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Kann jeder Schamanismus lernen?

Schamanismus lernen heißt: eine uralte Praxis erlernen, mit der Menschen über einen bewusst veränderten Bewusstseinszustand Kontakt zu einer geistigen Wirklichkeit aufnehmen, um Antworten, Kraft und Heilung zu holen. Und ja, im Grundsatz kann das jeder Mensch lernen. Die Fähigkeit, in Trance zu gehen, ist kein Geschenk für Auserwählte, sondern eine menschliche Grundausstattung. Was nicht jeder mitbringt, ist die Bereitschaft, den Preis dafür zu zahlen.

Diese Frage bekomme ich oft gestellt, meistens vorsichtig und mit einem halben Satz Entschuldigung davor. „Ich bin ja eigentlich total kopfgesteuert.“ Oder: „Ich glaube, ich habe da kein Talent für.“ Die Wahrheit ist unspektakulärer, als die meisten hoffen. Und ehrlicher.

Kann wirklich jeder Schamanismus lernen?

Ja. Jeder gesunde Mensch kann die schamanische Reise erlernen. Michael Harner, der Anthropologe, der die Grundtechnik in den 1980er Jahren für den Westen zugänglich gemacht hat, hat über Jahrzehnte hinweg beobachtet, dass die große Mehrheit seiner Kursteilnehmer beim ersten Trommeln etwas erlebt. Nicht immer viel. Aber etwas.

Der Grund ist einfach: Trance ist nichts Exotisches. Du kennst sie schon. Wenn du beim Autofahren plötzlich merkst, dass du die letzten zehn Kilometer nicht bewusst erlebt hast. Wenn du dich in einem Buch verlierst und die Zeit weg ist. Das ist derselbe Mechanismus, nur ungerichtet. Im Schamanismus wird er mit einem Rhythmus, einer klaren Absicht und einem geschützten Rahmen in eine Richtung gelenkt.

Was Menschen unterschiedlich macht, ist nicht die Begabung, sondern der Kanal. Manche sehen Bilder wie im Film. Andere hören Sätze. Wieder andere spüren nur, ohne je ein Bild zu bekommen, und wissen trotzdem genau, was passiert ist. Keine dieser Varianten ist besser. Der häufigste Grund, warum jemand aufgibt, ist nicht fehlendes Talent, sondern die Erwartung, es müsse aussehen wie bei jemand anderem.

Was du wirklich brauchst, um Schamanismus zu lernen

Du brauchst weder eine besondere Herkunft noch eine spirituelle Vorgeschichte. Du brauchst fünf Dinge, und keins davon ist esoterisch.

Was du brauchstWarum es zähltWas passiert ohne
RegelmäßigkeitDie Verbindung wächst über Wiederholung, nicht über IntensitätJede Reise fühlt sich wieder an wie das erste Mal
Ein stabiles AlltagslebenSchamanische Arbeit bringt Themen an die OberflächeDu öffnest mehr, als du tragen kannst
Ehrlichkeit mit dir selbstDu erkennst den Unterschied zwischen Botschaft und WunschdenkenDu hörst nur, was du hören willst
Eine erfahrene BegleitungJemand sieht, was du selbst nicht siehstFehldeutungen verfestigen sich über Jahre
Geduld mit dem NichtsLeere Reisen gehören dazu und sagen auch etwasDu hältst Stille für Versagen und hörst auf

Der Punkt mit dem stabilen Alltagsleben ist der, den ich am ernstesten meine. Wer gerade mitten in einer Trennung steckt, frisch trauert oder mit einer unbehandelten Depression lebt, ist an einem Ort, an dem schamanische Praxis mehr aufwirbelt als sortiert. Das ist keine Schwäche. Das ist Timing.

Wie lange dauert es, Schamanismus zu lernen?

Die Grundtechnik der schamanischen Reise lernst du an einem Wochenende. Sie zuverlässig und ohne Selbsttäuschung anzuwenden, dauert Jahre. Das ist kein Widerspruch, sondern der Unterschied zwischen einem Handgriff und einem Handwerk.

  • Erste Wochen: Du lernst die Technik, findest dein Krafttier, machst die ersten Reisen. Vieles wirkt zufällig.
  • Erste Monate: Du erkennst deine eigene Bildsprache. Du merkst, wann etwas von innen kommt und wann du dir etwas ausdenkst.
  • Erstes Jahr: Du reist mit klaren Fragen und bekommst brauchbare Antworten. Du baust eine echte Beziehung zu deinen Helfern auf.
  • Ab dem zweiten Jahr: Du beginnst, für andere zu arbeiten. Vorher ist es fahrlässig.
  • Dauerhaft: Du lernst nie aus. Wer behauptet, fertig zu sein, hat aufgehört hinzuschauen.

Wenn du wissen willst, wie so eine Reise konkret abläuft, habe ich das hier Schritt für Schritt beschrieben: Schamanische Reise: Anleitung für Einsteiger.

Muss man berufen sein, um Schamanismus zu lernen?

Nein. Die Vorstellung, man müsse durch eine Krankheit, einen Blitzschlag oder eine Nahtoderfahrung „gerufen“ werden, stammt aus bestimmten sibirischen und zentralasiatischen Traditionen. Dort war das Schamanenamt ein soziales Amt in einer Gemeinschaft, oft erblich, oft ungewollt und meistens hart.

Was heute in Europa unterrichtet wird, ist etwas anderes: schamanische Praxis für den eigenen Weg und für Menschen, die um Begleitung bitten. Dafür braucht es keine Berufungskrise. Es braucht Handwerk, Selbstkenntnis und einen sauberen ethischen Rahmen.

