew Len hat die Praxis später weiter verbreitet.
An dieser Stelle noch ein ehrlicher Hinweis, weil die Geschichte oft erzählt wird: Es heißt, Hew Len habe als Psychologe eine ganze Station mit schwer kranken Straftätern geheilt, allein dadurch, dass er ihre Akten gelesen und die vier Sätze gesprochen habe. Diese Geschichte stammt aus einem Buch von 2007 und lässt sich nicht belegen. Sie ist eine schöne Geschichte. Ein Nachweis ist sie nicht, und die Praxis braucht sie auch nicht.
Der häufigste Denkfehler
Viele stolpern über den Satz, man trage die volle Verantwortung für alles, was man erlebt. Das wird oft als Schuld gelesen. Dann kommen Leute in die Sitzung und sagen, sie seien selbst schuld an dem, was ihnen angetan wurde.
So ist es nicht gemeint, und ich möchte das deutlich sagen: Wer dir Gewalt angetan hat, hat das getan, und du warst nicht dafür verantwortlich. Was in der Praxis gemeint ist, ist kleiner und praktischer. Es geht um deinen Anteil an dem, was du heute daraus machst. Um die Wut, die du mitschleppst. Um das Urteil, das du über dich gefällt hast. Das gehört dir, und nur das kannst du bearbeiten.
Wie du es im Alltag machst
- Nimm eine konkrete Sache. Nicht die Welt, nicht deine Kindheit. Ein Gespräch, ein Mensch, ein Gefühl von gestern.
- Spür nach, wo es sitzt. Kehle, Brust, Bauch. Die Praxis wirkt besser, wenn du nicht nur denkst, sondern spürst.
- Sprich die vier Sätze innerlich. Langsam. Nicht als Formel abspulen, sondern jeden Satz einzeln, mit einer kurzen Pause dazwischen.
- Wiederhole, solange es sich verändert. Manchmal sind es drei Durchgänge, manchmal zwanzig. Hör auf, wenn nichts mehr passiert.
- Erwarte nichts Großes. Meistens wird es einfach ein bisschen weniger eng. Das ist genug für einen Durchgang.
Häufige Fragen zu Ho’oponopono
Muss ich an etwas glauben, damit es wirkt?
Nein. Du kannst die vier Sätze als spirituelle Praxis nehmen oder als eine Art Selbstgespräch, das eine festgefahrene Haltung löst. Beides funktioniert. Was nicht funktioniert, ist das Abspulen ohne Aufmerksamkeit.
Zu wem spreche ich die Sätze?
In der modernen Form nach innen. Manche richten sie an das Göttliche, manche an den eigenen inneren Anteil, der noch verletzt ist. Die andere Person muss davon nichts erfahren. Ein Gespräch mit ihr ersetzt die Praxis trotzdem nicht, und die Praxis ersetzt kein Gespräch.
Ist das nicht Kulturaneignung?
Eine berechtigte Frage. Die Fassung, die außerhalb Hawaiis verbreitet ist, wurde von einer Hawaiianerin selbst entwickelt und weitergegeben. Wichtig ist mir trotzdem: Ich sage dazu, woher sie kommt, ich gebe sie nicht als eigene Erfindung aus, und ich benenne den Unterschied zwischen der Familienpraxis und der Kurzform. Genau deshalb steht der Abschnitt zur Herkunft in diesem Text.
Wie oft soll ich das machen?
Viele nehmen es als kurze Praxis am Abend, andere immer dann, wenn etwas hochkommt. Ich halte das Zweite für nützlicher. Die Sätze wirken am besten in dem Moment, in dem es gerade eng wird, nicht drei Tage später.
Ein letzter Gedanke
Ich hoffe, diese Praxis öffnet dein Herz so, wie sie meines geöffnet hat. Viel mehr braucht es nicht: vier Sätze, eine konkrete Sache und ein paar Minuten, in denen du nichts anderes tust.
Wenn du geführt arbeiten möchtest, findest du die Meditation hier. Und wenn dich der Hintergrund interessiert, aus dem diese Praxis kommt, schau dir die sieben Prinzipien des Huna an.