Ich sage das so deutlich, weil die Berufungserzählung Schaden anrichtet. Sie hält Menschen fern, die ruhig und verlässlich arbeiten würden. Und sie gibt Menschen, die in einer Krise stecken, das Gefühl, ihr Leid sei ein Ausweis besonderer Fähigkeit. Beides führt in die falsche Richtung.

Kann man Schamanismus alleine aus Büchern lernen?

Die Technik ja, den Rest nicht. Bücher erklären dir den Weg. Sie sagen dir nicht, wenn du dich verläufst.

Was allein besonders schwer ist: zu erkennen, ob eine Botschaft aus der Reise kommt oder aus deinem Kopf. Diese Unterscheidung lernt man im Wesentlichen an der Rückmeldung anderer, die schon länger unterwegs sind. Wer jahrelang allein praktiziert, baut sich manchmal ein sehr stimmiges Gebäude, in dem nur die eigenen Annahmen wohnen.

Wenn du überlegst, ob eine Ausbildung der richtige Weg ist, findest du hier die Kriterien, an denen du seriöse Anbieter erkennst: Schamanische Ausbildung seriös erkennen. Und falls du zuerst wissen willst, worum es überhaupt geht: Was ist Schamanismus?

Woran du merkst, dass es für dich der richtige Weg ist

Es gibt kein Zeichen von außen. Es gibt nur ein paar ehrliche Fragen an dich selbst.

  • Willst du Antworten oder willst du recht behalten?
  • Bist du bereit, etwas zu hören, das dir nicht passt?
  • Kannst du eine Praxis über Monate halten, wenn nichts Spektakuläres passiert?
  • Suchst du Heilung für dich, oder suchst du eine Rolle, in der du besonders bist?
  • Hast du Menschen um dich, mit denen du über deine Erfahrungen sprechen kannst?

Wer bei der vierten Frage kurz zusammenzuckt, ist nicht ungeeignet. Im Gegenteil. Wer sich das eingesteht, hat schon den schwierigeren Teil hinter sich.

Der ehrlichste Einstieg: erst erleben, dann lernen

Viele buchen sofort eine Ausbildung und merken nach dem dritten Modul, dass sie eigentlich etwas anderes gesucht haben. Der ruhigere Weg ist umgekehrt: erst einmal erleben, wie sich schamanische Arbeit anfühlt, wenn jemand anderes sie für dich hält.

In einer schamanischen Heilsitzung reise ich für dich. Du musst nichts können, nichts sehen und nichts glauben. Danach weißt du deutlich besser, ob dieser Weg deiner ist. Für manche ist die Sitzung genau das, was sie brauchten, und es bleibt dabei. Für andere ist es der Anfang von etwas Längerem. Beides ist ein gutes Ergebnis.

Häufige Fragen

Kann ich Schamanismus lernen, wenn ich nicht spirituell bin?

Ja. Du musst an nichts glauben, um zu reisen. Viele meiner Teilnehmerinnen sind ausgesprochen nüchterne Menschen aus technischen Berufen. Es hilft sogar, wenn du skeptisch bleibst und deine Erfahrungen prüfst, statt sie sofort zu überhöhen.

Ist Schamanismus gefährlich?

In einem klaren Rahmen und mit erfahrener Begleitung ist die Praxis sicher. Riskant wird es, wenn jemand in einer akuten psychischen Krise steckt, wenn Substanzen im Spiel sind oder wenn jemand ohne Ausbildung an anderen arbeitet. Schamanische Arbeit ersetzt keine Psychotherapie und keine ärztliche Behandlung. Wenn du in Behandlung bist, sprich vorher mit deiner Therapeutin oder deinem Arzt.

Was, wenn ich bei der schamanischen Reise nichts sehe?

Dann bist du in guter Gesellschaft. Etwa ein Drittel der Menschen arbeitet nicht über Bilder, sondern über Körperempfindungen, Worte oder ein schlichtes Wissen. Frag dich nach der Reise nicht „Was habe ich gesehen?“, sondern „Was weiß ich jetzt, das ich vorher nicht wusste?“.

Ist es kulturelle Aneignung, als Europäerin Schamanismus zu lernen?

Die Frage ist berechtigt. Problematisch wird es, wenn geschlossene Rituale fremder Völker kopiert, Titel beansprucht oder heilige Gegenstände verkauft werden. Unproblematisch ist die Grundtechnik der Reise, die sich in fast allen Kulturen der Erde findet, auch in den europäischen. Wer arbeitet, sollte benennen können, woher das kommt, was er tut.

Wie viel kostet es, Schamanismus zu lernen?

Ein Einführungswochenende liegt in Deutschland meist zwischen 200 und 400 Euro. Eine mehrjährige Ausbildung bewegt sich je nach Umfang zwischen 2.000 und 6.000 Euro. Der Einstieg über Bücher, eine Trommel-CD und eine einzelne Heilsitzung kostet dich deutlich weniger und beantwortet die wichtigste Frage genauso gut.

Brauche ich ein Krafttier, bevor ich anfangen kann?

Nein, das Krafttier findet sich meist in einer der ersten Reisen. Es ist kein Zugangsticket, sondern eher der erste Beweis, dass die Verbindung funktioniert.

Dieser Artikel ersetzt keine Psychotherapie und keine ärztliche Behandlung. Wenn du dich in einer psychischen Krise befindest, wende dich bitte an eine Ärztin, eine Psychotherapeutin oder eine Beratungsstelle.

Und du? Was hält dich gerade davon ab anzufangen, oder was hat dich hierher gebracht? Schreib es mir gern in die Kommentare.

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